Im Folgenden geben wir einen Auszug aus einem Gespräch von Jordan B. Peterson mit dem britischen Journalisten und früheren CNN-Moderator Piers Morgan wieder.
Piers Morgan: Um eine Sache wirklich zu unterstützen, egal worum es sich handelt, muss man irgendwann Opferbereitschaft zeigen. Man muss Zeit, Geld, Ressourcen investieren oder sogar seinen Ruf riskieren. Man muss sich aus der Deckung wagen. Es muss ein Element des Risikos und ein Element der Opferbereitschaft geben.
Wenn man jedoch nur dem jeweiligen Hashtag-Trend des Tages folgt, hat das nichts mit Opferbereitschaft zu tun. Man geht kein Risiko ein. Tatsächlich wäre es mutiger zu sagen: „Das werde ich nicht tun. Was ich tun werde, ist Folgendes.“ Wenn man sich wirklich mutig zeigt, ist das eine weitaus greifbarere und effektivere Methode, um beispielsweise rassistische Ungerechtigkeit zu bekämpfen, was in jedermanns Interesse liegen sollte.
Ich habe einfach das Gefühl, dass es auf das hinausläuft, was Sie vorhin über die Opfergeneration gesagt haben. Das einzige gemeinsame Thema der Menschen, die ständig die Opferkarte ziehen, ist, dass sie selber fast nie Opfer für irgendetwas bringen. Es dreht sich alles nur um sie selbst. Es geht nur darum, wie sie Mitleid erregen können. Wie können sie mit Mitgefühl überschüttet werden? Wie können sie beinah schon berühmt für ihr Scheitern und dafür gefeiert werden?
Anstatt, dass man Erfolg feiert, so wie das üblich war, als ich aufgewachsen bin. Früher hat man seinen Kummer mit Misserfolgen ertränkt und sich davon nicht unterkriegen oder zerstören lassen, sondern sich abgeklopft und weitergemacht. Aber die Idee, Misserfolge zu feiern, die Idee, den letzten Platz beim Schulsportfest zu feiern … Die Idee, dass jeder eine Teilnahmeurkunde bekommen muss, auch wenn er eigentlich schlecht war, ist schräg.
Ich war zum Beispiel in der Schule nicht gerade gut in Leichtathletik. Ich war sehr gut im Cricket. Ich war einer der besten Cricketspieler meines Alters in Großbritannien. Und mein Traum war es, professioneller Cricketspieler zu werden. Das habe ich nie geschafft. Mein anderer Traum war es, Journalist zu werden. Das habe ich geschafft. Aber ich war furchtbar in Leichtathletik.
Meine beiden Brüder waren brillant in Leichtathletik. Sie haben immer alles gewonnen. Aber ich habe immer das Rennen der Nicht-Finalisten gewonnen. Und darüber war ich sehr glücklich.
Jordan B. Peterson: Was ist denn das Rennen der Nicht-Finalisten?
Piers Morgan: Nun, alle, die keinen Wettkampf gewonnen hatten, wurden in das Rennen für Nicht-Finalisten gesteckt. Man war also unter den Gehandicapten so etwas wie derjenige mit den meisten Fingern, um es etwas drastisch zu formulieren. Der Punkt war, dass man gegen andere Verlierer antrat und dabei trotzdem etwas gewinnen konnte.
Ich dachte damals: „Ja, ich werde der beste Verlierer sein. Denn ich bin zwar eigentlich schlecht im Laufen, Hürden springen oder Speere werfen, aber ich kann immerhin die anderen Verlierer schlagen.“ Und darauf war ich stolz. Aber ich habe das ganze nie mit tatsächlichem Ruhm oder Sieg verwechselt.
Aber heute sehe ich Leute in den sozialen Medien, die verkünden: „Ich bin so stolz auf mich selbst. Ich habe gerade meine Führerscheinprüfung beim x-ten Versuch bestanden.“ Und dann denke ich mir: Warum muss das irgendjemand wissen? Warum muss irgendjemand wissen, dass du so völlig unbegabt ins Sachen Autofahren bist? Du hast x Versuche gebraucht, um deine Führerscheinprüfung zu bestehen. Und was soll ich jetzt tun? Soll ich dir Champagner schicken? Willst du etwa auf Platz eins der News-Trends stehen, weil du der schlechteste Fahrer der Welt bist? Was feierst du hier eigentlich?
