Monika Bittl (Archiv) / 11.10.2015 / 13:00 / 3 / Seite ausdrucken

Märchenstunde: Es war einmal eine Kaiserin

Es war einmal eine Kaiserin, die saß politischen Betrügern auf. Die Berater sagten der Kaiserin: „Ihre Hoheit! Wir haben einen visionären Plan für Flüchtlinge in Europa und würden Ihnen diesen gerne maßgeschneidert liefern. Sie müssen aber wissen, dass nur ganz kluge und weitsichtige Menschen diesen Plan erkennen und sehen.“
„Sehr gut!“, rief die Kaiserin. „Bringen Sie mir diese Vision bis morgen!“

Als die Berater zurück kamen, fragte die Kaiserin nach, wo denn nun die Pläne seien.
„Hier!“, riefen die Betrüger und schauspielerten gut: „Oder können Sie diese etwa nicht sehen?“
Die Kaiserin hatte Angst, nicht so klug zu sein, wie die Umfragewerte meist ergaben. Trotzdem war sie sich unsicher und ging deshalb zu ihren Ministern und erzählte von der Sache.
„Ein wunderbarer Plan!“, riefen die meisten Männer und Frauen des Kabinetts, um nicht als dumm zu gelten. Der Innenminister wagte zu zweifeln, die Kaisern erklärte ihn daraufhin für unfähig und überfordert und entzog ihm Aufgaben.
Die Entmachtung des Innenministers sprach sich bei den Beamten in den Landkreisen und im Volk herum. Die kleinen Politiker sagten: „An dem Plan darf nicht gezweifelt werden. Wir schaffen das! Wir sind nicht dumm!“

Und so kam es, dass noch vor der öffentlichen, feierlichen Verkündigung des Plans jeder davon überzeugt war, dass die Kaiserin klug und weise das Geschick ihres Volkes und Europas lenke.
„Was für ein wunderbarer Plan!“, jubelten die Menschen der Kaiserin zu. „Wir überwinden die Kleingeisterei und setzen keine Grenzen mehr!“ Man taumelte begeistert im Freudenrausch über die eigene Klugheit und Menschlichkeit, denn früher einmal hatte dieses Volk schreckliche Verbrechen begangen und wollte nun das Böse endlich vergessen machen.

Doch dann kam ein Fernsehauftritt mit der Kaiserin und ein zufällig im Publikum sitzender Nervenarzt rief: „Es gibt doch gar keinen Plan! Das ist eine Borderlinestörung mit einem verzerrten Selbstbild!“
Das Volk verstand daraufhin den Schwindel. Nur der Hofstaat und die Minister hielten weiter an dem Betrug fest und setzten die Parolen fort.

 

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Jürgen Düker / 11.10.2015

Ein schöner Vergleich, aber leider zu spät. Warum, Frau Bittl, ist Ihnen das nicht vor einigen Wochen eingefallen,  da war das aktuell,jetzt, wo des Volkesstimmung kippt, trauen Sie sich aus der Deckung. Ich weiß dass ich auf der Achse nicht erwünscht bin mit meiner Meinung und trotz alledem tu ich meiner Meinung kund, ob es veröffentlicht wird oder nicht ist mir auch shit egal

Günter H. Probst / 11.10.2015

Das wirklich Erschreckende an der Entwicklung ist, daß kein Gemeinderat und kein gewählter Bürgermeister den Mumm hat, zu sagen, die Einwanderer, die ihr uns zuweist, können wir nicht zivilisationsgerecht aufnehmen und von Zelten für unsere Einwohner halten wir nichts. Statt dessen nur Buckeln, Kriechen und Stolz darauf, sich auf Kosten Anderer als Macher zu produzieren.

Elisabeth Zillmann / 11.10.2015

Köstlich!—Sehr oft muß ich in den letzten wochen an das Märchen denken und wünsche mir, daß endlich, endlich der ruf erschallt:” Aber xxx ist ja nackt!!”

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