Das derzeit leistungsstärkste Teleskop lieferte Daten, die nicht mit unserer bisherigen Urknalltheorie zusammenzupassen scheinen. Ist das alte Modell nun hinfällig?
Im Folgenden geben wir ein Gespräch von Jordan B. Peterson mit Dr. David Kipping, einem britischen Astronomen und außerordentlichen Professor an der Columbia University, wieder.
Jordan B. Peterson: Ich habe gehört, dass die neuen Teleskope, die weiter in den Weltraum und damit weiter in die Vergangenheit blicken können als alle bisherigen, die fast allgemein akzeptierte Theorie des Urknalls ins Wanken gebracht haben. Können Sie uns zumindest ein wenig darüber aufklären, was in der Astrophysik in Bezug auf diese Debatte vor sich geht?
David Kipping: Natürlich. Seit über drei Jahren ist das James-Webb-Weltraumteleskop im Einsatz. Es ist das leistungsstärkste Instrument, das wir derzeit haben, um in die Weiten des Universums und damit in die Vergangenheit zu blicken. Denn bekanntlich braucht das Licht von einem Ort, der sehr weit von uns entfernt liegt, sehr lange, um zu uns zu gelangen.
Das Licht, das wir von einigen dieser Objekte sehen, ist also im Wesentlichen über 13 Milliarden Jahre alt. Wir waren überrascht, dass – als wir das Universum in seinen ersten paar hundert Millionen Jahren, also in einer sehr alten Urphase betrachteten –, wir reichhaltige Strukturen wie etwa ziemlich ausgereift aussehende Galaxien entdeckten.
Man findet dort zwar noch nichts, was so ausgereift ist wie unsere Milchstraße, aber angesichts der Epoche, aus denen unsere Daten stammen, sind sie überraschend ausgereift. Plötzlich sahen wir auch bei großen Schwarzen Löchern, dass einige dieser Galaxien im Zentrum massereichere Schwarze Löcher haben, als wir erwarten würden.
Es tauchte also die Frage auf, wie sich diese Dinge schnell genug hätten aufbauen können (wenn man von der gängigen angenommenen Zeitrechnung ausgeht, Anm. d. Red.). Man könnte natürlich argumentieren, dass man vielleicht die Lehrbücher komplett über den Haufen werfen und sagen muss, dass alle unsere kosmologischen Modelle falsch sind, einschließlich des Urknalls, und dass wir alles ändern müssen.
Nicht repräsentativ für die Bedingungen im frühen Universum
Ich glaube nicht, dass die meisten Astronomen bereit sind, die Lehrbücher über den Haufen zu werfen. Ich denke, es gibt andere Möglichkeiten, das, was wir sehen, zu erklären, ohne so drastische Maßnahmen zu ergreifen. Ich habe mit einigen meiner Kollegen darüber gesprochen, wie man das verstehen kann. Eine der interessanten Erkenntnisse, die ich daraus gewonnen habe, war, dass die Modelle der Sternentstehung, die wir anwenden, auf das lokale Universum kalibriert und möglicherweise nicht auf diese früheste Epoche anwendbar sind.
Wenn wir also diese alten Galaxien betrachten, finden wir dort laut unserer bisherigen Auffassung zu viele Sterne vor. Es wurden zu viele Sterne schneller gebildet, als es nach den Raten, von denen wir ausgehen, hätten sein sollen. Aber tatsächlich sind die Raten, von denen wir glauben, dass sich in ihnen Sterne bilden können, auf das kalibriert, was wir heute um uns herum sehen. Aber das kann sicherlich nicht repräsentativ für die Bedingungen im frühen Universum sein.
Und tatsächlich, als man diese Modelle überarbeitet und aktualisiert hat, um der viel stärkeren Sternentstehung und den höheren Dichten Rechnung zu tragen, die in diesen frühen Epochen natürlicherweise vorkommen, haben sie tatsächlich einen Großteil der Galaxien bestätigt, die wir beobachten können. Tatsächlich hätten wir viele dieser Galaxien vorhersagen können, wenn wir vielleicht von Anfang an etwas sorgfältiger darüber nachgedacht hätten, welche physikalischen Daten wir in diese Modelle einfließen lassen. Aber natürlich sorgte die Behauptung, das Urknallmodell sei falsch, für spektakuläre Schlagzeilen. Ich möchte es nicht völlig ablehnen, aber es gibt dabei noch Herausforderungen, und ich glaube nicht, dass es sich als so dramatisch entpuppt, wie es dargestellt wurde.
