112-Peterson: Gruppenschuld wieder im Angebot

In den sowjetrussischen Gulags waren politische Gefangene zusammen mit gewöhnlichen Kriminellen inhaftiert, also zusammen mit Vergewaltigern, Mördern und Dieben. Das muss man wissen, wenn man das moderne Russland verstehen will. Die gewöhnlichen Verbrecher galten den Sowjets als sozial freundliche Elemente. Denn man war der Ansicht, dass sie nur deshalb zu Kriminellen geworden waren, weil sie im vorigen kapitalistischen zaristischen System Opfer des Unterdrückungsapparats waren. Und als Folge dieser Doktrin haben die Sowjets die gewöhnlichen Kriminellen mit der Leitung der Lager beauftragt.

Die politischen Gefangen hingegen galten als sozial feindliche Elemente, oft nur wegen ihrer rassischen oder ethnischen Identität. Oder weil sie durch Geburt zu jenen Leuten gehörten, die im zaristischen System erfolgreich gewesen waren, oder weil sie auch nur irgendeine Verbindung zum Adel oder zu den Kulaken hatten, der einzigen erfolgreichen Bauernklasse vor der Sowjetunion.

Als Folge dieser absolut wahnwitzigen Doktrin steckten die Sowjets gewöhnliche Verbrecher in die Lager mit politischen Gefangenen. Die Verbrecher waren ganz üble Figuren, und man kann sich vorstellen, wie sie die politischen Gefangenen drangsalierten.

Mitglieder einer bestimmten Klasse waren per se schuldig

Wer „privilegiert“ war, galt als Staatsfeind. Auch wenn nur Verwandte wie Vater, Großvater oder gar Urgroßvater zufällig zu den Privilegierten gehörten: Allein der Umstand, dass man ein Mitglied dieser Gruppe war, reichte aus, um in ein Lager gesteckt zu werden. Dieses Schicksal erlitten hunderttausende, ja vielleicht Millionen von Menschen. Sie mussten oft 10 bis 15 Jahre in den Gulags verbringen, mit viel Glück vielleicht nur zwei oder drei Jahre.

In der Sowjetunion galt: Wer Mitglied einer bestimmten Klasse war, und sei es nur durch eine familiäre Verbindung, war per se schuldig und mit Lagerhaft zu bestrafen. Die Sowjets errichteten und perfektionierten ein System, in dem Schuld auf Klassenzugehörigkeit oder Ethnie basierte. Ein verheerender Weg, der uns auch heute wieder beschäftigt. Überall in Nordamerika wird über eine rassisch oder ethnisch begründete Schuld diskutiert. Es ist jedoch ein gefährliches Gedankengut, Menschen wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer Gruppe als schuldig zu klassifizieren. Hier haben wir Entscheidendes noch nicht gelernt, was wir längst hätten lernen müssen.

Dieser Beitrag ist ein Ausschnitt aus dem Vortrag „Personality 13: Existentialism via Solzhenitsyn and the Gulag“. Hier geht’s zum Original-Vortrag auf dem Youtube-Kanal von Jordan B. Peterson.

Foto: jordanbpeterson.com

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Leserpost

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Viola Heyer / 22.03.2018

Ich kenne einige junge Frauen, die ganz offen sagen, dass man alte, weiße Männer “entmachten”, deren Besitz einziehen und sie zu unbezahlter Zwangsarbeit verpflichten solte, nur weil sie dieser Grupe anhören, während sie zugleich lautstark fordern, dass Menschen nie wieder wegen ihrer Ethnie, Religion, Geschlechts oder Sexualität ausgegrenzt, verfolgt oder herabgewürdigt werden dürfen. Das macht deutlich, dass sehr viele Menschen, vor allem junge Frauen, die heute die gesellschaftliche Debatte dominieren, unfaßbar dumm, aber dennoch brandgefährlich sind.

Jan Nowak / 22.03.2018

Es reichte 1 Kuh zu haben um als Kulake zu gelten… Kleine Anmerkung zur Sowjetpropaganda-allerdings in Polen:In der Schule erzählte man den Kindern das die Sowjets ihnen Nutztiere geschenkt hätten…nur hatten sie 45 alle mitgenommen,das wurde den Kindern nicht erzählt.

Werner Arning / 22.03.2018

Dabei können wir doch gar nichts dafür, in welchem Mutterbauch uns die Geburtslotterie heranwachsen lässt. Wen wollen wir also verantwortlich machen? Wen für was beschuldigen? Wir werden geboren, gehen dann wieder. Auf das Wo und Wann haben wir wenig Einfluss. Das könnte doch milde stimmen und zu einer gewissen Nachsichtigkeit Anlass geben.

Rudolf Dietze / 22.03.2018

Früher war man gemeinsam in der Jungen Gemeinde, und wenn man sich heute auf der Straße trifft und unterhält, wird einem gesagt: “Da bist Du auf der anderen Seite der Barrikade.” Wahrscheinlich war ich schon immer auf der anderen Seite. Als “Staatsfeind” wurde ich auch schon öfter tituliert, in der Schule und später. Mal sehen wie es in der neuen, netzwerkdurchsetzungsgesetzen Zeit wird. Es könnte eine Auszeichnung sein. Bisher wurde mir nur zur Ausreise geraten.

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