112-Peterson: Der Mythos von der finsteren Zukunft

Ich habe eine Zeit lang auf freiwilliger, unentgeltlicher Basis für die UN gearbeitet. Ich war an einem Report für den Generalsekretär über nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung beteiligt. Einige Verschwörungstheoretiker des rechten Flügels hatten große Freude daran, mich deswegen zu einem heimlichen globalistischen U-Boot abzustempeln.

Aber was wäre denn die angemessenste Reaktion, wenn mich die Vereinten Nationen um eine Zusammenarbeit bitten? Es ging um besagtes Dokument, das gerade vorbereitet wurde. Es sollte eine halbwegs intelligente Vision davon entwerfen, wie sich die Dinge entwickeln könnten, wenn die internationale Gemeinschaft in den nächsten 30 Jahren zusammenarbeiten würde.

Es ging dabei nicht um brutale Richtlinien, die von Nazis in Springerstiefeln durchgesetzt werden sollten. Es war lediglich eine Sammlung von Vorschlägen. Alle Beteiligten bekamen die Möglichkeit, sich einzubringen. Ich gehörte zum einzigen kanadischen Team. Ich hatte dadurch die Gelegenheit, mich zwei Jahre lang zu den Themen Wirtschaftslehre und Ökologie zu belesen.

Man kann nie wissen, was stimmt

Das Seltsame war: Je mehr ich las, desto optimistischer wurde ich. Das war genau das Gegenteil von dem, was ich erwartet hatte. Ich dachte, dass unsere Zukunft finster aussähe. Natürlich begehen wir einige Dummheiten. Das Dümmste ist wohl, dass wir die Ozeane überfischen. Dies ist in jeglicher Hinsicht destruktiv und schwachsinnig. Und es könnte gestoppt werden.

Australien hat beispielsweise begonnen, Meeresschutzgebiete einzurichten, in denen das Fischen untersagt ist. Man braucht nicht viele davon, damit sich der Ozean von selbst regenerieren kann. Als sehr interessant stellte sich der Fall der Ölpest im Golf von Mexiko von 2010 heraus. Zwei Jahre später gab es dort mehr Fische als vor der Ölpest. Und warum? Nur weil dort nicht mehr gefischt wurde. Wie sich zeigte, wirkte sich die Verschmutzung am Ende also sehr gut auf die Fischbestände aus. Ein schönes Beispiel, warum man stets gründlich recherchieren sollte. Man kann vorher nämlich nie wissen, was stimmt und was nicht.

Ähnliches geschah während des Zweiten Weltkrieges mit der Nordsee, die damals stark überfischt war. Während des Krieges war es ein riskantes Unterfangen, dort zu fischen, schließlich konnte man leicht von einem U-Boot versenkt werden. Also wurde das Fischen ausgesetzt, und ziemlich schnell erholten sich die Bestände. Das ist üblich bei Fischen, weil sie sich schnell vermehren. In diesem Fall muss man die Sache also einfach ruhen lassen, und eine Regeneration findet von selbst statt.

Jeder Quadratmeter voll verhungernder Skelette

Verlassen wir jedoch das erschreckend und düster erscheinende, aber nicht hoffnungslose Gebiet der Fischerei, in dem gerade ein Umdenken beginnt. Auch andere ökologische Bereiche sahen viel günstiger aus, als ich befürchtet hatte. Auf der nördlichen Halbkugel gibt es beispielsweise heutzutage mehr Wälder als vor 100 Jahren. Wer hätte das gedacht? Ich nicht.

Der Grund hierfür ist, dass nicht mehr benötigtes Ackerland wieder zu Wald wurde, weil die landwirtschaftliche Produktion viel effizienter geworden ist. In China gibt es heute mehr Wälder als vor 30 Jahren.

Ein weiterer Grund für die erhöhten Waldvorkommen liegt darin begründet, dass heutzutage Kohle anstelle von Holz verbrannt wird. Dies führt zwar zu Luftverschmutzung. Aber irgendetwas muss man ja verbrennen, wenn man sich nicht von rohen, ungenießbaren Lebensmitteln ernähren und zu Tode frieren will. Kohle ist definitiv Holz vorzuziehen. Derartiges ist also stets kompliziert.

Dasselbe gilt für den Themenkomplex der Überbevölkerung. Seit den 1960ern und Paul R. Ehrlichs „Bevölkerungsbombe“ dominierte der furchtbar pessimistische Ausblick, dass wir uns wie Ratten vermehren würden, bis schließlich jeder Quadratmeter der Erde mit verhungernden Skeletten bedeckt wäre. Und das alles bis zum Jahr 2000. Hungernde Menschenmassen, Verlust des Wohlstands und kein Öl mehr. Bekanntlich ist dies nicht geschehen.

