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Kolumnen
Dirk Maxeiner 30.01.2009 +Feedback
Und das ist besser so
Von Maxeiner & Miersch, erschienen in DIE WELT vom 30.1.2009
Es ist ja verständlich: Alle wollen wie Obama sein. Die Politik hat ihren ersten Pop-Weltstar hervorgebracht. Soviel Glamour war nie. Es ist nur eine Frage der Zeit bis die ersten Modeschöpfer den Obama-Style kreieren und lauter gut aussehende Obama-Modells mit federndem Gang und Präsidenten-Outfit über die Laufstege flanieren. Während es im gemeinen Volk durchaus habituelle Obama-Doubles geben dürfte, sehen wir das in den Reihen der deutschen Politiker eher nicht. Unsere Volksvertreter sind wie sie sind, aber nicht wie Obama. Und doch mangelt es nicht an Versuchen dem großen Zauberer aus Übersee nachzueifern.
Vom Grünen Reinhard Bütikofer bis zum SPD-Generalsekretär Hubertus Heil wollen alle den Deutschen ein bisschen den Obama machen. Aber leider funktioniert das nicht. Die Erklärung ist ziemlich einfach: Wenn man mit dieser Masche Erfolg haben wollte, dann müssten die Deutschen so sein wie die Amerikaner. Das sind sie aber nicht. Den unfreiwilligen Beweis lieferte eine große Deutsche Boulevard-Zeitung als sie Angela Merkel eine Rede im Stil des US-Präsidenten auf den Leib schrieb (“Was Angela Merkel von Obama lernen kann“).
Hier ein kleiner Auszug aus der obamanischen Ruckrede für Frau Merkel: „Deutschland ist das Land der Ordensritter, die diese Wildnis urbar machten. Die ihre Pferde sattelten mit Nichts als dem Willen, Gottes Werk zu tun! Die die Scholle brachen, um Deutschland zu pflanzen! Es ist das Land der großen Ingenieure, der Männer und Frauen, die uns das Automobil brachten wie Prometheus das Feuer“. Und weiter geht es im pathetischen Rausche: „Vor allem aber ist es ein Land Gottes und der Freiheit! Junge, ungeduldige Männer schnallten sich 1832 ihre Säbel um und marschierten zum Hambacher Schloss - in den deutschen Farben schwarz-rot-gold!...“ Sagen wir es mal so: Frau Merkel könnte eine solche Rede gefahrlos nur auf dem Mainzer Karneval halten.
Deutsche ticken eben anders. Klar doch mögen sie Obama, aber sie tun das mit der rechten Gehirnhälfte wo die Emotionen zuhause sind. Die eigenen Politiker betrachten sie hingegen mit der linken Gehirnhälfte, wo das Kopfrechnen, die Pendlerpauschale und die Krankenkassenbeiträge lauern. Der blasse Herr Heil und der wohlbeleibte Herr Bütikofer können also ruhig bleiben wie sie sind, niemand erwartet Popstar-Qualitäten von ihnen. Allerdings könnten ein paar neue politische Ideen dem Ansehen ihnen nicht schaden.
Wer für die Wähler kein glaubwürdiges und mitreißendes inhaltliches Anliegen mehr formulieren kann, der sucht sein Heil eben in Gesten, Form und Verpackung. Unlängst wollte Außenminister Steinmeier mal locker aussehen und nahm mit dem Rapper Muhabbet ein Lied auf - was ihm nicht wirklich gut stand. Solche Versuche haben immer etwas Peinliches und Anbiederndes. Und das gilt nicht nur für die Politik. Eltern biedern sich bei ihren Kindern „voll krass“ mit deren Jugendsprache an oder begrüßen ihre Sprösslinge mit supercoolem Hand-Abklatschen. Obama dürfte so etwas, Steinmeier oder Merkel nicht. Und das ist auch besser so.


