112-Peterson: Die EU und der Turmbau zu Babel

Jordan B. Peterson wurde 2017 von einem User gefragt, was seine Gedanken zum Brexit seien. Wir geben Petersons damals geäußerte Ideen an dieser Stelle wieder, da sie an Aktualität nichts eingebüßt zu haben scheinen:

Innerhalb meiner Bibel-Vortrags-Reihe habe ich auch die Geschichte des Turmbaus zu Babel analysiert. Sie hat mich besonders interessiert. Im Mythos tun sich Leute zusammen und beschließen, ein massives Gebäude zu bauen. Alle sprechen mit einer Stimme und haben die utopisch anmutende Vision, dass sie ein Gebäude bauen können, das so hoch ist, dass alle darin die gleiche Sprache sprechen und es bis in den Himmel reicht. Und so könnte man es in gewisser Weise als einen Versuch sehen, sich das Transzendente anzueignen.

Ich habe es als einen frühen Vorläufer der Geschichte gelesen, die John Milton in „Paradise Lost“ erzählt hat. Dort geht es darum, dass Satan – Gottes höchster himmlischer Engel, das hellste Licht in der psychischen Hierarchie, könnte man sagen, und der Geist der ungehemmten Rationalität – entscheidet, dass er im Himmel Krieg führen und Gott, also das ultimativ Transzendente, überwinden kann.

Ich lese diese Geschichte als eine warnende Erzählung über den Stolz, der mit intellektuellen Fähigkeiten einhergeht, derselbe Stolz, der die totalitären Staaten des 20. Jahrhunderts hervorbrachte. Beim Turmbau zu Babel beginnen die Menschen, eine einheitliche homogene Struktur zu bauen, deren Spitze in Gottes himmlische Domäne hineinreicht und dadurch vielleicht die Möglichkeit erhält, den Platz des Transzendenten einzunehmen. Gott bekommt Wind davon, begibt sich zur Erde und verwandelt die Menschen, die das Gebäude bauen und am Ende bewohnen wollen, in Menschen, die verschiedene Sprachen sprechen und verstreut sie dann über die ganze Welt.

Warnung vor dem Gigantismus

Ich glaube, die Bedeutung dieser Geschichte ist, dass, wenn man versucht, eine homogene totalitäre Struktur aufzubauen, die das Transzendente an sich reißt, sie von innen heraus verrotten wird. Ich denke, es ist als eine Warnung vor dem Gigantismus zu lesen. Und um auf Europa zu sprechen zu kommen: eines der Dinge, die dort geschehen, ist, dass wir die Torheit der Idee „too big to fail“ sehen. Wir sehen stattdessen: „So groß, dass es sicher scheitern wird.“

Ich glaube, der Grund dafür ist, dass es einen gewissen Grad an Homogenität innerhalb von allem, das als Organisation kategorisiert werden kann, geben muss. Wenn der Grad der Heterogenität innerhalb der Organisation zu extrem wird und wenn die Organisation zu groß wird, dann ist es sehr schwierig für die Menschen, sich mit ihr verbunden zu fühlen.

Sie werden sich wieder in ihre untergeordneten Identitätsgruppen zersplittern, und das könnten zum Beispiel nationale Gruppen sein, was in Europa zu geschehen scheint. Und dann wird die ganze Sache auseinanderfallen. Und ich habe ein gewisses Verständnis dafür, weil ich denke, dass es notwendig ist, dass die Menschen auf individueller Ebene eine Affinität zu den Machtstrukturen, in denen sie sich befinden, empfinden. Wenn man das 1/300 Millionstel einer Einheit ist, dann ist das vermutlich zu viel Nicht-Einheit, um eine wirkliche Affinität zu dieser Struktur zu fühlen. Das ist also ein Teil dessen, was meiner Meinung nach in Bezug auf den Brexit passiert.

Dies ist ein Auszug aus einem Video von Jordan B. Peterson. Hier geht's zum Video.

Foto: jordanbpeterson.com

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Werner Arning / 30.12.2020

Die Turmbauer zu Babel glaubten, Gott nicht mehr nötig zu haben, ihn ersetzen zu können, seinen Platz einnehmen zu können. Dieser Hochmut, diese Fehleinschätzung kam vor den Fall. Und so kommt jeder Versuch, ein Paradies auf Erden zu erschaffen, vor den Fall. Die Sozialisten versuchen es immer wieder. Und nicht nur sie.