Uganda könnte ganz Afrika ernähren

Vielmehr ganz im Gegenteil: Die Armutsrate und die Hungerquote ist gesunken, obwohl die Bevölkerung wuchs. Natürlich hungern heute in absoluten Zahlen mehr Menschen als vor 50 Jahren. Aber im Verhältnis betrachtet sind es heute deutlich weniger. Und das ist schon einmal eine enorme Verbesserung.

Die Horrorszenarien rund um eine bevorstehende Überbevölkerung waren also absolut falsch. Die heutigen Prognosen sehen vor, dass wir wohl bei 9 Milliarden unseren Höchststand erreichen werden. Und das wären nur 2 Milliarden mehr als heute. Natürlich ist dieser Zuwachs nicht wenig. Aber in dem Maße, in dem wir die Effizienz der Landwirtschaft steigern, gibt es keinen Hinweis darauf, dass uns das Essen ausgehen wird.

Würde beispielsweise ein Land wie Uganda – mit einer ziemlich großen Fläche und dank des Grundwasserspiegels ausreichend Wasser – ordentlich bewirtschaftet werden, könnte es ganz Afrika ernähren. Wir nutzen noch gar nicht die volle landwirtschaftliche Kapazität, die uns zur Verfügung steht.

Es ist also bei weitem nicht so, dass es zu einer Überbevölkerung kommen wird, die für hungernde Menschen in karger Landschaft sorgen wird. Ich hege ja den heimlichen Verdacht, dass in 100 Jahren vielmehr die schrumpfende Bevölkerung ein Problem darstellen wird.

Die guten Neuigkeiten sind doch bemerkenswert

Wir sollten auch nicht vergessen, dass sich die Anzahl der Kriege reduziert hat. Die Gesamtraten mörderischen Verhaltens auf der Welt sowie die Todesraten durch Terrorismus sind in den letzten 50 Jahren stark zurückgegangen. Aktuell gibt es keine Kriege in der westlichen Hemisphäre.

All diese guten Neuigkeiten sind doch bemerkenswert. Der Zweite Weltkrieg liegt über 70 Jahre zurück und seitdem verfügen wir über thermonukleare Waffen. Aus gutem Grund fürchten sich alle vor diesen schrecklichen Mordinstrumenten. Vielleicht ist es wichtig, dass wir etwas haben, vor dem wir uns so richtig fürchten können. Doch obwohl immer die Möglichkeit eines Fehlers besteht und es immer denkbar ist, dass es zu einem Atomwaffenausbruch kommt – wir haben sie seitdem nicht mehr benutzt und noch gibt es keinen Dritten Weltkrieg.

Vielmehr haben fast alle Menschen, die heute im Westen leben, ihr Leben im Vergleich zu anderen Epochen in relativem Frieden und Wohstand verbacht.

Dies ist ein Auszug aus einem Vortrag von Jordan B. Peterson. Hier geht's zum Auszug und hier zum gesamten Vortrag.

Foto: jordanbpeterson.com

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Karla Kuhn / 11.11.2020

“Ich hege ja den heimlichen Verdacht, dass in 100 Jahren vielmehr die schrumpfende Bevölkerung ein Problem darstellen wird.”  Warum soll eine schrumpfende Bevölkerung ein Problem sein ?Es wird für ALLE Menschen und vor allem für unseren Erdball eine enorme Erholungsphase einteten.  In dem riesigen Australien leben ca 25 MILLIONEN Menschen. Und, stirbt Australien aus?  Deutschland ist VÖLLIG überbevölkert, das wird sich in den nächsten Jahrzehnten bitter rächen. Die gesamte Kanalisation wird, wenn es so weitergeht zusammenbrechen, Berlin braucht   DREIZEHN Jahre zum Bau eines Flughafens. Der Transrapid von Stoiber, verlacht und verhöhnt schwebt jetzt durch Schanghai. Wir faseln von “Flugtaxen”, die max. VIER Personen von A nach B. bringen können. München ist seit Jahren immer wieder Baustelle, wie es in anderen Städten ausieht will ich gar nicht wissen. FALLS es in 100 Jahre noch ein DEUTSCHLAND geben sollte, dann wäre die Reduzierung auf 50 Millionen Menschen eine enorme ERHOLUNG für das völlig überbaute Land ( kleine Dörfer, die bewußt? von der Urbaniserung ausgesclossen sind,  wo sich die Füchse Gute Nacht sagen, ausgeschlossen)  Je mehr Menschen, um so mehr werden die Zivilisationskrankheiten wie Diabetes Typ2, Hochdruck, Depressionen, Schlaflosigkeit, durch den immer mehr ansteigenden LÄRM verursachte Krankheiten und wahrscheinlich auch die zunehmende KÄLTE der Menschen untereinander, die RÜCKSICHTSLOSIGKEIT, die ja jetzt schon enorm angesteigen ist, zunehmen. Der Mensch als solcher wird sich verändern, die “Rasse” wird (ZUM GLÜCK muß ich das nicht erleben) wahrscheinlich wie ROBOTER, KALT UND HERZLOS agieren. Nee, dann lieber wesentlich weniger Menschen. Meine kluge Mutter sagte :“WENIGER IST MEHR”

