Rechthaberei ist kein schöner Zug. Manchmal aber scheint es schon angezeigt, daran zu erinnern, dass etwas gekommen ist, wie es vorhersehbar war. Vor zwei Wochen, am Mittwoch, dem 15. Januar, schrieb ich an dieser Stelle, bei Angela Merkels Berliner Libyen-Gipfel werde nicht mehr herauskommen als das Übliche: „die bombastische Inszenierung der deutschen Regierung als Vermittler in internationalen Konflikten“.
Vier Tage später, am Sonntag den 19., gab es dann den großen Bahnhof an der Spree, hochkarätig besetzt mit Putin, Erdogan, Macron und Boris Johnson, einem Kronprinzen aus Abu Dhabi, dem ägyptischen Präsidenten und dem UN-Generalsekretär. Nicht zu vergessen Libyens Regierungschef Fayiz as-Sarradsch neben seinem Kontrahenten, General Chalifa Haftar. Eine bunte Gesellschaft und mittendrin, hoch auf der Erbse, die deutsche Bundeskanzlerin in der Rolle des Maître de Plaisir.
Die Welt schaute wieder einmal auf Berlin. Eifrig wurde die Abschlusserklärung studiert. Darin enthalten unter anderem die Aufforderungen zu einem Waffenstillstand, zur „Aufnahme vertrauensbildender Maßnahmen“ sowie zur „Entwaffnung bewaffneter Gruppen“. Weiter wurden die „Akteure“ angehalten, „alle Handlungen zu unterlassen, die den Konflikt verschärfen“ könnten. Angemahnt außerdem „eine transparente, rechenschaftspflichtige, faire und gerechte Verteilung öffentlicher Güter“. Und so weiter und so fort bis hin zu der Auflage einer „maßgeblichen Beteiligung von Frauen und jungen Menschen an allen Aktivitäten in Bezug auf den demokratischen Übergang Libyens“.
Gemeinplätze für den Frieden
Was hatte die Kanzlerin da nur wieder zustande gebracht! Wann hätte man je konkretere Gemeinplätze gelesen als in dem Ergebnisprotokoll ihrer Libyen-Konferenz. Kaum eine Zeitung, kein Magazin, kein Sender, die es versäumten, Angela Merkel und ihren Maas-Minister für das gelungene Krisenmanagement zu feiern. Von einem „Durchbruch“ sprach die „Zeit“. „Ein erster Schritt in Richtung Frieden“, titelte die „Stuttgarter Zeitung". ARD und ZDF wetteiferten im Lob der Kanzlerin. Innenpolitisch war ihre Rechnung aufgegangen.
Eine gute Woche immerhin stand das Kartenhaus der Illusionen. Nun aber wird wieder geschossen. Trotz des vollmundig verheißenen Waffenembargos ist weder den Rebellen noch den libyschen Regierungstruppen die Munition ausgegangen. Den Ausflug nach Berlin haben die Kriegsherren achselzuckend hinter sich gelassen. Es kam, wie es schon vor der Gipfelaufführung abzusehen war. Nicht einmal die Kanzlerin dürfte darüber erstaunt gewesen sein. Hat doch bisher noch jeder Gipfel seinen Zweck erfüllt, wenn er das Volk daheim amüsierte, die „Menschen“ den Politikern für Ihre Darstellung applaudierten.
Warum Journalisten die Nähe zur Macht suchen
Tatsächlich erstaunen kann dabei nur, wie viele immer wieder auf diese Masche hereinfallen. Bei den Journalisten mag sich das aus der gesuchten Nähe zur Macht erklären. Welchen Grund aber haben große Teile des Volkes, den politischen Hochstaplern auf den Leim zu gehen, in Deutschland zumal? Hoffen sie, an dem Ansehen zu partizipieren, dass sich die regierenden Dilettanten international erschwindeln? Oder verfolgen sie das politische Geschehen nur noch wie eine Seifenoper, als Unterhaltungsprogramm vor dem „Tatort“?
Aber vielleicht ist es ja noch ganz anders, und die Hoffnung stirbt zuletzt – die Hoffnung, es könne doch einmal anders kommen als vorhersehbar, schon bei der nächsten Gipfel-Inszenierung in Merkels Regie. Es mangelt ja nicht an Krisen, und die Kanzlerin freut sich, wenn sie gerufen wird. Wir Rechthaber können auch fair sein und würden uns freuen, von ihr widerlegt zu werden.
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Bei Bourdieu gibt es den Begriff der illusio, dem notwendigen Glauben aller Beteiligten an die Gültigkeit und Richtigkeit des Geschehens, seiner Ordnung und seiner Normen. Es ist die Voraussetzung für die Teilhabe an signifikanten sozialem Leben, und damit auch für die Anerkennung als normaler, gesunder, "richtig tickender" Bürger im Sinne des common sense. Daher, die 87% können nicht anders, als das ganze zu akklamieren. Täten sie es nicht, müssten sie sich ihren (geahnten) falschen Überzeugungen, Selbstbelügungen etc. stellen. Die Folge wären Traumatisierungen, Depressionen, bis hin zu Suiziden. Oder Erzählungen in der Art von "das hat doch keiner wissen können". Ich meine, dass Foucoult das auch im Sinne von Wahnsinn und Gesellschaft analysiert hat, bin mir da aber nicht sicher.
Sollte man / frau nicht besser bei diesen jubelnden Journalisten und den beteiligten deutschen Politikern von ganz üblen Hochstaplern reden ? Journalisten und Politiker halt ....... Dieses Phaenomen ist doch nichts neues unter der Sonne ! Was ich so schlimm finde , ist weniger die fehlende Glaubwürdigkeit dieser Figuren , sondern die geradezu depperte Vertrauensseligkeit der Bevölkerung .....
Die Libyen-Konferenz scheint im Nachhinein ein etwa ebenso großes Desaster zu sein wie die Pläne, die Trump und Netanjahu (warum war eigentlich die palästinensische Seite nicht mit am Verhandlungstisch ?) gestern zur Zukunft des Nahen Ostens präsentiert haben. Jerusalem zur "unteilbaren Hauptstadt Israels" und gleichzeitig Ost-Jerusalem zur Hauptstadt eines Palästinenser-Staates zu erklären .... also, da tritt eine Logik zutage, die sich wohl nur diesen beiden Staatsmännern erschließt !
Wie immer das übliche Schmierentheater. Die Frau selbst ist der Gipfel....
Die Merkel-Maas-Friedens-Seifenoper vor dem realenTatort in Libyen, das von Frau Clinton in den Zusammenbruch gebombt wurde. Dieses Land hat alle Zutaten, die sich die arabisch-islamische Welt so wünscht, ein Schlachtfeld gesegnet von Allah, immer auf der Suche nach dem starken Führer. Logisch, dass auch der neue Kalif aus Ankara mitmischt. Für mich gibt es nur eine richtige Friedensmaßnahme: Israel unterstützen und dem politischen Islam die ganze Entfaltung lassen, die Allah seinen Gläubigen und Clans so bietet.
Es war eindeutig der falsche Ansatz. Ein gemeinsames interreligiöses Friedensgebet mit anschließendem Tabbouleh-Essen wäre richtig gewesen. Außerdem fehlt in der Laber-Erklärung auch der Hinweis auf den dringend erforderlichen "Klimaschutz" in Libyen. Ohne Planetenrettung geht gar nichts. Das konnte ja nichts werden.