Wenn du deine Führerscheinprüfung im zehnten oder elften Versuch geschafft hast, freue ich mich für dich, aber ich bin nicht stolz auf dich. Das ist nichts, worauf du stolz sein solltest. Ich denke, dass die Gesellschaft in dieser Hinsicht heutzutage sehr verzerrt ist. Wir feiern das Scheitern.
„Eine absolut überwältigende Erfahrung“
Jordan B. Peterson: Genau genommen feiern wir den Stolz.
Piers Morgan: Genau. Wir haben angefangen, uns unwohl gegenüber Gewinnern zu fühlen. Besonders wenn diese auch noch ein bisschen selbstbewusst auftreten. Und dennoch glaube ich, dass sie die bestmöglichen Vorbilder sind, die es gibt. Menschen, die im Druckkessel des Profisports, des Showbusiness oder anderen Hochleistungsbranchen abliefern können.
Ich habe zum Beispiel all die neidischen Sticheleien gegenüber Taylor Swift (Foto oben) verfolgt. Und dann bin ich zu ihrem Konzert im Londoner Wembley-Stadion gegangen. Eine absolut überwältigende Erfahrung. Nicht weil sie die beste Sängerin der Welt oder die beste Tänzerin, Schauspielerin, Pianistin oder Gitarristin wäre, obwohl sie all diese Dinge beherrscht.
Es ist einfach so, dass ich noch nie ein Publikum gesehen habe, das so eins mit einer Künstlerin war, die ihm gab, was es wollte. Dreieinhalb Stunden lang hämmerten ihre Hits von einer riesigen Bühne mit großartiger Theatralik. Jeder Jugendliche dort – einschließlich meiner 12-jährigen Tochter –, erlebte eine fantastische Zeit.
Aber dann kommt die Kritik: Sie singt nicht jedes Lied live. Sie ist dies, sie ist das. Dabei hat sie all diese Lieder selbst geschrieben. Sie spielte zwei Milliarden Dollar mit dieser Tournee ein. Pro rata handelt es sich um die größte Tournee in der Geschichte der Musik, größer als die der Beatles, als sie 1965 im New Yorker Shea Stadium spielten. Und doch ist die natürliche Reaktion vieler Leute, Taylor Swift gegenüber gehässig zu werden. Und viele der Lästerer haben wahrscheinlich #seidlieb in ihren Biografien auf X stehen.
Mit anderen Worten: „Ich bin ein wirklich gütiger Mensch. Ich bin ein toleranter Mensch. Ich bin ein netter Mensch. Und ich werde jeden von euch Faschisten vernichten, der von meiner woken Weltanschauung abweicht. Aber Taylor Swift werde ich fertigmachen. Ich werde neidisch, nachtragend und eifersüchtig sein.“ Das steht aber völlig im Widerspruch zu dem, was diese Menschen vorgeben zu sein. Und diese völlige Doppelmoral beobachte ich bei so vielen der „Woke-Brigade“, wie ich sie nenne.
Aber es ist, wie Elon Musk gesagt hat: Es ist ein Gedankenvirus. Sie verbreiten tatsächlich Lügen und verhalten sich auf eine Weise, die das genaue Gegenteil von dem ist, was sie vorgeben zu sein. Und ich finde diese Täuschung und diesen Betrug tatsächlich ziemlich beleidigend. Das entlarvt (die Gutmenschen) als das, was sie sind.
Dies ist ein Auszug aus einem Video von Jordan B. Peterson.
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@Johannes Schuster: „Gerne, aber nicht im Badeanzug, so die Hälfte der Mitläufer sich am Schambein eine Identität ableitet.“ – Na ja, aber im … sagen wir mal … Taucheranzug sich seine Identität am Scham- bzw. dann wohl Tauch-Bein abzuleiten, ist dann wohl mehr die Option für die Latex-Fetischisten, oder? Das ist auch nicht gerade die Mehrheit! Und da wir gerade dabei sind: Was für einen Unterschied macht es denn eigentlich, ob „die heimlichen Schmuddelsammlungen unter einem Stapel wissenschaftlicher Magazine“ liegen oder direkt obenauf?
