112-Peterson: Liebe ist Diskriminierung

Jordan B. Peterson , Psychologie-Professor an der Universität von Toronto, wird jetzt jede Woche auf Achgut.com vertreten sein. Seine Hauptthemen sind die Psychologie des religiösen und ideologischen Glaubens sowie die Entwicklung der individuellen Persönlichkeit. Im vergangenen Jahr widersetzte sich Peterson einem kanadischen Gesetz, das die Bürger unter anderem dazu zwingen will genderneutrale Pronomen zu verwenden (Bill C-16), weil es nach seiner Auffassung die Redefreiheit verletzt. Mit seiner Kritik an den  damit verbundenen Ideologien erreicht Peterson auf seinen Youtube-Kanälen inzwischen ein Millionenpublikum.   Die Achse des Guten veröffentlicht regelmässig einen ins deutsche übertragenen Beitrag des Kanadiers unter dem Kolumnentitel "112 Peterson".

Von Jordan B. Peterson.

Ich habe in letzter Zeit viel über Diskriminierung nachgedacht, weil jeder denkt, daß Diskriminierung ja etwas Schlechtes sei. Das ist ein ziemlich dummer Standpunkt, weil man ständig diskriminiert. Und die grundsätzlichste Form der Diskriminierung ist die Wahl des Sexualpartners. Und so könnte man fragen: Sollte das überhaupt erlaubt sein? Weil es ja eben die grundlegendste Form der Diskriminierung ist.

Zum Beispiel ist fast jeder rassistisch voreingenommen, wenn es um Sexualpartner geht. Also könnte man denken: „Ist das in Ordnung?“

Was ist mit dem Alter als Ausschlußkriterium?

Körperliche Attraktivität? Das spielt wohl bei den meisten nur insofern eine Rolle, soweit man sich das leisten kann. Man würde da sehr viel Wert drauf legen, wenn man damit durchkäme, sozusagen. Kommt man aber nicht, denn die attraktivsten Menschen halten sich nirgendwo in der Nähe auf. Also kann man da nicht nach gehen, aber man würde gerne.

Gesundheit? Ja! Kraft? Ja! Wohlstand? Ja! Bildung? Aber sicher!

Das ist unglaublich diskriminierend, da könnte man sofort sagen: Ist das gerechtfertigt?

In meinen Augen verhält sich das ungefähr so: „Du kannst nein zu mir sagen, wenn ich nein zu dir sagen darf.“ Eine Vereinbarung, der wir zugestimmt haben: Nämlich, daß jeder auf dieser Basis diskriminiert wird und weil es dann jeder tun kann, ist es auch fair. Darüber lohnt es sich wirklich nachzudenken.

Ich weiß nicht, ob Sie das wissen, aber in Huxleys Buch "Brave New World", in dem die Familie vollständig abgeschafft worden ist, wo Kinder in Reagenzgläsern gezeugt und in Fabriken produziert werden, so daß die ganze Idee von der Beziehung zwischen den Geschlechtern und die Fortpflanzung ein Tabu geworden ist, dort ist eines der Mantras, einer der Slogans der Gesellschaft: "Jeder gehört jedem anderen." Und dort ist es ein sozialer faux pas, sich zu verweigern mit jemandem zu schlafen, so wie es ein sozialer faux pas ist, eine Beziehung zu einem bestimmten Menschen zu haben, die andere Menschen ausschließt.

Wie Sie jetzt vielleicht erkennen, gibt es nichts Diskriminierenderes, als sich in jemanden zu verlieben. „DU bist etwas Besonderes! Und der Rest von Euch? Auf keinen Fall!“ Das ist die ultimative Ausschlußhandlung, Diskriminierung und Exklusion, und doch fordern wir, daß das nicht nur akzeptiert wird, sondern wir verlangen das als unser Recht.

Denkt mal darüber nach.

Dieser Beitrag ist ein Ausschnitt aus dem Vortrag „Bible Series X: Abraham: Father of Nations“. Hier geht’s zum Original-Vortrag auf dem Youtube-Kanal von Jordan B. Peterson

Siehe auch hier einen Beitrag von Achse-Autor Bernhard Lassahn zu Jordan B.Peterson.

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Leserpost

netiquette:

Hein Tiede / 04.10.2017

Es lebe der Unterschied, es lebe die Unterscheidungsfähigkeit. In einer Gesellschaft, deren oberstes Ziel die Gleichheit sein soll, Ungleichheit für ungerecht gehalten wird, müssen kritische Köpfe die Großartigkeit des Ungleichen betonen.

Winfried Sautter / 04.10.2017

Die “Ehe für alle” sollte unter dem Aspekt der Diskriminationsvermeidung mal gründlich und detailliert definiert werden

Reiner Arlt / 04.10.2017

Tatsächlich ist es ein Skandal, dass noch immer wohl mehr als 90% aller Ehen zwischen Männern und Frauen geschlossen werden! Wir brauchen dringend eine Quote für gleichgeschlechtliche Ehen. Etwa in der Weise, dass nach Schliessung einer Mann+Frau-Ehe erst eine (männlich-) homosexuelle, Lesbische oder Trans-Ehe geschlossen worden sein muss, bevor eine weitere verschiedengeschlechtliche Ehe zulässig ist.

