Wenn mich jemand fragen würde, ob ich glaube, dass es genderfluide Menschen gibt, würde ich sagen, ja. Das Temperament eines genderfluiden Mannes kann man ziemlich eindeutig beschreiben: Er ist sehr verträglich und sehr neurotisch, hat also ein weibliches Temperament. Er interessiert sich mehr für Menschen als für Dinge, ist extrem offen für Neues und daher kreativ veranlagt. Sein Temperament ist also fluid. Er ist an einem Tag das eine und am nächsten Tag etwas anderes, und sein grundlegendes Temperament tendiert zum Femininen. Das bedeutet aber nicht, dass er kein Mann ist.
Alles andere wäre unausgereiftes Denken. Genauso gut könnte man sagen, dass eine von zehn Frauen ein männliches Temperament hat, je nachdem, wo man da die Grenze zieht. Und einer von zehn Männern hat eben ein weibliches Temperament. Das heißt, wir sprechen schon von einer ziemlichen Anzahl an Leuten. Und diese Menschen, insbesondere wenn sie auch kreativ veranlagt sind, zeigen sich irgendwie ratlos in Bezug darauf, was sie mit ihrer Identität anfangen sollen. Weil es ihnen vor allem schwerfällt ihre Identität zu katalysieren. Diese Schwierigkeiten ist zugleich eine Definition von Kreativität.
Daher gab es schon immer Leute, die ihr ganzen Leben lang mit den Grenzen der Geschlechtsidentität gespielt haben. Und das ist auch in Ordnung. Es ist manchmal sogar bewundernswert und charismatisch, wenn es auf raffinierte Weise geschieht. Man kann es bei Mick Jagger beobachten, man sah es bei David Bowie, aber auch zum Beispiel bei Madonna. Denn Madonna hat eine harte Seite, die sehr männlich ist, ähnlich wie die Superheldinnen der „Marvel“-Action-Serie. Wir finden das deshalb charismatisch, weil diese Menschen zugleich integriert sind.
Bei einer Therapie geht es nicht ums Recht haben
Aber die Vorstellung, das es so etwas wie ein „Gender“ gibt, ist nicht richtig. Es gibt Unterschiede in der Persönlichkeit und im Temperament. Und die Vorstellung, dass es so etwas wie ein biologisches Geschlecht nicht gibt, ist einfach verrückt. Es ist Wahnsinn (…)
Warum braucht es dann überhaupt biologische Veränderungen (bei einer Geschlechtsumwandlung)? Wenn es so etwas wie ein biologisches Geschlecht nicht gibt, könnte man doch einfach seine Rolle spielen und seinen Körper in Ruhe lassen, weil er doch ohnehin irrelevant ist. Aber natürlich ist er das gar nicht. Man muss sich demnach einer chirurgischen Umwandlung unterziehen, was eine ziemlich dramatische Antwort auf eine Frage ist, die für 99,9 Prozent der Menschen, die ambivalent gegenüber ihrer Geschlechtsidentität sind, am besten ohne chirurgischen Eingriff gelöst werden könnte.
In Kanada wurde die Konversionstherapie mittlerweile verboten, jetzt soll es (bei Irritationen der Geschlechtsidentität) nur noch Affirmative Therapie geben. Dabei existiert so etwas wie Affirmative Therapie überhaupt nicht. (…) Einer meiner Klienten war beispielsweise ein 14-jähriger Junge, der mitten in der Pubertät steckte. Er war vom Temperament her ziemlich kreativ und verträglich veranlagt, was in diesem Fall besonders wichtig ist. Denn er hatte demnach ein etwas weibliches Temperament, was auch bedeutete, dass er ziemlich leicht herumgeschubst werden konnte. Es gab einen aggressiven schwulen Jungen in seiner Schule, der sich ständig an ihn ranmachte und versuchte, ihn davon zu überzeugen, dass er schwul sei.