Ich bin hier ganz und gar nicht mit dem Autoren einer Meinung, wiederspreche ihm aber oberflächlich mal nicht: Ich würde keinem den Erfolg neiden, auch Adolf Hitler nicht. Denn zwischen einer Love – Parade und einem Reichsparteitag und einem Konzert einer Rockband gibt es sozialpsychologisch nur geringe und oberflächliche Unterschiede. Masse und Macht…. Wenn man aber Macht hat, soll man diese konstruktiv nutzen und nicht eine mittelmäßige Durchschnittserotik nutzen, auch wenn es legitim erscheinen mag mit der dummen Masse Geld zu machen. Gerne, aber nicht im Badeanzug, so die Hälfte der Mitläufer sich am Schambein eine Identität ableitet. Denn das Sexuelle ist ja ein Verkaufsschlager weil es die billige Sucht ist, der Rausch, der installiert ist. Bringe ich die Welt weiter, wird sie menschlicher durch eine Reduktion auf ein Gekeuche und die Affenhorde ? Die Welt wird nie menschlicher als der Affe, den der Mensch abgibt, – ach vergesst es, lasst Ihr die Milliarden, den Fans die Geilheit und mir meine Ruhe. Autisten haben auch Sexidole, nur die bestehen aus Technik oder heimlichen Schmuddelsammlungen unter einem Stapel wissenschaftlicher Magazine. Jeder Geist ist Affe dann und wann.
@ janblank : Korrekt. Ich würde von limbisch Abhängigen , von Junkies im weitesten Sinne sprechen , die sich , egal woher bzw womit, ihre tägliche Dopaminration verschaffen , wie man weiss, steigernd, weil die Wirkung nachlässt. Nun wusste u.a. bereits Schopenhauer, dass die meisten Menschen nur glauben oder fühlen, das Denken quasi simulieren, was sie bzw ihr System natürlich rationalisieren, und deshalb rational argumentativ nicht zu erreichen sind. Umso rührender , wenn auch vergeblich ist der permanente Versuch bzw die andauernde Unterstellung, man könne Menschen qua Logik gewinnen. Ein Versuch, von dem Schopenhauer bekanntlich dringend abriet, dem eigenen Seelenheil zuliebe. Er empfahl Distanz. Von der mitunter verzweifelt wirkenden „ warum – Frage “ abgesehen. Z.B., warum wählen über 70 % so und weniger als 30 % anders oder warum widerfährt Frau Swift dieses und jenes. Ecce homo.
Habe noch nie mehr als 10 Sekunden dieses Schneiderlein Flink gesehen oder gehört. Braucht man nicht zum Leben. Und weil die anderen stärker sind, erfand Herr Colt den Equalizer.
Wenn es um das Feiern des Scheiterns geht, lässt sich Deutschland , wie so oft in der Geschichte, von wirklich niemandem etwas vormachen. Die aktuelle Gegenwart zeigt: Dieses Land ist diesbezüglich sogar regelrecht vergnügungssüchtig. Und ist noch lange nicht damit fertig. Vielleicht ahnt das Land sogar, dass der Kater entsetzlich sein wird. Daher säuft es eben einfach immer weiter. Die Logik des Alkoholikers. Was rät der Arzt dann dem verzweifelnden Angehörigen?
Verlassen Sie ihn. Oder gehen sie mit unter. Weltpolitisch ist Deutschland tatsächlich vom bewunderten Champion abgestiegen zum einsamen Hanswurst, den z.B. die Wüstensöhne von Katar im Staatsfernsehen offen auslachen und selbst seine Entwicklungshilfenehmer wie China ihn links liegen lassen. Als Privatmensch würde man dann klugerweise psychotherapeutische Hilfe aufsuchen. Wenn der Leidensdruck zu groß wird. Kommt noch……
Nicht nur bei der „Woke-Brigade“ ist es so. Bei 80 % der „Gut-“Deutschen habe ich es während der Corona-Zeit erlebt. Da wurden die angeblich „Guten“ zu selbsternannten KZ-Aufsehern… ja, wie das damals möglich war? Fragen sie Herrn Broder, er jhat die Antwort bereits gegeben…
Wer ist denn „Wir“? Das linksgrüne Milieu hat immer etwas zu nörgeln, wenn andere erfolgreich sind. Dieser Reflex beruht auf dem ihm zutiefst innewohnende Sozialneid. Weil sie selbst nichts Erfolgreiches auf die Beine stellen können, denunzieren sie den Erfolg der anderen als unehrlich und unsozial. Dabei ist ihr destruktives Verhalten schlicht asozial.