Ich wurde gefragt, wie man seine eigene Schattenseite integrieren und anfangen kann, auf kontrollierte Weise selbstbewusster zu sein? Ganz einfach, indem Sie anfangen, kontrolliert selbstbewusster aufzutreten. Worüber sind Sie wütend? Schreiben Sie es auf und gehen Sie dabei möglichst umfassend darauf ein. Sie können natürlich auch mit einem Freund darüber sprechen. Schreiben Sie alles auf, was Sie wütend macht. Dabei werden Sie denken: Es ist eigentlich unbegründet, über einige dieser Dinge überhaupt wütend zu sein. Ja, wahrscheinlich.
Aber das ist hier nicht die Frage. Wir versuchen nicht herauszufinden, ob Sie vernünftig sind oder nicht. Natürlich sind Sie das nicht, denn wer ist das schon? Sie haben nun jedenfalls eine umfassende Liste von Dingen, die Sie wütend machen. Und das Erste, was Sie feststellen werden, ist, dass einige dieser Dinge Sie einfach nicht wütend machen sollten. Das wird Ihnen bestimmt auch eine andere Person bestätigen, mit der Sie darüber sprechen: „Das sollte dich eigentlich nicht ärgern. Werde einfach erwachsen.“ Vielleicht sind also 10 Prozent Ihrer Ärgernisse darauf zurückzuführen, dass Sie undiszipliniert sind.
Aber dann gibt es noch einige andere Dinge, die Sie wütend machen, weil man Sie ausnutzt, Sie sich ausnutzen lassen oder Sie sich selber ausbeuten. Oder nicht widersprechen, wenn jemand anderes Sie bittet, etwas zu tun, was Sie eigentlich nicht wollen. In solchen Fällen sollte man sich überlegen, was einem lieber wäre? Was müsste sich denn ändern, damit man nicht mehr wütend ist?
Es geht immer darum zu verhandeln
Sobald man weiß, was man will, kann man beginnen, um einzelne Dinge zu bitten. Das können zunächst Kleinigkeiten sein. Wenn zum Beispiel eine Frau etwas mehr Zeit für sich haben will, könnte Sie damit anfangen, ihren Mann zu bitten, sich nach dem Abendessen um die Kinder zu kümmern. Sie könnte damit beginnen, ihren Mann zu bitten, jeweils 15 Minuten die Kinder zu beschäftigen, damit sie etwas Zeit hat. Zunächst vielleicht dreimal pro Woche.
Es geht immer darum zu verhandeln, was die andere Person bereit ist zu tun. Man selbst muss wissen, was man will und braucht, dann muss man es dem anderen mitteilen und dann muss man eine Lösung aushandeln. So wird man selbstbewusster, indem man klein anfängt. Man wird selbstbewusster, indem man die Wahrheit sagt. Man ist verärgert und genervt, dass dieses und jenes nicht passiert, und schlägt daher etwas vor, das der andere einem anbieten kann, und im Gegenzug ist man bereit, dieses und jenes zu tun.
Der Vorteil ist, dass man dann nicht mehr unglücklich und passiv-aggressiv zu sein braucht. Daher ist es nicht so, dass Ihr Partner nicht von Ihrer gewonnenen Durchsetzungsfähigkeit profitieren würde. Es ist kein Nullsummenspiel. Sie könnten beide davon profitieren.
Denn es wäre doch schön, wenn Ihr Partner Sie um das bitten könnte, was er möchte, und Sie ihm das geben könnten. Und Sie umgekehrt ihren Partner um das bitten könnten, was Sie möchten, und der andere Ihnen wiederum Ihre Wünsche erfüllen könnte, und Sie beide glücklich darüber wären. Das könnte passieren. Nicht immer und in jeder Situation. Aber man kann ein gutes Stück auf diesem Weg zurücklegen, wenn man umsichtig ist.
Wir sind einfach nicht so schlau
Seien Sie also ehrlich hinsichtlich dessen, was Sie stört, aber seien Sie auch ehrlich zu sich selbst darüber, was Sie wollen und beginnen Sie mit kleinen Verhandlungen in diese Richtung, und Sie werden immer besser darin werden. Es lohnt sich wirklich, es zu versuchen, denn sonst trägt man all diesen Groll mit sich herum, und das ist schrecklich. So kann man nicht leben. Es macht einen selbst krank und alle um einen herum auch, es lässt einen alt werden und macht das Leben elend.