Er war sich diesbezüglich aber gar nicht sicher und wollte mit mir darüber sprechen. Aber das ist ja nichts, was ich ihm vorgeben könnte. Was weiß ich denn schon über diesen Jugendlichen? Daher wollte ich von ihm hören, was seine Wünsche und Probleme waren und wie man letztere lösen könnte. Genau das macht man in einer Therapie: Man hilft Menschen, ihre Probleme zu lösen. Und nun kommt man mit dieser Vorstellung, dass ein Klient mit einer axiomatischen Behauptung über seine Identität, gleich welcher Art, zum Therapeuten kommt und dieser seinen Stempel darunter setzen soll. Dann wäre ich kein Therapeut mehr.
Eine solche Beharrlichkeit ist nicht einfach nur verrückt. Ich unterscheide grundsätzlich gerne in Wahrheit, Unwahrheit und Anti-Wahrheit. Und die Vorstellung, dass Therapeuten irgendetwas bestätigen, ist einfach eine Anti-Wahrheit. Wenn irgendjemand mit einer Behauptung über sich selbst zu mir kommt, und ich als Therapeut nein sage, ist das falsch. Das ist keine gute Therapie.
Aber es handelt sich ebenfalls um keine gute Therapie, wenn Sie eine These über sich selbst haben und so verstört sind, dass Sie zu einer Therapiesitzung kommen. Und ich einfach sage: Ja, Sie haben Recht. Das weiß ich doch gar nicht. Denn wenn der Klient einfach Recht hat, warum ist er dann hier? Worüber reden wir denn, wenn er schon Recht hat?
(…)
Menschen entdecken, dass sie größer sind als ihre Ängste
Jede einzelne Schule der Psychotherapie basiert auf der Idee, dass der freie Ausdruck von Gedanken oder die freie Umwandlung von Verhalten heilend und wahr ist, sowohl in der kognitiven Verhaltenstherapie als auch in der psychoanalytischen Therapie. Es ist immer dasselbe.
Und ein weiteres Axiom der Therapie lautet, sich freiwillig in angemessenen Dosen dem auszusetzen, wovor man Angst hat. Und das ist interessant, denn die Psychoanalytiker glaubten, als die Behavioristen erstmals die Expositionstherapie entwickelten, dass sie diese falsch formuliert hatten. Die Psychoanalytiker dachten, man würde Ängste erlernen. Man ist zunächst normal, dann verletzt einen etwas, und man lernt, sich davor zu fürchten. Das ist falsch. Man hat immer Angst, außer wenn man lernt, keine Angst zu haben. Neuropharmakologisch ist es also genau umgekehrt und das ist wirklich wichtig. Das bedeutet nicht, dass man manche Ängste nicht lernen kann. Das kann man, aber meistens verlernt man Angst, anstatt sie zu erlernen.
Kinder haben zum Beispiel Angst, sich von ihrer Mutter zu entfernen. Das liegt daran, dass sie Angst vor der ganzen Welt haben. Demnach müssen sie lernen, diese Ängste nicht mehr zu haben. Dies gelingt aber nicht durch Gewöhnung. Die Idee der Konfrontationstherapie lautet:
Man nimmt jemanden, der Angst hat und demnach dazu konditioniert wurde, Angst zu haben. Man setzt ihn dem aus, wovor er Angst hat. Und dann lässt man ihn Entspannungsübungen machen, damit er eine Gegenkonditionierung erreicht. Dann wurde entdeckt, dass man die Entspannungsübungen gar nicht machen muss. Denn es funktioniert trotzdem. Nur durch die Konfrontation. Denn man hat weniger Angst, wenn man sich der Situation aussetzt, weil man sich auf diese Weise an die Angst gewöhnt.
Dann sagten aber die Psychoanalytiker, dass, wenn die Klienten weniger Angst vor einer bestimmten Sache haben, die Symptome einfach ersetzt würden, weil zum Beispiel die Angst, einen Fahrstuhl zu benutzen, Ausdruck einer tieferen Angst ist, der Angst vor dem Tod.
