112-Peterson: Die Tyrannei in der Sowjetunion

Tyrannen gibt es nicht nur als mythologische Figuren, sondern vor allem auch als real existierende Herrscher. Man denke nur an Stalin, den Gottvater der Sowjets in Russland. Obwohl er bekanntlich nur für die schlimmsten Eigenschaften des alttestamentarischen Gottes stand – er peinigte kontinuierlich Menschen, peitschte Völker aus und ließ sich auch sonst nur Gemeinheiten einfallen – huldigten ihm die Menschen auf verschiedenste Weise.

Am Beispiel Stalin lässt sich gut erkennen, was alles falsch läuft, wenn gehörig etwas falsch läuft; wenn Menschen nicht mehr aufpassen und einer Lüge aufsitzen. Denn ein Charakteristikum des sowjetischen Staates war es, dass es niemand wagte, seine wahren Gedanken zu äußern. Einer von drei Menschen war ein Spitzel. Das bedeutete, bei einer Familie von sechs Leuten waren im Schnitt zwei Informanten dabei, die den Staat über die Aktivitäten der anderen informierten. Wenn man Pech hatte, waren es die eigenen Kinder.

Spitzel wurden reich belohnt. Wenn beispielsweise drei Familien in einer überfüllten Wohnung lebten und man eine Nachbarin denunzierte, die man nicht leiden konnte, wurde diese Frau in eines der alten Konzentrationslager gesteckt und man konnte in ihre Wohnung ziehen. Eine wundervolle Gesellschaft, nicht wahr? Hat auch nur rund 30 Millionen Menschen zwischen 1919 und 1959 das Leben gekostet.

So etwas passiert, wenn die archetypische Struktur stark gekippt wird, wenn die Menschen vergessen, dass sie als mündige Bürger die Verantwortung tragen, die Wahrheit zu sagen. Der Archetyp verschiebt sich, so dass vom Vaterarchetypus (nach Carl Gustav Jung, Anm. d. Red.) nichts mehr übrig bleibt außer dem Tyrannen. So weit sollte es nicht kommen.

Diese Stalin-Darstellung ist sehr interessant. Bewusst oder unbewusst wird er hier von Feuer umgeben. Er sieht aus wie die Hexe Maleficent bei der Taufe Auroras in Disney's „Dornröschen“. Sie streckt die Hände in die Höhe und wird von grünem Feuer umgeben. Auch Stalin erscheint hier, als wäre er von Feuer umgeben, mit Lenin über seinem Haupt, dem König des Feuerreichs. Denn so viel steht fest: Der Terror im Sowjetreich startete nicht unter Stalin, sondern unter Lenin. Man könnte sagen, dass Stalin in diesem Sinne Lenins legitimer „Sohn“ war.

Dies ist ein Auszug aus einer Vorlesung von Jordan B. Peterson. Hier geht's zum Auszug und hier zur gesamten Vorlesung.

Foto: jordanbpeterson.com

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Karl Eduard / 29.07.2020

“wenn die Menschen vergessen, dass sie als mündige Bürger die Verantwortung tragen, die Wahrheit zu sagen.” Ich wünschte, Herr Peterson würde nicht immer mit Ahnungslosigkeit glänzen. “Roter Terror” sollte ein Begriff sein. Oder, wie es Saruman so nett im Herrn der Ringe (Film) formulierte: “Wir müssen nur erst die beseitigen, die gegen uns sind.” Als Stalin die Macht aus Lenins kalten Händen übernahm, gab es niemanden mehr der hätte widersprechen können. Und dann wurden die liquidiert, die in Verdacht kamen, in Zukunft Zweifel am Kurs des Genossen Stalin zu äußern. Menschen sind auch Menschen, die aus eigenen Motiven handeln. Da muß man nicht mal Stalin bemühen. Die überwiegende Masse der Leute handelt nicht nach Idealen, die handeln nach dem, was ihnen nützt. Und hier möge sich mal jeder selbst prüfen, ob er bereit ist, mit seinem Beruf, seiner Reputation, seiner Sicherheit und der Sicherheit seiner Familie für seine Ideale einzustehen. Zudem ist es ein Unterschied, ob jemand prominent ist und auf eine Öffentlichkeit und einen großen Unterstützerkreis hoffen darf, in dem sein Fall diskutiert wird. Oder nicht. Ist es jedem wert, daß sich seine Freunde abwenden, daß er rufgemordet wird, sein Auro verbrannt wird, seine Wohnung beschmiert? Von den Höhen des Olymp herab lassen sich trefflich Verhaltensweisen empfehlen. Martin Sellner, beispielsweise, lebt seine Ideale. Das hat ihm den Rufmord eingebracht mit einem Terroristen zusammengearbeitet zu haben, öffentliche, mediale Anfeindung, die Kündigung sämtlicher Konten, mehre Hausdurchsuchungen. Sein Verbrechen: er agitiert gegen die Überfremdung und für seine Heimat. Wer möchte das noch auf sich nehmen?

