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Dirk Maxeiner 14.03.2008 +Feedback
Laudatio für Henryk M.Broder
Von Necla Kelek
Laudatio für Henryk M. Broder
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
lieber Henryk M. Broder,
dies ist eine Lobrede auf eine Rede.
Henryk M. Broder hat im letzten Jahr den Ludwig Börne–Preis in der Frankfurter Pauls-Kirche erhalten. Einen Preis, den man hätte erfinden müssen, damit Henryk B. Broder ihn bekommen kann, denn kaum ein anderer Publizist schreibt so gern ohne Rücksicht auf Beifall wie damals sein Bruder Börne.
Broder und Börne sind Grenzgänger, haben nie einen Feind ausgelassen und sind wie man heute sagt, Konvertiten. Börne trat zum Christentum über. Henryk Broder ist nicht wie im Internet verbreitet wurde, zum Islam konvertiert , sondern schon vor Jahrzehnten zu sich selbst.
Und weil es so gekommen ist, dass er für die seine freie Rede geehrt wird, haben wir den Glauben an eine höhere Gerechtigkeit ein kleines Stück zurück bekommen.
Ich selbst wäre vorher nie auf den Gedanken gekommen, Henryk M. Broder einen Preis als Redner zu verleihen, denn alles was ich von ihm kenne, war im Ton immer leise, eher geflüstert als geschrien. Aber seit dem Pferdeflüsterer wissen wir ja , dass gerade dies nachhaltige Wirkung auf große Tiere haben kann.
Liest man seine Artikel, Bücher und eben seine Rede, ist es, als würde er im Cafehaus neben einem sitzen und einem über die Zeitung hinweg Unverschämtheiten ins Ohr flüstern. Man verzeiht ihm die sofort, weil selbst die immer charmant, immer witzig und originell sind. Er würde, glaube ich, für einen guten Witz, sein Stück Kirschtorte - wenn nicht mehr - herschenken. Dass diese leisen Töne auch in der Paulskirche funktionierten, liegt an besonderen Fähigkeiten unseres Preisträgers: Er hat durch seine Art der Rede selbst den feierlichen Ort zum „Club der schrägen Gedanken “ machen, weil er ihn mit seinen Geist auf eine ganz bestimmte Art ausleuchtet. Die Pauls-Kirche wurde mit ihm zum speak easy., einer Flüsterkneipe der Prohibition.
Henryk M. Broder hat mit seiner Rede die Kunst des öffentlichen Flüsterns erfunden.
UND: Er gibt dem Zuhörer - in dem er sich bewusst klein macht (wir verzeihen ihm diese Koketterie gern ) - die Möglichkeit, die Welt von schräg unten zu sehen. Was in der Tat für viele Dinge die angemessene Perspektive zu sein scheint. Ich sage bewusst, er macht sich klein.
- und weil das so ist, ist es in der zu lobenden Rede auch angemessen, dass er zum Zeitpunkt des Triumphes unbescheiden ist.
Bei guten Reden geht es ja zum einen darum, Was-Wie gesagt wird und zum anderen, um das Wie-Was gesagt wird. Und damit kommen wir zum Kern des Erfolgs von Henryk Broder. Er gehört zu den wenigen Publizisten in der Bundesrepublik, die dieses Land lieben - und das auch öffentlich machen. Und er weigert sich, an Deutschland zu leiden. ER hat in seiner Redeformuliert. „Wenn ich schon leiden muss, dann nicht an Deutschland, sondern an meiner eigenen Unvollkommenheit.“ Das ist mir sehr sympathisch, habe ich doch manchmal den Verdacht, dass auch ich mich für die Verteidigung dieses Landes rechtfertigen muß
Wenn sich diesen Satz doch ein paar Politiker und Publizisten hinter den Spiegel stecken würden.
Broder verteidigt die bürgerlichen Freiheiten. Die Betonung liegt dabei auf „bürgerlich“ wie auf „Freiheiten“. Damit ist er politisch unkorrekt. Besonderen Augenmerk hat er dabei in den letzten Jahren auf dem Umgang mit und die Umtriebe des Islam gelenkt, und all jenen widersprochen, die die Migranten und Muslime mit ihrem Verständnis und ihrer Fürsorge in der Rolle als Opfern und Mündel bestärken und dann gern den hilflosen Helfer spielen.
Morgen tagt die Islamkonferenz. Und ich kann ihnen nur sagen, es steht nicht gut um die Integration der Muslime in Deutschland. Wir diskutieren dort seit anderthalb Jahren über die Rechts- und Werteordnung unserer Gesellschaft. Die Islamverbände treten dort auf, als könnten sie dort über die Rechts- und Werteordnung der Bundesrepublik neu verhandeln, als sei man auf einem Basar, auf dem Grundgesetz gegen Koran getauscht werden kann.
Dass dies vielleicht verhindert werden kann, liegt an der Öffentlichkeit, der Presse, dem Hörfunk und den Medien und engagierten Bürgern. Ganz im Gegensatz zu den Politikern aller Parteien , die mit den Islamvertretern gern von Funktionär zu Funktionär verständigen. Gäbe es nicht Publizisten wie Henryk Broder oder wie die nächste Börne-Preisträgerin Alice Schwarzer, gäbe es nicht die vielen Journalisten, Verleger und Bürger, die bereit sind der Realität ins Auge zu sehen, hätten wir nicht den Diskurs und die öffentliche Rede.
Und dafür, dass wir jetzt wissen, dass eine öffentliche Rede ehrlich, offen, witzig und Politisch sein kann, dafür danken wir Henryk Broder.