Ich hatte eine Klientin mit dieser Angst, die ich daher einem Aufzug aussetzte. Die Türen öffneten sich und sie sagte: „Es ist wie ein Grab.“ Ihre Vorstellung war, dass sie an einem Ort wie einem Fahrstuhl an einem Herzinfarkt sterben würde, was den Umstehenden Unbehagen bereiten würde und diese auf sie wegen ihrer Dummheit herabblicken würden, während die Frau litt und starb. Es geht also eigentlich um soziale Entfremdung und Tod. Dafür stand der Aufzug für sie. Also setzte ich sie einem Aufzug aus.
Was lernte sie daraus? Keine Angst vor dem Aufzug zu haben? Nein, sie lernte, dass sie diese Ängste ertragen kann. Sie lernte, mutig zu sein. Daher lagen die Psychoanalytiker genau diametral falsch, denn wenn man jemandem etwas aussetzt, wovor er Angst hat, reduziert er tatsächlich seine Angst vor allem. Das ist auch einer der Gründe, warum Psychotherapie in dieser Hinsicht heilend wirkt – dass Menschen entdecken, dass sie größer sind als ihre Ängste. Sie entdecken aber gerade nicht, dass die Ängste trivial sind.
Dies ist ein Auszug aus einem Video von Jordan B. Peterson.
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Man kann nicht nichtidentisch mit sich sein. Auch der Schizophrene ist mit sich identisch. Weil „identisch“ ist „dasselbe“. Deshalb kann man seine Identität weder in irgendwas finden, noch sie verlieren, oder sie aufgeben, oder sie suchen.
Wenn ich den Film schon mal gesehen habe, dann ist der identisch mit dem, den ich jetzt sehe.
Mutige Menschen beherrschen ihre Angst. Wer angstfrei ist, ist meist auch lebensmüde.
Angstfrei ist man solange, bis die Bestie von Hund um die Häuserecke geschossen kommt.
Ich sage ja öfters mal, dass wir uns in einem Fußballspiel befinden, in dem die eine Mannschaft echte Fußballspieler sind, während die andere Mannschaft nur aus Schauspielern besteht, die nur glauben, es würde ein Film über ein Fußballspiel gedreht. Während die letztgenannten sich beim Anpfiff vor der Kamera in Pose werfen, foulen die erstgenannten die letztgenannten vor der Kamera einfach weg und hauen den Ball ins Tor. Ich komme aus einem Umfeld, wo mal das eine, mal das andere gefragt ist. Ich kann aber beides. Schon immer. Ich kann so wirken, wie das der Situation nützt. Zumindest sieht das dann so aus, besteht aber den Härtetest nicht, weil es ja nur so aussieht. Aber wenn es ans foulen und Tore schießen geht, bin ich nicht minder schlecht. Im Gegenteil. Diese kombinierte Fähigkeit ist selten und sorgt bisweilen für extreme Verwirrung und Verirrung nicht nur bei Psychologen, sondern erst recht bei denen, die eben nur das eine ODER das andere können. Wer das Spiel gewinnen will, der muss foulen und Tore schießen, aber auch antäuschen können. Erst dann wird man unschlagbar. Und falls das noch nicht verstanden worden ist: Nicht ich brauche das Training, sondern die anderen, die nur das eine ODER das andere können. Falls es da ein Missverständnis gab, so möge das jetzt hoffentlich ausgeräumt sein. Denn wenn man andauernd etwas trainiert, was man schon perfekt beherscht, führt das nicht zu besseren Ergebnissen, sondern nur zu Leistungsabfall in Folge eines nutzlosen übertrainierens. Oder anders ausgedrückt: „Was einen nicht umbringt härtet ab“ endet dort, wo es nichts mehr abzuhärten gibt. Da gilt dann „Nach fest kommt ab“. Und das kann ja nicht Sinn der Sache sein, oder? Aber eins ist mir jetzt klar: „Wir machen alles in einem Rutsch“ ist bei derart komplexen Problemen wie wir sie seit Jahren vor der Nase haben nicht der richtige Lösungsansatz, denn auch ein Atlas geht unter zu viel Gewicht irgendwann in die Knie… *lach*
