112-Peterson: Das Problem am Aktivismus

Ich frage mich, ob Aktivismus nicht grundsätzlich schlecht ist. Natürlich ist es offensichtlich, dass man Institutionen überwachen muss und diese manchmal Kritik oder Reformen vertragen können. Institutionen verknöchern und können korrumpiert werden. Darauf sollten alle ein Auge haben, und gegebenenfalls werden bestimmte Schritte dagegen moralisch notwendig.

Doch das Problem am Aktivismus ist, dass er quasi immer auf der Idee beruht, dass man selber recht hat, moralisch überlegen ist und diejenigen, die falsch liegen, ausfindig gemacht hat. Für mich ist eine solche Einstellung nur noch einen Schritt von einem wütenden Mob entfernt, der ausströmt, um zu bestrafen.

Ein Aspekt, der mich in dieser Ansicht bestärkt und sehr beschämt, ist, dass Universitäten sehr gut darin sind, jungen Leuten beizubringen, dass es toll wäre, ein Aktivist zu sein. Davon bin ich ganz und gar nicht überzeugt. Ich halte Aktivismus vielmehr für Pseudo-Verantwortlichkeit. Vor allem, weil er stets mit einem sehr einfachen Erklärungsmodell dafür daherkommt, wer der Feind ist.

Dies ist ein Ausschnitt aus einem Gespräch von Jordan B. Peterson mit Claire Lehmann, der Gründerin von Quillette. Hier geht's zum gesamten Gespräch.

Foto: jordanbpeterson.com

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Arne Ausländer / 13.04.2022

Offensichtlich ist AktivISMUS immer eine Instrumentalisierung idealistischer Menschen, aufgefüllt durch solche, die sich aus rein materiellen Gründen beteiligen. Was aber soll diese Kritik hier in diesem Kontext, oder auch im Original bei Peterson? Es erwartet doch wohl niemand, daß z.B. FFF-Jünger solche Texte lesen und anfangen nachzudenken. Wollen wir aber uns gegen staatliche Übergriffigkeit und die Aktionen der willigen Helfer verteidigen, dann müssen ja auch wir irgendwie aktiv werden, uns auch irgendwie organisieren. Das ist schwierig genug. Wenn Peterson vor Fehlern warnt, die man dabei machen könnte, mag das ja hilfreich sein. Oder bremst er nicht eher bei der Gegenwehr? Könnte nicht auch der kanadische Truckerprotest vom Februar als Aktivismus gesehen werden? Sollte man etwa auch solches lieber bleiben lassen? Ich weiß - nicht nur deshalb - nicht, ob ich Peterson trauen soll. Zu lange war er selber Teil der “Global Shapers”. Selbst wenn jetzt seine Distanzierung von diesen Manipulateuren der Menschheit echt sein sollte - wurde er nicht allzu sehr von deren Denken geprägt? Erreichen denn seine kritische Gedanken diese Kreise, die doch zu allererst gemeint sein müßten?

Hans Meier / 13.04.2022

Interessante Gedanken zum Aktivismus, wenn dieser von dem Bereich der Universitäten ausgeht, die sich weit in Theorien versteigen. Es existieren ja auch die anderen universitären Bereiche, in denen über so viele Generationen, in der konservativen Tradition, nützliche Wissenschaften bestehen, die unsere Zivilisation, unsere Industrialisierung und eine freundliche Kultur stabilisieren. Eventuell hat Herr Petersen mit einer Problematik zu tun, die durch eine stark beschleunigte Entwicklung, in nur 8 Generationen in Nordamerika, entstanden ist. In sich gefestigte traditionelle, alte Kulturen sehen die Phasen ihrer Geschichte. Wahrscheinlich sind sie viel weniger anfällig, aufgeregten Aktivisten in einer Campus-Komfort-Stimmung, mit Radau und Gewalt die Politik zu inspirieren, auf alle Intelligenz zu verzichten. Das was als sehr modern daherkommt, hat ja nicht automatisch einen sehr hohen IQ. Viel öfter ist das Gegenteil der sichtbare Fall, der Aktivisten in ihrer Eitelkeit auf die Bühnen führt, um in den Medien, als ihren Spiegeln, beleuchtet und belichtet, ihre Hohlheit zu kaschieren. Da sind mir die Aktivisten lieber die z. B. Rennrad fahren, soweit wie`s nur geht, statt an Universitäten, verbissen aktivistische Diskussions-Runden zu drehen.

giesemann gerhard / 13.04.2022

Neige zu Passivismus. Soll es sich das schnatterfräßige Pack doch selber machen.

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