112-Peterson: Der Weg zur Besserung

Wenn man sich eingesteht, dass das eigene Leben schrecklich ist, weil man 50 Dinge falsch macht, heißt das, dass man diese Dinge auch richtig machen könnte.

Der erste Schritt zur Besserung ist das Eingeständnis, dass man ernsthaft in der Klemme steckt. Zweitens die Erkenntnis, dass man seine Lebensumstände verbessern sollte. Und drittens, dass man jedoch gerade nicht die Mittel hat, um seine Lage zu verbessern. Der springende Punkt ist, dass mit diesem Eingeständnis eine ziemliche Beschämung und Demut einher geht. Man hat ein Problem, ist jedoch nicht fähig, es selbst zu lösen.

Das Gute an dieser Einsicht ist, dass man sich nun dafür öffnet, etwas Neues zu lernen. Nach dem Motto: Ich weiß nicht genug, um mein Problem zu lösen, aber ich kann es lernen. Das Spannende ist, dass wenn Leute sich ihre Misere eingestehen und gleichzeitig die Überzeugung gewinnen, dass sie lernen können, es besser zu machen, sich die Wahrscheinlichkeit, dass sie es tatsächlich schaffen um ein Vielfaches erhöht.

Das ganze kann man säkular betrachten und sagen, dass es ein übergeordnetes moralisches Prinzip gibt, das an dieser Stelle ins Spiel gebracht werden muss. Wenn man es also beispielsweise schafft, von einer Suchterkrankung loszukommen, geschieht psychologisch betrachtet Folgendes: Man wechselt seine Perspektive. Und zwar vom Fokus auf die Befriedigung eines unmittelbaren Verlangens oder die Anhäufung von Dingen als Zeichen von Erfolg zu der Vorstellung, dass alles einen höheren Zweck haben sollte. Und dieser höhere Zweck kann zum Beispiel darin bestehen, anderen zu dienen.

Man könnte zunächst damit anfangen, sich selbst zu dienen, indem man seine Sucht überwindet. Auf diese Weise würde man wiederum seiner Gemeinde dienen, wie auch immer man diese definiert. Dies wäre also ein Beispiel für den Zweck eines übergeordneten moralischen Prinzips. Auf diese Weise kann man seine eigenen Bedürfnisse auf einer Ebene integrieren, die uns nicht der Laune des Impulses überlässt.

(...)

Wenn man sich und sein Leben in Ordnung bringen will, sollte man es so machen wie bei der Reparatur eines Hauses. Zunächst kommt nämlich die Frage: Was ist hier alles nicht in Ordnung? Allein diese Frage und das Eingeständnis, ein Problem zu haben, ist ein sehr optimistischer Schritt. Wie gesagt: Die Befürchtung, dass man selbst nicht in der Lage ist, es zu lösen, kann dazu führen, dass man es gar nicht erst zugibt. Mit dem Eingeständnis des Problems gesteht man sich selbst die Fähigkeit zur Lösung zu. Denn wenn man sich eingesteht, dass das eigene Leben schrecklich ist, weil man 50 Dinge falsch macht, heißt das, dass man diese Dinge auch richtig machen könnte.

Dies ist ein Auszug aus einem Gespräch von Russell Brand und Jordan B. Peterson. Hier geht's zum Auszug und hier zum gesamten Gespräch.