Harald Unger / 29.07.2020

Obwohl Deutschland im Schnitt alle 25 Jahre einen staatlichen Totalzusammenbruch hinlegt: 1918, 1945, 1989 und seit 9/15 - existiert dieses Bewusstsein nicht. Selbst unter den Achse Lesern scheint die Ansicht zu überwiegen, hätten wir nur endlich Merkel überwunden, die Dinge sich wieder zum Besseren wendeten. Die Moscheen und No-Go-Zones sind Waffenlager. Das gesamte ‘Sicherheitsgewerbe’, d.h. der Zugang zu Waffen und Ammo, ist fest in muslimischer Hand. Die Polizei wird von der Clan-OK unterwandert und die Restbestände der Armee könnte, theoretisch, allenfalls noch das Berliner Regierungsviertel ein paar Wochen halten. Schon heute gerät die öffentliche Ordnung außer Kontrolle, wenn nur ein paar Halbstarke Stuttgart oder jede andere Stadt aufmischen. Keinesfalls machen wir uns Gedanken darüber, wie wohl Hezbollah, Hamas, IS und Boko Haram und die Heerscharen der Syrien-Libyen Kriegsteilnehmer, die alle vollversorgt hier im Gebiet stehen und noch viel vorhaben, solche Randale auswerten. Für die eigene Planung. Wenn es richtig losgeht. Und die gesamten Polizeikräfte ausschließlich zum Schutz der ‘Eliten’ abkommandiert werden. Nein, solche Gedanken wollen wir uns nicht machen. Uns genügt es, wenn uns jemand ‘aus der Seele spricht’. Wir halten den totalitären Terror für etwas weit vergangenes. Obwohl er bereits unsere Politik, Justiz, Medien und Straßen beherrscht.

Werner Arning / 29.07.2020

Der Übergang von einer freien Gesellschaft hin zu einer unfreien Gesellschaft funktioniert wohl schleichend. Es gibt dazu möglicherweise noch nicht sehr viele Beispiele. In früheren Zeiten eroberten totalitäre Regime die Macht und setzten sie mit Gewalt durch. In heutigen Zeiten haben wir es wahrscheinlich mit einem neuartigen Phänomen zu tun. Keine Revolution löst den Übergang aus, sondern ein sich langsam vollziehender Wandel hin zu einer Gesellschaft, in welcher das Recht auf freie Meinungsäußerung mehr und mehr reduziert und am Ende abgeschafft wrd. Es entwickelt sich eine Angst, das Falsche zu sagen, der falschen Meinung zu sein, die falsche Partei zu wählen, mit den falschen Leuten Umgang zu pflegen. Der Schritt hin zu Denunziationen ist von hier an nur noch klein. Bestrafung findet zunächst über eine soziale Ausgrenzung statt, geht weiter über berufliche Einschränkungen, Behinderung des beruflichen Fortkommens, Bedrohung durch nichtstaatliche, Gewalt anwendende Organisationen. Ein Klima der Angst und des Misstrauens entsteht und wird gefördert. Selbst innerhalb von Familien entsteht Spaltung. Auch hier ist es nur ein kleiner Schritt hin zur Denunziation. Die dieses alles wünschende, diese Entwicklung durchsetzende „Macht“ ist nicht leicht zu identifizieren. Sie benutzt Stellvertreter, um ihre Ziele zu erreichen, um ihr Ansinnen umzusetzen. Es werden Nebenkriegsschauplätze aufgetan und Rauchkerzen gezündet, um „unsichtbar“ zu bleiben. Die Gewaltanwendung ist subtiler Art. Besetzt werden keine Radiostationen sondern die Köpfe der Menschen. Der Überbringer der „Botschaften“ sind Medien, denen ihre Rolle möglicherweise nicht einmal bewusst ist. Autorität wird nicht mit Panzern ausgeübt, sondern mittels eines smarten Journalisten. Regierende geben sich in der Öffentlichkeit nicht streng, sondern harmlos, leise, sanft und unschuldig. Es entsteht gar der Eindruck von Barmherzigkeit und Fürsorglichkeit. (Geheuchelte) Moral ersetzt Rechtsstaatlichkeit.

Matthias Kaufmann / 29.07.2020

Ist in der Weltgeschichte irgendwo eine Revolution dauerhaft geglückt, die mit einer Umwertung der Werte, also einer normativ-ethischen Revolution einherhing? Lasse mich gerne belehren!

Hans Buschmann / 29.07.2020

Von dem hat die Frau Merkel viel gelernt. Wir werden es noch erleben.

Rainer Niersberger / 29.07.2020

Bei uns herrscht so eine Art “Mittelding”, eine kommunistische Zarin, bekanntlich und nicht zufaellig sieht sich Merkel gerne auch als eine Art Monarchin und die grosse Zarin bewundert sie sehr. Dass hier ein aus der sozusagen sichtbaren narzisstischen Kraenkung heraus entstandenes Anbetungs - und Huldigungsverlangen eine Rolle spielt, ist klar. Leider teilt die Dame allerdings so gar nicht die monarchische Liebe zu ihren Untertanen mit den Kaisern und Königen frueher er Tage. Von Gegenseitigkeit kann also keine Rede sein. Hier bricht zumindest die supranationale, sozialistische Leninvariante massiv durch. Ob sie die naechste Metamorphose zur Stalinstufe schafft, bleibt offen. Gut moeglich, dass es der physischen “Säuberung” in diesem Lande nicht mehr bedarf, zumindest nicht im grossen Stil. Die charakterlichen Voraussetzungen zur Despotie hat sie immerhin schon hinlänglich unter Beweis gestellt, auch wenn sie sich selbst zur erfolgreichen Erhaltung ihres Muttibildes nicht oder nur ungern die Haende schmutzig macht. Weitaus gefaehrlicher als die offen und mitunter ungeschickt agierenden maennlichen Autokraten ist sie allemal.

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