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US-Wahlen

  05.11.2008   +Feedback

Präsident Obama und die Jubelperser

Dass der Gewinner der Präsidenten-Wahl in den Vereinigten Staaten, Barack Obama, weltweit, und nicht zuletzt in Deutschland, viele Sieger und noch mehr Siegesgewisse auf den Plan ruft, sollte uns nicht weiter wundern. Auf die Missverständnisse, auf denen dieser Vorgang beruht, kann man aber nicht oft genug hinweisen. Zumal es tatsächlich um ein historisches Ereignis geht, das jedoch ganz und gar nicht im Sinne unserer Amerikagegner und Amerikakritiker zu verstehen ist.

Gewonnen hat vielmehr das Projekt Amerika, das was man volkstümlich als den amerikanischen Traum bezeichnet. So geht es letzten Endes nicht um die Sensation, dass ein Schwarzer ins Weiße Haus einzieht, sondern darum, dass dieser schwarze Mann sich voll und ganz mit dem amerikanischen Traum zu identifizieren weiß.

Die Tatsache, dass dieses möglich ist, sollte auch in unserer Öffentlichkeit wieder mehr, als die postachtundsechziger Psyche dies gelten lassen kann, zur Würdigung gelangen. Denn, und auch das kann man nicht oft genug sagen, der wahre Grund für die Kraft, die Macht und den Einfluss der Vereinigten Staaten liegt im Geist der Federalist Papers, im Konzept ihrer Erfinder, nicht nur Rechte institutionell zu verankern sondern auch Chancen zu legitimieren.

Dazu gehört, wie die Wahlnacht zeigt, jenseits des schick inszenierten Politisch Korrekten, einen korrekten Umgang miteinander zu pflegen. McCain, der Verlierer, hat Obama, dem Sieger, gratuliert, und die Gratulation bei seinem Auftritt in Phoenix/Arizona, nach der Wahlniederlage, öffentlich wiederholt. Obamas Siegesrede in Chicago wiederum, enthielt eine ganze Passage, die an den Wahlkampfgegner gerichtet war. Zum Vergleich: Man erinnere sich bloß an die Ausfälle des Wahlverlierers Gerhard Schröder gegen Angela Merkel, am Wahlabend, in der Fernsehrunde der ARD. Sie grenzten an Pöbeleien.

Jene Amerikagegner und Amerikakritiker, die die Vereinigten Staaten als Flaggschiff des Kapitalismus, der imperialen Willkür und der Kriegstreiberei betrachten, haben, auch wenn sie das jetzt wundern sollte, durch diesen Wahlausgang eine weitere Niederlage erlitten. Ihr Idealpartner war George W. Bush.

Mit Obama wird das Amerika-Bashing, und damit auch die Verachtung von individueller Freiheit und Liberalismus, wohl schwieriger werden. Obamas vordringliche Aufgabe aber wird sein, Amerika zu einem neuen Selbstbewusstsein zu verhelfen, wobei es weniger um die Lösung unlösbarer Probleme geht, als um die Fähigkeit dem Bösen mit ausreichender Legitimation entgegentreten zu können. Man wird Guantanamo ohne viel Aufhebens schließen können, es wird aber am verbrecherischen Charakter des Teheraner Regimes kaum etwas ändern. Und das ist das eigentliche Problem.

Der beklagenswerte Zustand der Welt, und auch daran erinnert uns der Wahlsieg Obamas, geht nicht auf die Rolle Amerikas zurück, wie unsere Salonlinke im Verein mit der neuen Salonrechten reflexartig behauptet. Er ist vielmehr bei den Gegnern von Freiheit und Demokratie zu suchen. Das Verhängnis besteht in der Popularität dieser Gegnerschaft.: Wir haben zu viele Jubelperser.

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