B.Klingemann / 04.10.2017

Danke für diese klaren Worte! Karl Lagerfeld sagte einmal (sinngemäß): “Das Modelbusiness ist unfair, da kann nicht jede mitmachen, auch wenn sie sich noch so anstrengt.” Linke Feministinnen und entsprechende, fast geschlechtslos anmutende Gender-ProfessX, die nie in den Genuss des Geliebt- und Begehrtwerdens kommen werden, drücken ihren Neid eben nur verkopfter aus.

Johannes Kaiser / 04.10.2017

Das ich das noch erlebe. Peterson auf Deutsch! Großartig!

Jens Frisch / 04.10.2017

“Und die grundsätzlichste Form der Diskriminierung ist die Wahl des Sexualpartners.” Ein Glück, dass wir fast ausschließlich Menschen aus einem Kulturkreis aufgenommen haben, die sich diesbezüglich nicht diskriminieren lassen. (Entschuldigen Sie bitte meinen Zynismus!)

Gertraude Wenz / 04.10.2017

Lieber Mister Peterson, darüber denke ich nach, seit ich denken kann. Danke, dass Sie das Thema in der Öffentlichkeit zur Sprache gebracht haben! Schon die Evolution als solche ist von ihrem Prinzip her total ungerecht und diskriminierend. Damit stimmt schon die Basis nicht, vom menschlichen Gerechtigkeitsstandpunkt aus betrachtet. Und wenn die Basis nicht stimmt, kann alles andere auch nicht mehr passen. Wir diskriminieren überall und ständig. Es geht gar nicht anders. Wir diskriminieren Supermärkte, in denen wir nicht einkaufen, Parteien, die wir nicht wählen, Menschen, die wir nicht als Freunde haben wollen, usw. Das freie Spiel der Kräfte in einer Marktwirtschaft ist eine einzige Diskriminierung jener, die nicht mithalten können. Es setzt sich immer nur das durch, was den meisten Menschen ein relativ gutes Leben ermöglicht. Die Grundeigenschaft des Menschen ist -na klar, sonst wäre er nicht mehr da- sein Überlebens- und Fortpflanzungswille. Das impliziert einen gnadenlosen Egoismus für sich und seine Nachkommen. Gerade im Bereich der Fortpflanzung wird gnadenlos selektiert, denn sie ist das wichtigste überhaupt für die Zukunft! Wer sich nicht fortpflanzt, hat in der Evolution verloren, auch wenn dem Einzelnen das egal sein mag. In den archaischen Gesellschaften, in denen man aufgrund mangelnder staatlicher Strukturen mehr auf Kinder als spätere Unterstützer angewiesen ist, ist dieses Wissen noch verankerter. Man braucht sich nur in der Natur umzusehen: Da wird sie uns vorgeführt, die gnadenlose Auslese, der wir Menschen in unserer Frühzeit auch ausgeliefert waren. Dass wir inzwischen in unserer Entwicklung so weit gekommen sind, dass wir Sozialgesetze haben, das Thema Diskriminierung überhaupt diskutieren, es zum guten Ton gehört, den Schwächeren zur Seite zu stehen, dass wir so etwas wie “allgemeine Menschenrechte” proklamieren, ist meines Erachtens eine überaus bemerkenswerte, bewundernswerte Entwicklung. Ich empfehle das Buch: “Egoismus, Macht und Strategien / Soziobiologie im Alltag” von Andreas Kilian.

Gregor Reichelt / 04.10.2017

Halt, halt, halt. Das geht doch nicht erst bei Liebe los! Was ist mit Freundschaften? Hat nicht jeder das Recht auf einen Freund? & was ist mit Handel? Hat nicht auch irgendeine Hinterhofbuchhandlung das Recht auf exakte dieselbe Kundenzahl wie Amazon? Was ist mit Parteien? Wieso darf man überhaupt eine Partei mehr wählen als die andere? Müsste nicht jede Partei den exakt gleichen Prozentsatz kriegen?

Jochen Brühl / 04.10.2017

Da liebe Grüninnen, ihr müsst also alte weisse Männer aus Dresden mit stark sächsischem Akzent genauso als Sexualpartner akzeptieren wie die, die noch nicht so lange hier leben, um als frei von Diskriminierung zu gelten. Das find ich gut.

Karl Eduard / 04.10.2017

Stimme ich voll zu. All die bezaubernden, schönen Frauen, die naserümpfend mittellose Alkoholiker ablehnen, während sie hinter Hollywoodgrößen herschmachten, gehörten wegen Diskriminierung der Hälfte der Bevölkerung angeprangert.

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