Gabriele Klein / 30.12.2020

@Herr Oehler, leider sieht es nicht so rosig aus wie Sie das schildern. D.h. mit einem Umzug nach Bayern um am Ende in Österreich zu landen wäre es nicht getan.  Mir scheint Bayern wird am Ende nicht an Österreich, sondern Europa wird samt Österreich an China verhökert. Anders kann ich mir die eigenartige Tätigkeit des deutsch-Brasilianers Herrn A. Steiner als enger Vertrauter in Merkels RNE Kabinett vor wenigen Jahren (vielleicht immer noch?)  der UN und der CCICED , d.h. eine “Abteilung” der Kommunistischen Partei Chinas als VICE CHAIR leider nicht erklären. Europa scheint bereits ein Teil Chinas . Wann chinesische Polizisten hier für Ordnung sorgen mit Hilfe von Huawei ist nur noch eine Frage der Zeit. Das gemeinsame Training begann bereits.  Sie können das ergoogeln unter China Police, Eingabe Europe oder Ländername.

Karin Adler / 30.12.2020

Alle diese zentralistischen Großreiche funktionieren allein schon organisatorisch nicht. Die aus dem Sozialismus erwachsende Mangelwirtschaft auszugleichen, erfordert den Zusammenhalt in der Familie und in der direkten Umgebung. “Moskau ist weit” wird zu “Brüssel, bzw. Berlin ist weit”. Auf dem Lande wird man sich über Wasser halten, weil beinahe jeder etwas zum tauschen hat oder etwas kann, was benötigt wird. Spannend wird es in den Städten. Was wird der Genderstudierthabende dem Installateur anbieten können, wenn er überhaupt einen auftreiben kann? Auch was die Möglichkeiten der Übertragung von Eigentumsrechten auf, sagen wir, unkonventionelle Weise betrifft, werden gewisse Clans denen der schon länger hier Lebenden sehr im Vorteil sein und der Rechtsstaat wird sich darauf konzentrieren, gegen rrrrächzz und Verschwörungstheoretiker vorzugehen, weil er gegen die Clans nichts ausrichten kann. Wir leben in spannenden Zeiten. Einen guten Rutsch wünsche ich allen!

Paul Brusselmans / 30.12.2020

Und wenn sie nur Philanthropen wären. Das Primat der deutschen Präsidentschaft ist es, jetzt noch einen Vertrag mit China abzuschliessen, somit wissentlich einen Keil zwischen die EU und die noch nicht angetretene aufs höchste gelobte Bidenadministration zu treiben. Wohlgemerkt, einem Land, das widerrechtlich Hongkong drangsaliert, Taiwan bedroht, eine Million Uighuren interniert. Ein Land, das jetzt ein Jahr Zeit hatte, zum Wohl der Weltbevölkerung die Karten bzgl. des Chinavirus offenzulegen. Ein Land, das Spionage und Technologieklau betreibt, Raubfischerei unter dem Schutz seiner Flotte, zwei Kanadier als Geiseln festhält, das in der UNO den zugegebenermassen umstrittenen deutschen Vertreter im Sicherheitsrat beleidigt, ....und in drei Wochen soviel CO2 in die Luft bläst wie die gesamte EU-Fahrzeugflotte in einem Jahr. Entgegenkommen der EU, nebulöse Versprechen der Chinesen. Was ein Freihandelsabkommen mit China wert ist, zeigt der Fall Australiens, wo die Aufforderung nach Transparenz zum Chinavirus zu Strafzöllen durch China führte. Präsident Biden wird sich dies merken. Die deutschen Weltmoralapostel sollten sich schämen. Anstand sieht anders aus.

Daniel Oehler / 30.12.2020

Die EU zerbricht am deutschen größenwahnsinnigen Rettungswahn: Vor über hundert Jahren lautete das großmäulige Motto “Es soll einmal am deutschen Wesen noch einmal die Welt genesen”. Der Rest der Welt war anderer Meinung. Dank des Größenwahns verlor Deutschland das Elsass und Posen. Unter Führung vom Adolf unseligen Angedenkens wollte Deutschland die Welt gleichzeitig von Bolschewismus und westlicher Dekadenz befreien. Dank des Größenwahns ging diesmal noch mehr Gebiet und die staatliche Einheit verloren. Und jetzt wollen die deutschen Polit-Traumtänzer das Klima retten und die EU zum grünen Großeuropäischen Reich, pardon Paradies auf Erden machen. Vielleicht wird man diesmal Bayern an Österreich verlieren und Baden-Württemberg an die Schweiz. Wenn in ein paar Jahrzehnten die Folgen der deutschen grünen Politik gegen die Wirtschaft des eigenen Landes beseitigt werden, bekommen wir eine neue Nationalhymne. Als Text schlage ich vor: “Auferstanden aus Ruinen…”

