112-Peterson: Die Schwäche der Hierarchie

Wenn man jungen Leuten erzählt, dass der Grund für die Probleme der Welt die böswillige Unzulänglichkeit ihrer Gesellschaft ist, dann klingt das erst mal überzeugend – dabei fehlt aber der andere Teil der Geschichte.

Jedes hierarchische System hat eine Tendenz dazu, hinsichtlich der Machtverteilung zu degenerieren. Alle hierarchischen Systeme sind weniger wirkungsvoll, als sie sein könnten. Das liegt größtenteils daran, dass Macht und Schwindel das System korrumpieren können. Eine weitere Schwachstelle liegt darin begründet, dass wir einen Hang dazu haben, uns vorsätzlich blind und betrügerisch zu verhalten (siehe zum Thema Kompetenz-Hierarchie auch diese Kolumne).

Wenn man jungen Leuten nun erzählt, dass der Grund für die Probleme der Welt und womöglich auch das Unbehagen in ihrem eigenen Herzen die böswillige Unzulänglichkeit ihrer Gesellschaft ist – dann klingt das erst mal überzeugend, ihnen fehlt aber der andere Teil der Geschichte. 

Auf diesen fehlenden Teil versuche ich aufmerksam zu machen, weil er ihnen verschwiegen wird: Vergesst nicht das Böse und Korrumpierbare in eurem eigenen Herzen. Und vergesst ebenfalls nicht, dass die liebe Mutter Natur – die von menschenfeindlichen Umweltschützern gerne als wundersame Göttin betrachtet wird – versucht, uns bei jeder Gelegenheit krank zu machen oder zu töten.

Aber dass Korruption in hierarchischen Systemen existiert und dass dies eine Folge von Machtmissbrauch und Betrug ist, stimmt. Und diese Tatsache ist natürlich sehr motivierend, vor allem, wenn man jung ist und das Abenteuer sucht. Gleichzeitig ist diese Sichtweise zu bequem und darum auch gefährlich. Denn wenn man nicht lernt, das Böse auch in sich selbst zu suchen und hierin seine vordergründige moralische Verpflichtung sieht, hat man nun die perfekte Ausrede und die moralische Rechtfertigung, all seine negativen Emotionen, Groll und so weiter gegen den dämonischen Feind zu richten. Und letzten Endes beschleunigt das die Degeneration in Rekordzeit.

Dies ist ein Auszug aus einem Beitrag von Jordan B. Peterson. Hier geht's zum Auszug und hier zum gesamten Beitrag.

Foto: jordanbpeterson.com

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Gerhard Hotz / 19.08.2021

Und was soll man man jetzt gegen Machtmissbrauch, Betrug und Korruption unternehmen? Minimieren kann man diese Dinge nur mit Demokratie. Es geht dabei nicht in erster Linie darum, die Machtpositionen mit den richtigen Leuten zu besetzen, sondern es geht im Gegenteil vor allem darum, die falschen Leute ohne Blutvergiessen wieder von dort entfernen zu können. Die Demokratie hat als einzige Staatsform diesen Korrekturmechanismus eingebaut.

A. Ostrovsky / 18.08.2021

Der Grund für die Probleme der Welt ist nicht die “Unzulänglichkeit ihrer Gesellschaft”, sondern der weiße böse alte Mann, und der steht weit außerhalb der Gesellschaft. Wenn man schon von falschen Prämissen ausgeht, kann ja das Ergebnis mühsamer Denkarbeit auch nur falsch sein. Was sagt Alexa dazu? Wenn der böse alte weiße Mann nicht die Quelle der Probleme wäre, dann wäre Alexa doch ein alter weißer Mann. Lediglich Bill Gates ist eine Ausnahme. Er ist alt, böse, weiß, aber man kann nicht glauben, dass er ein Mann ist. Dann geht von ihm kein Problem aus.

J.P. Neumann / 18.08.2021

Welches gesellschaftliche System ist nicht hierarchisch ?

Markus Kranz / 18.08.2021

Aber jungen Leuten wird nicht erzählt, dass der Grund für die Probleme der Welt die “Unzulänglichkeit ihrer Gesellschaft” ist? Ihnen wird erzählt, dass es ausschließlich die Unzulänglichkeit *westlicher* Gesellschaften ist, die alle Probleme der Welt verursacht. Abgesehen natürlich von Computern, Smartphones, Autos, Kühlschränken, Medizin usw., die das Leben angenehm gestalten. Abgesehen davon ist der Westen an allem schuld und grundlegend schlecht, während der Rest der Welt ein unschuldiges Paradies aus wohlmeinenenden Taliban, unterdrückten IS Anhängern und kritischen Linksextremen ist.