Hans-Joachim Gille; „Verstehe nicht ganz, was an dem Thema wichtig sein soll?“ – Na ja, es gab und gibt schon immer zwei grundlegende Denkrichtungen in der Philosophie und Psychologie: Die Psychoanalyse sagt, dass ein Mensch schreckliche Erfahrungen macht und ein Recht darauf hat, sich zu fürchten, Angst zu haben und diese zu kultivieren; die Folge ist ein neurotischer, lebensunfähiger Mensch. Die Psychotherapie sagt, man solle sich mutig all diesen Ängsten stellen und diese Ängste doch bitte überwinden, doch dabei geht der Mensch manchmal seelisch oder körperlich drauf, so dass er nichts von seinem Heroismus hat. – Die Wahrheit liegt wie immer irgendwo in der Mitte… :-)
@Klara Altmann : >>Wenn ich als Frau durchsetzungsfähig bin und das, was ich angehe, grundsätzlich funktioniert, bin ich dann männlich?<<
## Nein, natürlich nicht. Dann sind Sie das Letzte Einhorn. Der Rote Stier hat es mir verraten.
Tut mir ja fast leid, dass ich wieder nerve, aber nicht der Mensch ist größer als seine Ängste, sondern der dreieine Gott der Bibel ist größer als die Ängste des Menschen.
Probieren Sie es aus, lernen Sie die Bibel kennen, die Gottes schriftlich überliefertes Wort ist, vertrauen Sie der Bibel … und tatsächlich lösen sich ganz viele (wenn auch nicht sofort alle) Ängste auf.
Joh. 16,33 überliefert jedem, der es wissen möchte, von Jesus: >>>Das habe ich mit euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. ♦In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden♦.<<<
Die eigene wirkliche Identität kann „man“ übrigens auch in der Bibel finden.
Und die Angst vor dem Tod – bzw. vor dem, was danach kommt, auch wenn „alle“ behaupten, mit dem Tod sei „alles aus“ – löst sich auf, obwohl die Angst vor qualvollem Sterben nicht komplett verschwindet. Doch sie ist nicht ständig gegenwärtig, sie tritt zurück.
Ich habe mich bewusst für das Christsein entschieden, weil ich die allgegenwärtige Angst vor dem unerbittlichen Tod loswerden wollte. Das hat wunderbar geklappt! Jesus ist die Lösung!
Sollte ich das für mich behalten ???
Für die Schlange gibt es keine Umkehr, sie häutet sich nur regelmäßig.
>>Von Natur aus hat der Mensch vor allem Angst.<<
Vor allem Angst? Nein, Kleinstkinder, beispielsweise, haben ein sicheres Gespür, wer vertrauenswürdig ist und wer nicht. Erst später werden Menschen mit psychologischen Techniken umgedreht. Je früher, umso katastrophaler die Wirkung. Aber einheitlich ist, dass Menschen, die mit diesen Techniken umgedreht werden, dann selbst solche werden, vor denen Kleinstkinder eher Angst und Aggression entwickeln. Der Mensch an sich ist gut. Aber er lernt immer von der Welt, die ihn umgibt. Am stärksten und am schnellsten als Kleinstkind. Anfangs nur durch Intuition. Es kommt entscheidend auf die Welt an. Sobald sich Sprache entwickelt, wächst die Angriffsfläche für die Schlange. Die Erbschuld ist nicht geerbt, sie ist nur frühe Prägung. Irgendwann beginnt sie und endet dann niemals wieder. Man müsste den Beginn verhindern. Die Zunge der Schlange bleibt gespalten. Sie heilt nicht.