Nicht beim ersten Schlag das Handtuch werfen
Jordan B. Peterson: Ich verstehe. Ein Teil des Problems war also auch die Ausweitung dieses Prinzips der Einheitlichkeit auf einen anderen zeitlichen Bereich, obwohl es, wie Sie sagten, nicht angemessen war. Wenn die Bedingungen kurz nach dem Urknall offensichtlich andere waren als später, dann wäre die Frage natürlich, wie folgenschwer diese Unterschiede sind. Und Sie argumentieren, dass das Ausmaß dieser Unterschiede konservativ unterschätzt wurde. Und dass ein Teil der Theorie in Verruf gebracht wurde, bedeutet, zumindest Ihrer Einschätzung nach, nicht, dass man das Kind mit dem Bade ausschütten muss.
David Kipping: Ja, wobei wir mit dem Urknallmodell nicht wirklich nur den Urknall meinen. Es geht um das, was wir als Lambda-CDM-Modell bezeichnen. „Lambda“ steht für dunkle Energie und „CDM“ steht für kalte dunkle Materie. Man kann sich Lambda-CDM im Wesentlichen als das Standardmodell der Astronomie vorstellen. Genauso wie es ein Standardmodell der Teilchenphysik gibt, das die grundlegenden Elementarteilchen umfasst, haben wir ein Standardmodell der Astronomie und Kosmologie.
Dieses Modell war außerordentlich erfolgreich, ebenso wie das Standardmodell in der Teilchenphysik. Es erklärt eine so große Bandbreite an Beobachtungen, dass es äußerst schwierig wäre, zu verstehen, wie es zufällig eine so große Anzahl unterschiedlicher Phänomene so exquisit hätte erklären können, wenn man es verwerfen würde.
Astronomen und Physiker mögen es, Dinge auseinandernehmen zu können, aber angesichts des außerordentlichen Erfolgs des Modells und dieses einen interessanten Rätsels glaube ich nicht, dass wir bereit sind, beim ersten Schlag das Handtuch zu werfen. Ich glaube, wir sind bereit, ein wenig zurückzuschlagen.
Dies ist ein Auszug aus einem Video von Jordan B. Peterson.
Jordan B. Peterson (* 12. Juni 1962) ist ein kanadischer klinischer Psychologe, Sachbuchautor und emeritierter Professor. In seinen Vorlesungen und Vorträgen vertritt er konservative Positionen und kritisiert insbesondere den Einfluss der Political correctness und die Genderpolitik. Sein 2018 erschienes Buch „12 Rules for Life“ war internationaler Bestseller.
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@ S.Buch: Was nicht widerlegbar ist, ist wissenschaftlich wertlos. Wenn jemand etwa Paralleluniversen postuliert, die prinzipiell nicht beobachtbar sind und auch sonst keinerlei Bezug zu unserer Welt hat, kann er damit eventuell einen netten Science Fiction-Roman schreiben, aber er das war es dann auch. Und wenn es um den Nutzen der Astronomie geht – abgesehen von den „Nebenprodukten“ wie zum Beispiel die Techniken, die man als Ceran-Kochfelder, CCD samt Bildverarbeitung oder Bluetooth kennt (um nur drei aus einer langen Liste zu nennen) – gibt es Menschen, die verstehen wollen, wie die Welt funktioniert. Und das Geld für die Naturwissenschaften ist allemal besser angelegt als für einen erklecklichen Teil anderer Lehrstühle und „-wissenschaften“.
Das ist eben Wissenschaft, die nie statisch sein kann. Heute können wir kaum verstehen, dass Kirche und Wissenschaftler dem geozentrischen Weltbild nachhingen. In unserem Zeitalter gelingt es den Wissenschaftlern mit immer feineren Meßgeräten, Teleskopen oder Sonden tiefer in das Universum zu blicken, als es je ein Mensch zu glauben wagte. Und wieder in einigen Jahrhunderten? Ich würde zu gerne zurückkehren und bestaunen, welche ungeheueren Erkenntnisse Astrophysiker und Astronomen in der baldigen Zukunft gewinnen werden!