Foto: jordanbpeterson.com

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Leserpost

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Hans Meier / 08.06.2022

Ich habe ja bis heute ein spannendes, interessantes Leben, und die Formulierung „säkular betrachten“ finde ich super. Das macht das „Türchen zur Rationalität auf, um dem Jammer“ zu entfleuchen. Ich war mal 16 und machte „eine Lehre am Eisen“ was „ja erziehen soll, um die industriellen Relationen im Apparatebau, im Stahlbau usw. zu durchschauen“, um Konstrukteur zu werden, so Knülche die Pläne zeichnen, die alles berrechnen, die Stücklisten erstellen, was alles bestellt und angefertigt werden muss, bervor der Schwertransport den Auftrag zum Kunden kutschiert, wo alles aufgebaut und in Betrieb genommen wird.. Außerhalb der Lehrwerkstatt, „durchliefen wir Kerlchen die diversen Werkstattbereiche“ und ich fand die Schmiede, sehr beeindruckend. Der alte Herr Schmied legte Antrazitkohle an der Esse nach, das Gebläse brachte die Glut in Gang, der alte Herr nahm Stahlstäbe und positionierte sie in der Glut, hatten sie die „richtige Temperatur formte er mit seinem Hammer spitze Reißnadeln aus den Rohlingen. Anschließend war „Abschrecken und Anlassen dran“ und Feinschliff, wo Mann an den vielen Sternchen in den Funken, den Kohlenstoffanteil um 1% der unlegierten Werkzeugstähle, sehen kann. „Der Alte freute sich über das neugierige Kerlchen in ebenfalls blauer Montur“, und sagte „un nun Du“. Als erstes scheiterte ich am Gewicht seines Hammers, „aber ich bekamm einen, mit dem ich Schmieden und Wärmebehandlung von Werkzeugstahl praktisch erlernte“. Lange Rede, „das eigene Schicksal zu schmieden“ also immer innerhalb der Zeit, wo jeder Schlag die beabsichtigte Formgebung, erzielen kann,  „falls Mann Herr über seine Sinne, seine Chance in seiner Zeit und in seinem Optimismus bleiben will, sind immer 4 Dimensionen zu jeder zehntel/sek an Gegenwarts Zeit ganz konzentriert beteiligt zu sein“ und Bingo es gelingt, dem Schwachsinn zu entkommen. Klar macht „das mehr einsamer aber glücklicher, ohne das Pech der Mehrheit, lebt es sich leichter“. „Die Sache mit Thor is besser als die mit To

Stanley Milgram / 08.06.2022

Eine Lebensberaterin drückte mir mal ihre Visitenkarte in die Hand und meinte, sie könne meine Probleme lösen. Sie war total zugekifft, besoffen und kam laut eigener Aussage gerade aus dem Knast. Ich “lieh” ihr dann am Ende des Gespräches noch 5 Euro, die ich “morgen ganz sicher wieder zurückbekomme”. Für Essen. Ja klar. Zudem sind popelige 50 Probleme doch noch ganz überschaubar. Wenn ALLES ein Problem ist, dann kann man doch nur hoffen, dass jemand “format C:/Ich” drückt. Das “Selbst” (Über-Ich, Es) als übergeordnete Instanz bestimmt eben alles, und da kommt man mit noch so tollen Vorsätzen und Sprüchen nicht raus. Eine zeitlang vielleicht, aber nicht auf Dauer. Das finde ich sehr schön dargestellt bei Star Wars. Die dunkle Seite der Macht…

Ulli Funk / 08.06.2022

Ich höre mir lieber Lebensratschläge von John Cleese an. Die komplette Humorlosigkeit von Herrn Peterson lässt einen schnell abschweifen…

Detlef Wacker / 08.06.2022

Einiges direkt widerlegbar.  “Wer x Dinge falsch macht und das erkennt, kann sie auch richtig machen”? Ernsthaft? Das würde bedeuten, dass Lernfähigkeit einsetzt. “Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.”(Einstein). Beweise nötig? Ein Blick in die bundesrepublikanische Politik.

Thomas Taterka / 08.06.2022

” We are dying from overthinking. We are slowly killing ourselves by thinking about everything. Think, think, think ... There is no shortcut to happiness. You have to live YOUR life .” - Anthony Hopkins .

Gerhard Hotz / 08.06.2022

Dazu passt Einsteins Motto: “Eine clevere Person löst ein Problem. Eine weise Person vermeidet es.”

Arne Ausländer / 08.06.2022

Wenn sich Russell Brand und J.B.Peterson unterhalten, wird es schwer sein, sich auf den Gesprächsinhalt zu konzentrieren, weil sich ständig die Frage aufdrängt, was man denn von den beiden halten soll. Jeder für sich ist irgendwie seltsam schräg, sagt dabei durchaus Vernünftiges, nur hat es immer einen schwer definierbaren Beigeschmack. Man fragt sich, was für ein Spiel jeder der beiden nun wirklich spielt. Und dann noch beide zusammen! - Da ein Tag nur 24 Stunden hat, liegt es nahe, nicht zu viel Zeit darauf zu verwenden.

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