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Kolumnen

Politische Hunde

  08.03.2009   +Feedback

United Dogs

Kolumne von Maxeiner & Miersch, erschienen in DIE WELT am 06.03.2009

Der „Hund of Change“ ist gefunden. Ein portugiesischer Wasserhund wird demnächst ins weiße Haus einziehen. Den Ausschlag gab sein Fell, das nicht haart und für die von einer Allergie geplagten Obama-Töchter am unproblematischsten scheint. Eigentlich sollte der neue First Dog ja aus einem Tierheim geholt werden, da sind reinrassige portugiesische Wasserhunde jedoch kaum anzutreffen. Schade, das wäre ein schöner Doppelschlag gewesen: Guantanamo dichtmachen und gleichzeitig einen armen Hund befreien.

Doch auch so enthält die Hundewahl reichlich politische Symbolik. Ursprünglich soll die Rasse aus dem Zweistromland stammen, dem heutigen Irak, von wo er später auf die iberische Halbinsel gelangte. Der portugiesische Wasserhund ist von mittlerer Statur und trägt die Haare im Gegensatz zu Fußballern der 80er-Jahre vorne lang und hinten kurz. Er ist ein guter Schwimmer, was angesichts der Wirtschaftslage ebenfalls kein Nachteil ist. Früher war der Cão de Agua Portugês ein Begleiter der Fischer, heute ist er wegen seines ausgeglichenen Wesens als Familien- und Therapie-Hund im Einsatz. Der Vierbeiner verkörpert gewissermaßen die neuen sanften Züge der amerikanischen Politik. Barak Obama hat aber auch ganz persönlich eine weise Wahl getroffen. „Wenn Du in Washington einen Freund suchst, kauf Dir einen Hund“, heißt ein bekanntes Bonmot.

Was für Washington gilt, dürfte auch für Berlin gelten, weshalb uns die weitgehende Hunde-Abstinenz deutscher Politiker ein wenig besorgt. Seit sich Hitler mit seiner „Blondi“ ablichten ließ, gelten Hunde hierzulande als nicht besonders Karriere fördernd. Dabei wird Blondi, der „First Bitch“ des Großdeutschen Reiches, unrecht getan. Der Historiker Wolfgang Wippermann schließt aus dem Studium von Fotografien und Quellen, dass Blondi nicht auf Hitlers Werben hereingefallen, sondern Angst gehabt und sich ihm widersetzt habe: „Dieser Schäferhund war schlauer als viele Deutsche.“

Angesichts des Wahlkampfes dürfen deshalb auch deutsche Politiker wieder über einen Hund nachdenken. Der Status als Nicht-Herrchen könnte sonst als emotionale Kälte ausgelegt werden. Herrchen statt Herrscher, heißt das Erfolgsrezept. Ein treuherziger Dackel zu Gregor Gysis Füssen würde selbst die verschwundenen SED-Milliarden vergessen machen. Wie sich politische Affären mit Hunde-Hilfe überstehen lassen, stellte schon US-Präsident Franklin D. Roosevelt unter Beweis: Ihm wurde Missbrauch von Steuergeldern vorgeworfen, weil er für private Zwecke ein Kriegsschiff der Marine auf die Aleuten entsandt hatte. Roosevelt bekannte daraufhin, er habe lediglich seine dort vergessene Hündin Fala abholen lassen und die Nation verzieh ihm. Eine Lehre für heutige Politiker, die beispielsweise gerne die Flugbereitschaft der Bundeswehr in Anspruch nehmen. Siegmar Gabriel empfehlen wir deshalb die vorsorgliche Anschaffung eines Windhundes.

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