Esther Burke / 18.08.2021

Mea culpa - schon oft habe ich gerätselt, was mit der - christlichen - SCHULD eigentlich gemeint ist : dass wir Menschen (hohen Säugetiere) töten MÜSSEN, um zu leben (essen)?  an diesen Stoffwechsel gebunden sind , nicht einfach von Licht,Luft, Wasser leben können ? deshalb gezwungen sind, AUCH destruktiv zu sein ? Seitdem wir” die Frucht vom Baum der Erkenntnis “gegessen haben, sind wir in der Lage “zur Erkenntnis des Guten und des Bösen” - und hätten - so wird behauptet - die Möglichkeit und die Verantwortung, uns selbst für das Gute oder das Böse zu entscheiden.  - ??? -  Wie könnte “die böse Seite von Hierarchie “(d.h. Machtkonzentration, weil Kompetenzkonzentration, weil Konzentration von Reichtum,Ressourcen, Profit usw ) gezähmt, kontrolliert werden ? - Sicherlich ist Peterson da zuzustimmen : nur, wenn der (jeder) einzelne Mensch bereit wäre , sich den eigenen “bösen” destruktiven - abwertenden, zerstörerischen Verhaltenstendenzen ehrlich stellen zu wollen, mit der Bereitschaft, diese zu korrigieren ,überwinden.  Diesem Maß müsste sich auch die Macht stellen und kontrollieren lassen.  - Nicht ohne verbindliche Ethik , Spiritualität vorstellbar ; nicht ohne strikte Basisdemokratie (die auf “unterster” Gemeinwesenebene beginnen müsste) zu verwirklichen.  Wir brauchen kleinere Gemeinwesen , statt Massenansammlungen von Fremden.  Wenn wir “gut” miteinander leben wollen, müssen wir uns kennen und verständigen können.

Thomas Taterka / 18.08.2021

Bar jeder Eitelkeit möchte ich an dieser Stelle noch einmal , zum besseren Verständnis des Afghanistan - Konflikts auf die Videos aufmerksam machen , die Amit Sengupta auf YouTube hochgeladen hat . ” What is China’s interest in Afghanistan ?” erklärt die geostrategische Bedeutung des Landes für China , ” Afghanistan Issue explained ” erklärt , wie es aus historischer Sicht zu denTaliban gekommen ist und wer sie sind und - ganz hervorragend, ” China’s Expansion Policy near Bhutan ” demonstriert an einem Beispiel , wie Chinas aggressive Expansionspolitik in Asien funktioniert seit der Annexion von Tibet . - Etwas besseres kann ich derzeit nicht empfehlen zur Bedrohung Nr. 1 des Weltfriedens. Darum meine inständige Bitte : Schauen Sie sich Amit Sengupta an ! Am Anfang vielleicht etwas ungewohnt durch den indischen Akzent , aber überragend in der Aufklärung der Sachverhalte .

Rainer Niersberger / 18.08.2021

Wenn wir das Ganze nun noch ohne Daemon und das Böse, beides brauchen wir nicht und es ist auch kontraproduktiv, beschreiben, kommen wir der Sache ganz nahe. Es macht keinen Sinn, exakt das zu kopieren, was die Gegenseite seit geraumer Zeit veranstaltet und sich dann gegenseitig das Böse, Unmoral oder den Teufel vorzuhalten. Das, was sich da im Menschen regt und tatsaechlich reflektiert werden sollte, hat mit einem Daemon wenig zu tun. Es ist Allzumenschliches, sogar Psychopathologien gehoeren dazu. Die Frage ist, was ist konkret zu tun, den Menschen zu helfen oder sie dazu zu bringen, sich qua Bewusstsein und Erkenntnis zur zumindest weitgehenden Beherrschung ihre Instinkte, Triebe, Affekte durchzuringen. Aktuell und das seit Jahren wird eindeutig der falsche Weg gegangen, von den manipulierenden und konditionierenden Machthabern allerdings vorsaetzlich. Das Ziel kennen wir. Die Untertanen sind selten “boese”, aber geistig und psychisch gestört. Sie werden sich gegen jede Reflexion und Erkenntnis ueber sich selbst heftig wehren. Appelle oder rationale Botschaften an sie duerften sinnlos sein, sowenig wie sie aus einem Muslim, der sich im Recht waehnt und seinen Halt braucht, einen westlichen Menschen “machen”.

S. E. L. Mueffler / 18.08.2021

Wie schrieb N. G. Davilà: “Wer an die Vorsehung glaubt, vergißt, daß die Sünde die Karten mischt!” Und ihre Jokerkarten heißen: Hochmut, Habgier, Wollust, Zorn, Völlerei, Neid und Trägheit.

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