112-Peterson: Kein Streit vor den Kindern?

Man füchtet sich vor Konflikten in der Partnerschaft, weil man glaubt, ein Disput könnte die Beziehung zerrütten. Somit fragt man sich, wie viel Konflikt die Partnerschaft veträgt. Die Antwort ist, es kommt darauf an, wie sehr man sich einer Versöhnung verpflichtet fühlt. Denn es geht nicht darum, wie viel man streitet, sondern darum, wie gut man sich verträgt.

Oftmals sagt man sich, dass man nicht vor den Kindern streiten möchte. Vielleicht sollte es lieber heißen, dass man vor Kindern nicht kontraproduktiv streiten will. Aber aus meiner Sicht gibt es nichts Besseres, als wenn Kinder eine hitzige Diskussion erleben, gefolgt von einer positiven Auflösung und der Wiederherstellung eines friedlichen Zustandes.

Selbst wenn der Grund des Streits irrationales Verhalten eines oder beider Partner war: Das Kind muss sehen, dass schwierige Probleme gemeinsam verhandelt werden können und man auf diese Weise zu einer Lösung gelangt, selbst in aufgeheizter Stimmung.

Dies ist ein Auzug aus einem Video von Jordan B. Peterson. Hier geht's zum Auszug.

 

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Foto: jordanbpeterson.com

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Arne Ausländer / 09.11.2022

@Sabine Heinrich: Zustimmung! Denn auch, wenn man sich bemüht, Streit zu verbergen, bekommen die Kinder das noch oft genug mit. Dann merken sie aber auch ganz natürlich, daß Streit eben nicht der Normalfall sein sollte. Außerdem wird so berücksichtigt, daß viele Streitthemen für Kinder gar nicht verständlich sein können, das Erklären also als Standardmethode ausfällt. Anlässe zu gemeinsamer Streitschlichtung von Eltern und Kinder dagegen wird man so oder so reichlich im Alltag finden.

Sam Lowry / 09.11.2022

Am Rande: Ich habe durch den Streit meiner Eltern bis zur Scheidung ein wunderschönes Borderline-Syndrom entwickelt. Das geht nie mehr weg!

Wiebke Ruschewski / 09.11.2022

Ich bin da etwas hin- und hergerissen. Eigentlich finde ich schon, dass man sich in Gegenwart der Kinder etwas zusammenreißen sollte. Andererseits will auch streiten gelernt sein. Wie heißt es so schön? Wer im Paradies aufgewachsen ist, kann auch nur im Paradies überleben! Eltern sollten nicht zuviel Rücksicht nehmen, völlig die Sau raus lassen sollten sie aber natürlich auch nicht. Und eine Versönung nach dem Streit ist ungeheuer wichtig. Ein heftiger Streit, der unsachlich geführt wird mit Beleidigungen und Kränkungen, anschließend dicker Luft und ohne Entschuldigungen oder Vertragen ist Gift für die kindliche Seele. So werden Kinder später entweder gleichgültig, oder boshaft oder ängstlich wenn es in der eigenen Partnerschaft zu Konflikten kommt. Dass man es schafft, aus dem schlechten Vorbild der Eltern zu lernen um es selbst besser zu machen gelingt wohl nur wenigen. Aber möglich ist es.

Ralf Pöhling / 09.11.2022

Das ist ein Volltreffer. Es heißt nicht ohne Grund StreitKULTUR. Und diese sollten auch Kinder lernen.

Johannes Schuster / 09.11.2022

Oh ja, wenn Kinder das Fetzen lernen, dann hat der Lehrer seinen Stand eingebüßt. Gut, er wird dann ein fieses Ekel und ein Despot auf der Stufe von Idi Amin, aber was soll´s. Streiten ist Leben, Einträchtig liegt es sich in den Gräbern.

Patrick Meiser / 09.11.2022

Sehr schwieriges Thema, Herr Professor Peterson. Wollte man dieses Thema von allen Seiten beleuchten, dann würde dies merklich das Kommentarfeld sprengen. Persönlich halte ich Kinder einerseits für einen Segen, anderseits für den absoluten Beziehungskiller. Und was konstruktives Streiten und anschließende Konfliktbeilegung angeht, so sei nur der Hinweis erlaubt auf das Thema “Covid-Impfung” - daran sind nicht nur Beziehungen und Freundschaften, sondern ganze Familien zerbrochen. Dies ist in Kanada nicht anders als hier in Europa. Kann mir nicht vorstellen, daß es zu der hier aufgeworfenen Thematik ein grundsätzlich übereinstimmender Konsens möglich ist.

