112-Peterson: Die Illusion der Objektivität

Wir glauben, die Welt bestünde aus Gegenständen, die eindeutig als solche zu erkennen sind. Aber das ist nicht der Fall. 

Es ist eine Illusion, dass wir diese Gegenstände anschauen, über ihre Beschaffenheit nachdenken, anschließend überlegen, wie wir sie bewerten sollen, und dann entscheiden, wie wir sie benutzen können und schließlich handeln. Denn die Welt kommt nicht in fein säuberlich unterteilten Objekten daher.

Es dauerte lange, bis wir dies erkannten. Denn wenn wir uns die Welt anschauen, sieht es doch ganz so aus, als seien alle Objekte hübsch und ordentlich aufgeteilt. Es ist doch wirklich nicht schwer, das zu erkennen, oder? Doch! Wir benötigen unser halbes Gehirn für diesen Vorgang. Wir sind schließlich sehr visuelle Kreaturen mit einem ausgefeilten Sehapparat. Es bedurfte enormer metabolischer Energie und evolutionärem Zeitaufwand, um uns visuell derart auszustatten, dass wir Objekte überhaupt unterscheiden können, wie wir es gewohnt sind.

Aber auch das stimmt nicht ganz, denn wir sehen Objekte eigentlich noch nicht einmal. Wir sehen eher Hilfsmittel und Hindernisse und halten diese dann für Objekte.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Jordan B. Petersons YouTube-Kanal.

Foto: jordanbpeterson.com

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Holger Kammel / 27.04.2022

Gott, diese völlig hirnlose These, wir könnten die Welt nicht erkennen, weil unsere visuellen Fähigkeiten beschränkt sind und es gäbe keinen Stuhl, weil jeder Stuhl ein Individuum ist, wird immer noch verkündet. Ich verkünde hier folgende (absolut beweisbare) Theorie: Philosophen sind absolute Dummschwätzer, deren unverständliches Geschwätz nur einem Zweck dient, dumme Mädchen oder wahlweise kleine Jungen ins Bett zu bekommen.

Joerg Machan / 27.04.2022

Wenn ich etwas nicht verstehe, dann kann das mind. zwei Ursachen haben: ich bin zu blöd, oder es handelt sich um Blödsinn. Was den obigen Text betrifft, da bin ich mir allerdings ziemlich sicher…

Gerd Quallo / 27.04.2022

Es gibt keine freien Willen des Menschen, nur die Illusion, dass er so selber so entschieden hat, wie er dann agiert. Aber das kann man natürlich nicht zum Ausgangspunkt des Denkens und Handelns machen. Aus demselben Grund ist die Illusion der Objektivität so wahr wie gleichzeitig sinnlos und unnütz.

Thomas Taterka / 27.04.2022

Au contraire ! Es ist KEINE Illusion. - Wenn wir fähig sind , Gegenstände zu betrachten , über ihre Beschaffenheit nachzudenken, zu überlegen, wie wir sie bewerten , auswählen und benutzen können und schließlich handeln sind wir ... ? Künstler , z.B. Maler , - vielleicht Tonmaler . Zur Verdeutlichung empfehle ich den “Balkan Valse” von Sebastian Giniaux ( YT ) . Tonmaler sitzt links an der Gitarre, der ” Gegenstand ” ( Zymbal, siehe Wikipedia ) wird rechts ziemlich gut gespielt ( echter Gypsy Jazz ) . Anfangs klingt es etwas fremd , die “Erleuchtung” kommt mit dem Zymbal -Solo , wenn Sie anfangen mit dem Fuß mitzutippen, sind Sie reingekommen, in die zeitgemäße Adaption einer traditionellen Spielweise . Viel Spaß beim wiederholten ( ? ) Hören dieses tonmalerischen Kunstwerks . ( Gut geeignet beim Autofahren in bunten deutschen Großstädten , trotz Swing etwas wild -melancholisch , also ganz auf der Höhe der Zeit, auch in der langen ungewissen Zukunft Europas , von der keiner mehr weiß, ob sie ein Happy End hat . Versprochen wird immer viel .

F. Auerbacher / 27.04.2022

Es würde alles schon mal gesagt, im gegebenen Fall von Kant, aber es gibt eben auch immer wieder Flachdenker, die meinen, es sei erst dann eine tiefe Wahrheit, wenn sie es auch gesagt haben.

Felix Haller / 27.04.2022

Teil 2: Wirklichkeit und ihre sogenannten Tatsachen und Fakten sind abhängig von dem Wissens- und Erfahrungshorizont des erkennenden Subjekts. Realität und ihre Fakten sind etwas Derivates, Abgeleitetes, Nachgeordnetes. Das Subjekt und seine Bewusstseinsinhalte, seine Erfahrungen sind immer schon das Vorgängige. Dieses „immer schon“ heißt so viel wie a priori, transzendental; also die Bedingung der Möglichkeit für Erfahrung und für Erkenntnis überhaupt, die Bedingung der Möglichkeit, Wirkliches, Fakten überhaupt feststellen zu können, und zwar im Lichte dieser Voraussetzungen. Dieses Vorverständnis präjudiziert damit auch das Ergebnis unserer Erkenntnisbemühungen. Jedes Wissen ist immer vermitteltes Wissen. Jede Erkenntnis ist eine vermittelte Erkenntnis! Jede Feststellung von etwas als etwas ist abhängig vom Vorverständnis des Subjekts. Beispiel: War das Ding an der innerdeutschen Grenze ein „antifaschistischer Schutzwall“ oder ein „menschenverachtendes Bauwerk aus Mauer, Stacheldraht und Selbstschußanlagen“?

