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Kolumnen
Michael Miersch 21.12.2007 +Feedback
Danke
Kolumne von Maxeiner & Miersch, erschienen in DIE WELT am 21.12.2007
Das jüdische Feinkostgeschäft Katz’s Deli an der Lower East Side in New York ist eine amerikanische Institution. Nach einem Pastrami-Sandwich spielte Meg Ryan dort ihren berühmten Orgasmus in „Harry und Sally“. Berühmt war der Laden aber schon vorher, beispielsweise durch seine Aktion „Send a Salami to your boy in the army“, mit der die Amerikaner ihre Soldaten im zweiten Weltkrieg unterstützen konnten. Und es gibt sie noch heute, diese Form des Dankeschöns für die Soldaten, die in der Ferne für Amerika ihr Leben riskieren. Die Bürger des Landes mögen noch so heftig über Sinn und Unsinn von Kriegseinsätzen diskutieren - ihre Männer (und inzwischen auch Frauen) in der Armee dürfen sich dessen ungeachtet der Solidarität praktisch aller Bürger sicher sein. Da fällt kein böses Wort. Auf „seine Jungs und Mädels“ lässt Amerika nichts kommen. Wer für das Land seinen Kopf hinhält wird von der Gesellschaft hoch geachtet, ihm wird Dankbarkeit und Respekt gezollt.
Nun steht Weihnachten vor der Tür und auch deutsche Soldaten sind für ihr Land in der Ferne im Einsatz. Sie werden das Fest in irgendwelchen unbehausten Feldlagern in Afghanistan verbringen, im Kosovo oder auf Schiffen vor der libanesischen Küste. Wer schickt Ihnen eigentlich eine Salami? Wie dankt Deutschland seinen „Jungs und Mädels“, die da draußen für unser Land, unsere Freiheit und unsere Sicherheit den Kopf hinhalten? Mehr als siebzig Bundeswehrsoldaten sind bis heute bei Auslandseinsätzen ums Leben gekommen. Doch wo bleibt die Empathie der Bürger, die sonst doch bei jeder Gelegenheit so leicht abrufbar ist? Egal ob Licht aus fürs Klima oder Lichterketten gegen rechts, es mangelt ja keineswegs an Aktionen, mit denen die Deutschen „ein Zeichen setzen“. Wäre Weihnachten nicht eine schöne Gelegenheit, auch einmal ein Zeichen der Verbundenheit und Wertschätzung für unsere Soldaten und Soldatinnen zu setzen? Wo bleiben unsere Fernsehsender, Boulevardzeitungen, Promis und Großunternehmen, die doch sonst keine Gelegenheit auslassen, sich im Glanze guter Taten zu sonnen? Wo bleibt eine phantasievolle und liebenswerte Bürgeraktion in dieser Sache? Oder ist die ganze Dankbarkeit für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft 2006 drauf gegangen?
Es ist schon erstaunlich wem hierzulande soziales Prestige zuwächst und wem nicht. Das zeigt auch die Debatte um das Ehrenmal für die gefallenen Soldaten der Bundeswehr, das in Berlin errichtet werden soll. Bislang wird das Schicksal der toten Bundeswehrsoldaten privatisiert und die Trauer der Familie überlassen. Doch die Toten unserer demokratisch legitimierten Armee haben mehr verdient als ein verschämtes Gedenken. Unter den Bundeswehrsoldaten in Afghanistan und anderswo macht längst das Wort von der „gesellschaftlichen Ignoranz“ die Runde, die die Deutschen den Auslandseinsätzen ihrer Armee entgegen bringen. Das verhuschte Desinteresse der Nation an ihrem Einsatz ist beschämend. Sie haben viele Leben gerettet, viel Unheil verhindert und segensreiche Aufbauarbeit geleistet. Wir können stolz auf sie sein. Nichts gegen Fußball, aber denken wir an Weihnachten auch mal an die etwas wichtigere Nationalmannschaft. Die hat auch ein paar positive Emotionen verdient. Wenn Sie in diesen Tagen einen Bundeswehrsoldaten sehen, dann sagen sie ihm stellvertretend für seine Kameraden im Ausland doch einfach mal Danke. Das wäre vielleicht ein Anfang.