Immer wenn man sich sagt „Ich habe Angst, zu sagen, was ich will“, ist das zwar verständlich. Wer kennt das nicht? Aber man sollte auch bedenken, dass die Konsequenz daraus schrecklich ist. Es ist zwar immer ein Risiko, zu sagen, was man braucht. Aber es besteht auch das Risiko, nicht zu sagen, was man braucht. Und wenn Sie sich zwischen diesen beiden Risiken entscheiden müssen – dann entscheiden Sie sich dafür, es zu sagen. Dann haben Sie zumindest eine Chance, und Ihr Partner auch.
Sie kennen sicher viele Ehen, in denen eine Person zutiefst unglücklich und wütend ist und die andere Person wirklich keine Ahnung hat, warum. Vielleicht hat der unwissende Partner alles getan, was er konnte, um blind für das Problem zu bleiben. Aber oft weiß er es einfach nicht, weil die andere Person ihm einfach nie gesagt hat: „Hier ist das Problem, und das ist die Lösung, die ich will.“
Sie erwarten, dass der andere es von sich aus weiß. Aber das können Menschen einfach nicht. Wir sind einfach nicht so schlau. Wie oft fällt der Satz: „Wenn Du mich lieben würdest, wüsstest Du, was ich brauche.“ Wie viele von uns haben diesen Satz schon gesagt? Die richtige Antwort darauf lautet aber: „Nein. Du hast keine Ahnung, wie dumm ich bin. Sonst hätte ich dich ja nicht geheiratet. Wie viel kannst du denn von mir erwarten? Ich kann kaum das tun, was du mir sagst, geschweige denn erraten, was du möchtest. Also, gib mir eine Chance und sag mir wenigstens, was ich schlecht mache, damit ich wenigstens eine vage Chance habe, dir zu gefallen.“
Im Zweifel formal
Das ist zumindest schon mal ein guter Anfang, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Wenn ich mich an meine Frau wende und sage: „Hör mal, ich bin wirklich dumm, und das meine ich ernst. Ich bin erstaunt, dass du mich erträgst, denn ich kann mir wirklich nicht vorstellen, warum du das tun solltest. Und wenn du mir sagst, was du willst, auf eine Weise, die ich bewältigen kann, und du mich es eine Weile lang dilettantisch ausprobieren lässt, bin ich vielleicht bereit, es zu versuchen. Was meinst du?“ Normalerweise fällt ihr etwas ein, was ich tun kann. Und umgekehrt auch. Normalerweise funktioniert es, auch weil wir uns jeweils die Möglichkeit geben, uns erst einmal idiotisch anzustellen.
Wie sähe das ganze nun in der Praxis aus? Vielleicht geht es darum, dass die Frau sich wünscht, dass ihr Mann ihr sagt, dass er sie liebt.
Er: „Wie oft?“
Sie: „Jeden Tag.“
Er: „Nun, das wird irgendwann langweilig. Na gut, einmal pro Woche. Wie wäre es mit Montag?“
Ja, das klingt zunächst lächerlich. Aber wenn man sich richtig anstellt, ist das Ergebnis vielleicht, dass Ihnen Ihr Partner einmal pro Woche für den Rest Ihres Lebens sagt, dass er Sie liebt. Und es auch so meint. Und vielleicht wäre es besser, dies im Zweifel zu verhandeln, anstatt es am Ende nie zu hören.
Und dann geht es weiter:
Sie: „Also immer montags, nachdem du von der Arbeit nach Hause gekommen bist? Das ist ein bisschen formal.“
Er: „Wie wäre es mit ein paar Blumen dazu?“
Sie: „Na gut, wie wäre es dann mit einmal alle zwei Wochen?“
Er: „Okay, abgemacht.“
„Die hast Du bestimmt nicht selbst gekauft.“
Sie denken jetzt vielleicht: „Das ist grauenhaft und einstudiert. Es ist nicht spontan.“ Und natürlich ist es zunächst gewöhnungsbedürftig.
Das erinnert mich an einen Freund, der seiner Frau eines Tages Blumen mitbrachte. Er brauchte drei Tage, um sie davon zu überzeugen, dass er sie ihr tatsächlich gekauft hatte. Das ist natürlich nicht die gewünschte Reaktion.