@dr. gerhard giesemann. „Keine Theorie “erklärt„, sie beschreibt nur und bringt alles Beobachtete unter einen Hut.“ Erklären bedeutet in diesem Zusammenhang, dass man aus wenigen theoretischen Annahmen sehr viele empirisch beobachtbare Phänomene ableiten kann und neue Phänomene voraussagen kann. In der Physik werden die Ableitungen meistens mathematisch durchgeführt. Beispiel: Die 4 Maxwell Gleichungen „erklären“ alle bekannten elektromagnetischen Phänomene, u.a. wichtig für die Konstruktion elektrischer Maschinen, Netzwerke, … . Aus den Maxwell Gleichungen folgt auch die Existenz elektromagnetischer Wellen und deren Ausbreitungsgeschwindigkeit. Zum Beispiel ist das sichtbare Licht eine elektromagnetische Welle. (W.S. Dr. rer. nat.)(Der Titel ist echt.)
Der Urknall ist nicht zu widerlegen, sondern erst mal zu beweisen.
Er ist eine simple Vermutung, Hypothese, un kann nicht bewiesen werden.
Für die Sonne gibt es eine alternative Theorie, daß das Plasma im Inneren gar nicht heiß ist. Nur die Strahlung ist heiß. Man muß es mal gehört haben, damit man sich damit beschäftigt.
Warum muß ich spontan an unsere Wettermodelle denken, die trotz mehrfacher Änderung aller möglichen Parameter nie auch nur annähernd den tatsächlichen Klimaverlauf haben abbilden können? Auch die Kosmologie reitet seit Jahren auf den Hilfskonstrukten ‚Dunkle Energie‘ und ‚Dunkle Materie‘ herum, ohne den geringsten Hauch einer Ahnung, wie diese beschaffen sein sollen, Statt dessen werden ständig überraschende neue Teilchenwechselwirkungen in den großen Ringbeschleunigern entdeckt, die zwar dem Rätsel der Beschaffenheit der dunklen Energie und Materie nicht näher kommen, aber neue Denkmodelle befeuern, die mit den alten, materialistischen Weltbildern immer weniger zu tun haben – Stichworte ‚universales Bewußtsein‘ und ‚virtuelle Realität’. Auch hier gilt, das ‘die Wissenschaft‚ noch lange nicht am Endpunkt angelangt ist, sondern immer noch von Forschern der verschiedensten Denkrichtungen befeuert wird. Unter diesen dürfte Dr. David Kipping nur eine – und vielleicht nicht unbedingt die fortschrittlichste – Stimme in der Diskussion sein.
Ist das Universum paradox? Mir scheint, daß der Weltraum mehr denn je unserer Technik zum Opfer gefallen ist. Was ist, wenn die Computer uns belügen? Weltraumbilder, wie wir die heute sehen, sind CGIs, im Weltraum gibt es keine knalligen Farben und keine scharfen Konturen. Galaxien sind das Produkt von Berechnungen. Was die Astronomie entdeckt, sind Schatten, welche von Computern zu Nebeln umgerechnet werden, bis Sonnen, Planeten, Aliens oder eine Galaxie heraus kommen. Wenn man – als Beispiel – die Entfernung des Pluto zur Lichtgeschwindigkeit setzt, dann brauchte das Licht 6 Stunden vom Pluto, um die Erde zu erreichen! Aber in 6 Stunden dreht sich die Erde um 90 Grad! D.h., wenn wir den Pluto im Fernrohr sehen, dann steht der ganz woanders, nämlich 90 Grad weiter! Wir gucken nach oben und der steht rechts! Der müßte theoretisch einen Lichtbogen hinter sich herziehen – genau wie die Sonne. Die soll ja 8 Minuten weiter stehen, als wir sie sehen. Was wir sehen, ist eine Laterne am Ende eines Lichtbogen? Die Lichtgeschwindigkeit erzeugt eine Menge Paradoxien. Zum Beispiel, daß die Entfernung des Plutos mit der Lichtgeschwindigkeit gar nicht ermittelt werden kann! Oder hat man sich gesagt, o.k., wir messen erst die Entfernung, und dann erfinden wir die Lichtgeschwindigkeit? Wir würden immer nur das Ende des Lichtbogens messen, und wo genau endet der? Vielleicht in unserem Auge? Und wieso kriegen wir von der NASA die Koordinaten des Lichtpunktes und nicht den „wahren Standort“ des Pluto? Ist das egal, ob wir den Pluto mit einem 5 Milliarden Superteleskop beobachten oder mit mit einem Teleskop von Tschibo? Muß ja! Das habe ich mir selber ausgedacht und berechnet. Wir gucken nicht in die „Vergangenheit“! Alles steht da, wo wir es sehen. Die RL ist schrill und enthält noch viele weitere, sagen wir mal, Ungereimheiten. / Die LG ist bloß ein Glaubenssatz.