Gabriele Klein / 30.12.2020

Danke f. s. guten Text. Auch mich fasziniert die Geschichte des Turmbaus weil sie auf den Zusammenhang zwischen Sprachverfall und Totalitarismus hinweist und zeigt wie d. Selbstherrlichkeit am Ende an sich selbst zerbricht.  Die Liebe zum Leben und allen daraus resultierenden Konsequenzen kann leider nicht durch ein von Zweibeinern verordnetes Regelwerk oder “Turmbau” ersetzt werden da man dann ganz “unten” nicht mehr auf nicht vorhersagbare Situationen eingehen kann. Das wäre das Eine. Hinzu kommt dass d.. Ausbildung differenzierter Sprache Empathie voraussetzt und einen Gemeinsamen Nenner der NUR transzendent sein kann. Nur in einer transzendenten Wahrheit nach der es lebenslang zu suchen gilt, kann sich JEDER finden. Für der Agenda einer Frau Dr. Merkel die die Wahrheit gepachtet zu haben scheint, gilt das sicherlich nicht, egal mit welchem AGITPROP Besen sie vor d.Bürgers Tür gefegt wird. Dann, mit jeder Entdifferenzierung der Sprache, je nach Bauchlage jener d. gerade Zepter und Keule schwingen , schwindet deren Kommunikationsfähigkeit, die Mißverständnisse nehmen zu die Logik ab.. Ergebnis ist d. Ende von Fortschritt und Recht womit keine Gesellschaft überleben kann. Beispiel: Die Aussage: Jeder “könnte” eine Straße nutzen,  stimmt weil man sie u.U. nützen MUSS selbst wenn man nicht will, z.B. tot im Leichenwagen.  Die Aussage: Jeder “könnte” die ÖR nutzen stimmt auch, allerdings nicht im Sinne von müssen sondern von WOLLEN.  Wenn man nun beide Aussagen analog behandelt um aus Straßenabgaben Rundfunkabgaben abzuleiten weil man beides “könnte”  so die Richter, , bekommen wir eine wohlgetarnte Lüge und eklatantes Unrecht,  indem mittels gleicher Begriffe aber ungleicher Bedeutung, aus aus Ungleichem Gleiches wird.

Rolf Mainz / 30.12.2020

Bisher ist noch jeder Versuch, dauerhaft eine Wirtschaftsunion bis dato autarker Staaten zu schmieden und zu halten, gescheitert. So wird es auch im EU-Fall sein. Es liegt in der menschlichen Natur, mögliche Vorteile geniessen zu wollen, aber die damit verbundenen Nachteile umgehen zu wollen. Und genau dies geschieht in jeder Art von überstaatlichem Bündnis. Wenn Staat x den Eindruck hat, vom Bündnis mehr zu profitieren als dadurch benachteiligt zu sein (sprich: mehr Netto-Einnahmen als Netto-Ausgaben daraus zu generieren), dann und solange wird jener Staat dem Bündnis positiv gegenüberstehen. Falls nicht, dann wird er entweder gar nicht erst in das Bündnis eintreten, oder beitreten und es anschliessend zu seinem Vorteil ändern wollen oder es schliesslich verlassen… GB hat letztlich die (richtigen) Konsequenzen gezogen, Deutschland ist dazu offenbar nicht in der Lage - letzteres aus verschiedenen Gründen, sei es aus dem Kadavergehorsam weiter Teile seiner Bevölkerung, sei es aus der Wirkung jahrzehntelanger Propaganda über die vermeintlichen Vorteile aus einer EU-Mitgliedschaft. Und so wird der lebende Leichnam EU solange weiter dahinvegetieren, bis der grösste Nettozahler endgültig am Boden sein wird. Und womöglich ist dies sogar mancherseits - in und ausserhalb Deutschlands - nicht einmal unerwünscht.

Sonja Dengler / 30.12.2020

Ich konnte den angegebenen Link zum Video nicht öffnen, weil die angegebene Adresse angeblich ungültig ist. (Anm. d. Red.: Der Link wurde aktualisiert.)

Heiko Stadler / 30.12.2020

Die Errichtung eines Großreiches, an dessen Wesen die Welt genesen soll, ist schon mal gescheitert. Die Verlockung der Allmacht ist aber einfach zu groß. Man will es jetzt ganz anders machen. Man dreht das Rad nicht 180 Grad rechts rum sondern 180 Grad links rum. Aus Faschismus wird Antifaschismus. Es sind nicht mehr Feldherren, die die halbe Welt erobern, sondern es sind Philantrop*innen, die die Welt retten. Die Leichenberge beider Typen von “Weltenretter” haben leider die gleiche Höhe.

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