Er: „Hier, ich habe Blumen für dich.“
Sie: „Nein, hast du nicht. Du bringst mir nie Blumen mit und wirst es auch nie tun.“
Er: „Naja, aber hier sind doch Blumen.“
Sie: „Die hast Du bestimmt nicht selbst gekauft.“
Die hilfreichere Antwort wäre einfach: „Dankeschön.“ Wenn jemand etwas Gutes tut, auch wenn er es vielleicht unbeholfen und verbesserungswürdig tut, dann sagt man Danke. Weil er es dann vielleicht wieder tut. Und wenn er es zwanzigmal getan hat und man sich immer wieder sorgfältig bedankt, wird der andere in seinem Tun selbstbewusster und irgendwann gut darin, und dann dauert es möglicherweise ein Jahr, bevor man jahrzehntelang von dieser Übungsphase profitieren kann.
Dies ist ein Auszug aus einem Video von Jordan B. Peterson.
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Beitragsbild: Alexas_Fotos/Pixabay
Entweder ist der Autor bereits sehr lange verheiratet – oder aber Single.
Wer ist denn diese geheimnisvolld Dame, die unseren Kini so gut im Griff hat? Eins kann man jetzt schon sagen. Sie ist nicht die dicke Frau, die noch nicht gesungen hat. Sie ist auch noch nicht die dicke Frau, die immer singt. Hmmm. Geheimnisvoll? Ist Neuschwanstein doch ein außerirdisches Kraftzentrum für Orbs? Möglich immerhin.
Das Frustrierende ist, dass ich – und nicht nur ich – andere Menschen nicht ändern kann, auch nicht diejenigen, die mir am nächsten stehen, weil die Motivation zu einer Veränderung immer von innen kommen muss. Bleibt nur die Option, sich selber zu ändern, aber auch das ist schon schwer genug. Man kann z.B. jeden vergangenen Tag einer „Manöverkritik“ unterziehen, am besten abends vor dem Einschlafen oder morgens vor dem Aufstehen: Was ist gut gelaufen? Wo habe ich versagt? Plagt mich etwas? Wenn ja, was, warum und was kann ICH dagegen tun? Man muss Massnahmen definieren, die man wirklich umsetzen will. Wenn ich dieses Prozedere JEDEN Tag durchlaufe, werde ich vielleicht nicht mehr ständig vom Alltagskram überrollt, und ich kriege meine Stimmungen allmählich besser unter Kontrolle. Das strahlt positiv auf meine Mitmenschen aus und von diesen auch wieder positiv auf mich zurück.
Im Prinzip richtig. Aber nur im Prinzip. Es setzt nämlich konkret etwas voraus, was zwar hin und wieder vorhanden ist, z.B. im Falle des Autors, mit der conditio z.B. der Dame aber wenig bis nichts zu tun hat. Was bedeutet, dass zunächst gewisse Voraussetzungen oder Bedingungen zu schaffen wäre, welche ein derartiges Vorgehen ermöglichen bzw zum (beiderseitigen) Erfolg führen würden. Der Autor weiss, dass es realiter jede Menge psychokognitive Handicaps bis zu Abhängigkeiten qua limbischer Steuerung gibt, die ein z.B. vernünftiges Arrangement zumindest im konkreten Fall verunmöglichen. Egal, wie „ klug“ der Versuch des einen auch war. Im Grunde bräuchte es ähnlich dem Befund in anderen Bereichen , auch in Politik und Gesellschaft, eine Art Therapie, um zunächst die inneren Hindernisse für eine Lösung, z.B. die Kompensationsbedürfnisse, zu beseitigen. Die jahrelange Co- Abhängigkeit zur Vermeidung von ( grösseren) Konflikten inklusive. Man kann die Szenen einer „ ungleichen“ Partnerschaft mit dem Unverständnis mit dem Verhalten von 75 % der Menschen , Korrektur , vermutlich etwa 50 %, der Rest ist Vorteilnehmer, als Wähler vergleichen. Wenn es „ limbisch“ wird, und das wird es mindestens sehr häufig, wird es mit dem hier skizzierten Vorgehen bzw dessen Erfolg schwierig. Wenn beide dazu , zu ihrem System, bewusst und selbstkritisch auf Distanz gehen, ihre Perspektive ändern, könnte es funktionieren. Aber genau das will der homo , zumal im Auge des „ ( zeitweisen )Feindes“ umbedingt vermeiden.
Mal von Mann zu Mann : „ Sich durchs Weizenfeld flöten “
mögen sie mehr als Blumen . Und übrigens , herzlichen Dank an die „ Sopranos “ . Für den „ Unterricht “ , amerikanischenglischumgangssprachlich : education .
„Szenen einer Ehe“ werden heutzutage mit RayBan auf großer Bühne getarnt.