K Bucher / 11.11.2020

P. Stein / 11.11.2020 Zu A. Bucher: Wie kommen Sie darauf, daß Uganda ein Islam-Staat sei? Über 80% der Bevölkerung sind Christen.+++Gut Das mag wohl Ihre Quelle so behaupten , meine sagt aber was ganz anderes aus .Und Uganda wird sicher nicht aus Jux und Tollerei in der Liste der 57 Islam Staaten stehen und hier ist meine Quelle : +++Welt Atlas de/karte_von_islamische_staaten+++ Oder +++Islamische Staaten (Themenkarte in 57 Länder+++ ...in der Suchmaschine eingeben

Marc Greiner / 11.11.2020

Erinnert mich an Karl Popper, auch ein scharfer Beobachter und Optimist. Zudem war er auch ein dankbarer Mensch. Das ist wichtig, denn ohne Dankbarkeit schätzt man die Welt viel zu wenig, sieht alles schwarz und wird pessimistisch, ja nihilistisch. Popper hingegen hielt die Freiheit sehr hoch, höher als einen verlockenden und umsorgenden Staat.

Esther Burke / 11.11.2020

Das fände ich auch schön : Afrika den Afrikanern ! Soviel Platz dort, fruchtbare Länder, Ressourcen - die müssten ihren Menschen doch ein gutes Leben ermöglichen können.  Wie aber sollte die Restwelt ihre Energiewende und totalglobal-Digitalisierung durchziehen , ohne die hierfür erforderlichen Rohstoffe aus Afrika ? geht wohl kaum ohne willfährige käufliche Regierungen dort , oddrr ?? denke ich hier zu simpel ?  Und HAT sich die Zahl der Kriege weltweit tatsächlich reduziert - wieso gibt es dann so viele Flüchtlinge , warum wollen (+ SOLLEN ) so viele Migranten hierher kommen ?  Wie wünschenswert wäre die “nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung für Afrika” ! - und auch, wenn hierzu z.B.  die EU - EPA -mit ihrem Freihandelsabkommen mit afrikanischen Staaten diese NICHT zwingen dürfte , deren Märkte für europäische Importe zu öffnen und damit die afrikanische Produktion zu (zer)stören (Friederike Beck : Die geheime Migrationsagenda, S.46 ).

sybille eden / 11.11.2020

“Noch gibt es keinen 3. Weltkrieg .”  Nein, Herr Peterson, den braucht es auch nicht mehr, denn die Sozial - Ideologen und die Religion des Friedens haben bessere und hinterhältigere Mittel um sich die Menschheit Untertan zu machen !-  denen gehen landwirtschaftliche Ernährungsprobleme am A…... vorbei !

Dr. Wolfgang Monninger / 11.11.2020

In dem Buch “Factfulness” (2019) des Schwedischen Mediziners Hans Rosling ist das alles schon zu lesen. Sehr empfehlenswert !

Rainer Nicolaisen / 11.11.2020

Schon J.B. Priestley sprach vor 70 Jahren von der “Hell of too many people” , Natürlichlich ist die Welt heillos überbevölkert. Der Mensch braucht als Gegenbild und Korrekten Gegenden der Welt, die nicht total menschbestimmt sind, und das auch in relativer Nähe! Wo also sollten die Probleme einer aufs vernünftige Maß ( 1-2Mrd.) schrumpfenden Weltbevölkerung sein?! Ihr Beitrag, Mr. Peterson, diesmal: Blödsinn.

Gerhard Keller / 11.11.2020

“Natürlich hungern heute in absoluten Zahlen mehr Menschen als vor 50 Jahren.” - Selbst das ist offensichtlich falsch. Denn zumindest seit 1990 ist laut den entsprechenden UN-Berichten trotz der seither um 46% auf 7,8 Milliarden gestiegenen Weltbevölkerung nicht nur der relative Anteil, sondern auch die absolute Zahl der Hungernden deutlich zurückgegangen. - Aber solange dem Überbringer guter Nachrichten nur eine Torte ins Gesicht geworfen wird - wie Bjorn Lomborg bei einer Buchvorstellung - geht’s ja noch ...

P. Stein / 11.11.2020

Zu A. Bucher: Wie kommen Sie darauf, daß Uganda ein Islam-Staat sei? Über 80% der Bevölkerung sind Christen.

Stephan Bender / 11.11.2020

“Vielmehr haben fast alle Menschen, die heute im Westen leben, ihr Leben im Vergleich zu anderen Epochen in relativem Frieden und Wohlstand verbracht.”—- Adel verpflichtet! ... Und für unsere undankbaren Kinder: Tadel verpflichtet!

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