Fred Burig / 09.11.2022

“Selbst wenn der Grund des Streits irrationales Verhalten eines oder beider Partner war: Das Kind muss sehen, dass schwierige Probleme gemeinsam verhandelt werden können und man auf diese Weise zu einer Lösung gelangt, selbst in aufgeheizter Stimmung.” Wenn der Streit aber wegen des Kindes ausgebrochen ist, relativiert sich das dann - da ja u.U. die “Autorität” eines Elternteiles auf dem Spiel stehen könnte, oder?

Werner Arning / 09.11.2022

Kaum jemand hat so feine Antennen wie sie ein Kind besitzt. Man kann den Kindern nichts verbergen. Sie saugen all das, was in ihrer Umgebung vor sich geht, auf wie ein Schwamm. Das leere Blatt, welches die Persönlichkeit des Kindes darstellen mag, ihm wird tagtäglich eine Zeile hinzugefügt. Und es gibt wohl kaum Verhängnisvolleres für Kinder als in der stickigen Atmosphäre des Verschweigens, des Schauspielerns, des Vertuschens und der Lüge aufzuwachsen. Sie dürfen Streit zwischen den Eltern erleben. Solange sich die Eltern lieben, wird es diesen geben und solange sie sich lieben, werden sie sich auch wieder versöhnen. Selbstverständlich sollte der Streit nicht „ein normales Maß“ überschreiten. Das wird er auch nicht, wenn es sich um psychisch einigermaßen gesunde Partner handelt. Auch Eltern entwickeln sich fort. Auch Eltern lernen. Es gibt kein ideales „Stadium guter Elternschaft“. Das wichtigste Prinzip in der Erziehung sollte Ehrlichkeit sein. Genauso wie in der Partnerschaft. Sobald die Lüge Einzug hält, bildet dieses den Anfang vom Ende. Also ruhig mal streiten, solange man nicht beabsichtigt, den Anderen zu verletzen. Die entstandene Wunde könnte nicht mehr verheilen. Kinder nehmen sich ihre Eltern, ob sie wollen oder nicht, zum Vorbild dafür, wie eine Partnerschaft gelebt wird. Sie legen an ihre eigene spätere Partnerschaft ähnliche Maßstäbe an, wie die, die sie bei ihren Eltern beobachtet haben. Wer kalte, miteinander emotionslos umgehende Eltern erlebt hat, wird diesen Zustand auch für sich, für die eigene Partnerschaft, als normal erachten. Wer das Glück hatte, eine lebendige, jedoch liebevolle Beziehung mitzuerleben, der wird sich später nicht mit Halbheiten zufriedengeben. Gut für Kinder ist nicht gespielte Harmonie sondern gegenseitiges, wohlwollendes Interesse. Und dieses Interesse bezieht auch hin und wieder einen Streit mit ein. Nicht Streit sondern Gleichgültigkeit bedeutet die Todesspritze für eine Partnerschaft. Und das spüren auch die Kinder.

Sabine Heinrich / 09.11.2022

Ich widerspreche Herrn Peterson. Streit der Eltern - der ja oft lautstark ausgetragen wird - macht Kindern Angst - auch wenn die Eltern später demonstrieren, dass sie sich wieder vertragen haben, der Streit beigelegt ist. Eltern sollten ihre Streitigkeiten auf keinen Fall vor ihren Kindern austragen - die merken ohnehin, wenn etwas nicht stimmt - da sind sie viel feinfühliger, sensibler als manche Erwachsenen. Sie sollten allerdings später - wenn sich die Situation beruhigt hat - mit ihren Kindern darüber reden. Streiten vor den Kindern - ein ganz klares NEIN! - Ich bin gespannt, wie andere Leser darüber denken.

Gudrun Meyer / 09.11.2022

Bei älteren Kindern sehe ich das auch so. Bei Kindern bis etwa 7, 8 würde ich allerdings berücksichtigen (obwohl man das nicht in jedem Einzelfall kann!), dass kleinere Kinder den eigenen Willen noch nicht klar von dem der Bezugspersonen abgrenzen können. Das heißt nicht, dass sie nie einen Streit mitbekommen dürften, aber doch, dass die Eltern sie nicht in Konflikte hineinziehen sollten. Unterm Strich hängen die Grenzen dessen, was gesund ist, wohl wie immer von der Dosis ab, also im Wesentlichen davon, ob die Eltern sich unter anderem auch mal streiten oder ob die Beziehung am Kippen oder gar zerrüttet ist.

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