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  04.06.2012   22:31   +Feedback

Bloß nicht zu Ende gedacht

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Schlecht war diese Nagel-Geschichte nicht, nur halt nicht zu Ende gedacht. Sie zeigt ein Stück Drittwelt-Realität. Da fallen nämlich regelmässig Rollerfahrer hin – und werden im dichten Verkehr auch immer wieder überrollt. Alle sehen und wissen das: die Anwohner, die Polizei, die Autofahrer, die Medien. Nur interessiert das niemanden. So ist das halt in Jakarta, Kairo und La Paz.
Offensichtlich ist der aus Singapur eingeflogene ARD-Mann mit dieser Realität unvertraut. Und die geht so:

Der schmierig lächelnde, medaillenbehangene Polizeisprecher sagt in Bericht: “Wir können den Reifenflickern nicht beweisen, dass sie hinter dem Nagelstreuen stecken.” Selbstverständlich ist das Unsinn. Die Polizei kennt die Nagel-Nummer sogar ganz genau. Die platten Reifen tragen auch beträchtlich zum täglichen Verkehrschaos bei. Und man kennt auch die Nagelstreuer. Da gibt’s nichts zu beweisen. Und wenn’s doch noch offene Fragen gäbe, brächte der Knüppel rasche Klärung. Die Polizei könnte das Problem innert 24 Stunden lösen. Aber man darf der indonesischen Polizei nicht verwerfen, dass sie dumm sei; bloss halt korrupt. Deshalb sagt man den nagelstreuenden Reifen-Shops am Strassenrand: Liefert jeden Monatsletzten eine Million Rupien pro Shop auf der Wache ab – or else.

Meine (indonesische) Frau musste ob des Berichts und der Naivität des ARD-Manns lachen. Und ich, einstmals SO-Asien-Korrespondent (mit Büro in Manila und Jakarta) fragte mich, wie ich die Story gekocht hätte.

Problem ist: Die zu Ende gedachte Nagelstory liesse sich schlecht verkaufen. Sie lässt “die Armen” nicht gut aussehen, sie zeigt, wie hoffnungslos alles ist – und vor allem: Es lässt sich nur ganz schwer entwickeln, dass letztlich wir an Jakartas vernagelten Strassen Schuld sind…


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