Felix Haller / 27.04.2022

Im Verlaufe ihre 2500jährigen Geschichte hat die Philosophie eine Vielzahl von Erkenntnis- und Wahrheitstheorien entwickelt. Kants Entdeckung der kategorialen Ausstattung des transzendentalen Bewusstseins, Hegels Kritik der sinnlichen Erkenntnis, Adornos vernichtende Kritik der Ursprungsphilosophie, Poppers Untersuchungen, welche Rolle Allgemeinbegriffe für die Erkenntnis spielen, haben von verschiedenen Standpunkten aus den Nachweis erbracht, dass es unvermitteltes Wissen nicht gibt. Es gibt für uns Menschen keinen unmittelbaren direkten unvermittelten Zugang zur Wirklichkeit. Das philosophisch nicht aufgeklärte Alltagsbewußtsein glaubt, es habe einen direkten, unvermittelten, theoriefreien Zugang zur Wirklichkeit. Schon eine Ausstattung mit anderen Sinnesorganen würde zu völlig anderen Ergebnissen führen. Jede Beobachtung, jede Feststellung von etwas als etwas, ist immer schon Beobachtung im Lichte von Theorien, von etwas Allgemeinem. Jedes Feststellen von etwas als etwas geschieht immer schon im Lichte und unter der Voraussetzung von etwas Allgemeinen (Popper). Wir haben leider keinen direkten, unverstellten, unvermittelten Zugang zur Wirklichkeit. Wirklichkeit ist immer auch von uns etwas Konstruiertes, etwas Konstituiertes, nämlich konstituiert im Lichte der unausgesprochenen und auch ungewussten, vorbewussten, nicht reflektierten Annahmen, unter denen der Gegenstand uns in den Blick gerät, befragt, betrachtet, eben konstituiert wird. Ohne ein Vorwissen, ohne Vorannahmen, ohne Erfahrungen – wie diffus diese auch immer sein mögen – könnten wir keine Tatsachen wahrnehmen oder feststellen. Ja selbst die sinnliche Wahrnehmung ist an ihrer sinnlichen Basis bereits durch Allgemeines vermittelt!

Dr. Karl Walter / 27.04.2022

Leider bleibt der Artikel auf nicht einmal der halben Strecke stehen und liefert damit Denjenigen Munition, die glauben, man müsste die Welt nur anders betrachten. Natürlich wird jede Wahrnehmung durch die Sinnesorgane geprägt. Würden wir Quanteneffekte erkennen können, sähe für uns alles ganz anders aus. - Der springende Punkt ist jedoch, dass das, was uns als Objektivität erscheint, nicht durch eine freie (möglicherweise revidierbare) Entscheidung zustande gekommen ist, sondern durch Evolution. In einem langen Prozess haben sich diejenigen Interpretationen durchgesetzt, die jeweils am zweckmäßigsten waren. Insofern ist unsere Sicht darauf, was ein Objekt ist, zwar letztendlich tatsächlich willkürlich. Aber das ist die gleiche Art von Willkür, die dazu geführt hat, dass es nicht mehr als zwei Geschlechter gibt oder dass wir eben zwei und nicht drei Arme haben. (Letzteres wäre beim Basteln bisweilen hilfreich.) Andere Konstellationen sind vorstellbar (und irgendwann vielleicht auch von der Natur versucht worden), aber sie waren einfach nicht überlebensfähig genug. Alle Züchter wissen, dass es relativ leicht ist, veränderte Formen zu erreichen. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, eine insgesamt mindestens gleich fitte Spezies zu kreieren. - Adenauer hat nebenbei Rosen gezüchtet. Vielleicht wäre es lehrreich, wenn die ganzen Gesellschaftsumformer sich erst einmal an Pflanzen ein Gefühl für die Probleme erarbeiten (ja, ich weiß, passt hier nicht so richtig hin) würden, die die zielgerichtete Umgestaltung komplexer Systeme aufwerfen.

Ludwig Luhmann / 27.04.2022

Der Blinde Fleck: Jordan demontiert sich selbst, kann es aber nicht erkennen.

Arne Ausländer / 27.04.2022

“Cogito ergo sum” wurde oft als eine Verabsolutierung des Denkens gegenüber dem Gefühl mißverstanden, auch weil Descartes in anderen Aussagen durchaus diese Tendenz hatte. Der Satz betrifft aber die Erkenntnistheorie, exakt das hier angesprochene Problem: Wenn wir es genaunehmen, können wir eigentlich in nichts sicher sein. Nur der Umstand, daß wir nachdenken, kann für sich allein kaum eine Täuschung sein. Aber eben alles andere. Wenn wir nun kapitulieren und wegen der Möglichkeit, getäuscht zu werden, gleich alles zur Täuschung erklären (wie gerade ganz praktisch die Kriegsbilder), dann ist das etwa wie Selbstmord aus Angst vor dem Tod. Jeder hat ja im Alltag Wege gefunden, Täuschung und Lüge einigermaßen sicher zu erkennen. Wie sonst könnte er sein Leben meistern? Ein Merkmal objektiver Realität: sie ist auch dann spürbar vorhanden, wenn es mir gar nicht paßt. Wenn ich ohne Schlüssel vor verschlossener Tür stehe - dann zeigt sich die Objektivität erbarmungs- und kompromißlos: die Tür ist zu.—Von hier aus mag jeder für sich selbst weiterphilosophieren…

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