29.01.2009 11:11
Die Kosten des Klimaschutzes: Peanuts!
Ich glaube, es ist wieder mal Zeit, mich hier unbeliebt zu machen. War verdächtig ruhig die letzten paar Wochen, zumal etwa die Katholische Kirche alles tat, um meine Kritik an ihrem Antisemitismus, die manchen Mitstreitern als Ablenkung vom Kreuzzug gegen den Hauptfeind empfanden, zu bestätigen. Was tun also, damit ein bisschen leben in diese politisch allzu korrekte Bude kommt? Zum Beispiel den Antiklimaschutzhysterikern ein paar Zahlen entgegenhalten. Wie Wolfgang Merkel (kein Verwandter) in der “Welt” berichtet, hat die Unternehmensberatungsfirma McKinsey (im Auftrag einer finsteren Klimaschutzkoalition aus WWF, Shell, Vattenfall und Volvo) berechnet, dass Klimaschutz jetzt billiger kommen werde als Reparatur später. Nun kann man einwenden: Wie wollen die das berechnen? Und: McKinsey - sind das nicht die Leute, die all jene Firmen beraten haben, die jetzt vor dem Ruin stehen und jetzt Sie und mich um ein paar Euro anbetteln? Gute Argumente. Und zum Letzteren kommen wir noch.
Laut McKinsey würde eine wirksame Reduzierung des CO2-Ausstoßes - etwa zu gleichen Teilen durch alternative Energien inklusive Atomkraft, sinnvollere Landwirtschaft und Gebäudesanierung - jährlich zwischen 150 und 400 Milliarden Euro kosten. Das ist eine Menge Geld. Andererseits berichtet die “FTD” heute (29. Januar 2009), dass allein die Banken allein 2008 an die 2200 Milliarden Dollar Verlust gemacht haben. Und die Banken, das sind wir. Denn wir werden dafür zahlen, sei es als Steuerzahler, sei es als Kreditnehmer durch höhere Zinsen und schwierigere Konditionen, sei es als Aktienbesitzer. Diese 2200 Milliarden sind wohlgemerkt nur die Abschreibungen (was für ein herrliches Wort!) der Banken. Von den Folgekosten in der Industrie (das Exportland Deutschland meldet heute 3,49 Millionen Arbeitslose, Tendenz steigend - das müssen wir, die wir noch Arbeit haben, auch zahlen) ganz zu schweigen.
Und für was? Man könnte zynisch sagen, diese Trilliarden sind die Kosten der wirtschaftlichen Freiheit (und also billig, schließlich ist die Freiheit unbezahlbar). Man könnte auch realistisch sagen (und ich empfehle die Lektüre des Special Report on the Future of Finance im “Economist” letzter Woche, das “goldene Zeitalter der Finanzwirtschaft” sei “an seinen eigenen Widersprüchen zugrunedegegangen”, was Marx nicht besser hätte formulieren können und genau so formuliert hätte. Nun gut, egal. Wir haben’s ja. Und das ist der Punkt. Wenn wir so viel Geld ausgeben können, weil Finanzmärtke nun einmal instabiler werden, je komplizierter sie sind, weil der Optimismus ansteckend ist, weil mathematische Modelle den Normalfall sehr genau prognostizieren, Extremereignisse aber nicht vorhersehen können, weil der Darwinismus in der Finanzwelt nicht funktioniert, und weil Finanzgenies immer cleverer sind als Regulatoren (das sind die Widersprüche, die der “Economist” aufzählt), dann müssten wir sozusagen aus der Portokasse ein paar hundert Milliarden über haben, um von fossilen Energien wegzukommen, den Skandal unserer Landwirtschaft anzugehen und unsere Behausungen wetterfester zu machen. Alles sinnvolle Sachen, selbst wenn sie am Ende - weil Extremereignisse nicht vorherzusehen sind - die Klimakatastrophe nicht verhindern beziehungsweise die Nichtklimakatastrophe nicht nicht verhindern, wenn Sie mir folgen. Schon allein um Putin und die Mullahs zu ärgern bin ich für so viel alternative Energie wie möglich.
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