25.04.2008   10:05

Frühstücksfernsehen statt BND

Die gute Nachricht wäre: Auch wir haben einen Auslandsgeheimdienst. Die schlechte Nachricht ist: Er ist auch nicht besser als die Geheimdienste der anderen. Gut wäre ein Geheimdienst, wenn man nichts von ihm zu hören bekäme.

Vom BND hört man zwar nicht allzu oft, aber doch regelmäßig. Nun ist er wieder einmal in den Schlagzeilen. Mitarbeiter des Dienstes haben einen afghanischen Politiker, der früher im Exil in Deutschland lebte, abgehört. Einen afghanischen Politiker? Wir wollen nicht gleich motzen und es vorerst als Zeichen der Globalisierung werten. Schließlich wird unsere Sicherheit seit Jahr und Tag am Hindukusch verteidigt. Nicht in Berlin-Neukölln sondern am Hindukusch.

Was aber macht unser beflissener Geheimdienst dort? Was ist sein Beitrag zu unserer Selbstverteidigung in der Ferne? Er installiert einen Trojaner auf dem Computer eines Ministers und liest fortan dessen E-Mail-Korrespondenz. Beispielsweise mit einer deutschen Journalistin. Womit man wieder bei den heimischen Aspekten der Globalisierung wäre. Sozusagen bei der Dialektik von lokal und global. Motto: Lokal denken, global handeln. Im Klartext: Eine Provinzposse im Zeitalter der Kommunikation.

Journalisten sind seit eh und je ein beliebtes Objekt für Geheimdienste. Gehen doch beide, auf den ersten Blick, der gleichen Sache nach, der Information. Die Frage ist, was sie daraus machen. Während die einen ihr Wissen so rasch wie möglich an die Öffentlichkeit zu bringen suchen, schaffen die anderen es bloß in die Zentrale. Was dort damit geschieht, weiß man nicht. Und weil man es nicht weiß, wird es bedeutsam. Wenn es stimmt, dass Wissen Macht ist, so ist die Geheimniskrämerei Machtausübung. Simulation von Machtausübung.

Dass die einen aus dem Wissen ein Ereignis machen und die anderen ein Geheimnis, unterscheidet sie das wirklich voneinander? Das Problem, das beide gleichermaßen haben, der Journalist wie der Agent, ist, eine ausreichende Menge von Informationen zu finden, genügend Informationsquellen, also an Rohstoff zu kommen. Das aber ist der wirkliche Grund für das Interesse des Agenten am Journalisten. Der Rohstoff.

Der Agent lebt praktisch vom Journalisten. Er könnte genau so gut dessen Presseberichte auswerten, aber damit wäre er bloß Angestellter bei einem Ausschnittdienst und nicht der BND. Das wäre weniger mythisch aber auch günstiger für den Staatshaushalt.

Bleibt die Frage: Was macht eigentlich der BND mit seinem Wissen? Beispielsweise mit den E-Mails vom afghanischen Ministercomputer? Um zu erfahren, was die betreffende Journalistin in Afghanistan herausgefunden hat, braucht man normalerweise bloß ihre Artikel zu lesen. Nun kann man sagen, der BND informiert die Regierung über den Stand de Dinge. Der Außenminister, der Innenminister und die Kanzlerin haben am Morgen die BND-Einschätzung der Lage auf dem Tisch. Wenn diese nun aber auf den Informationen des installierten Trojaners beruhen, könnte die Regierung ja auch das Original lesen, die Artikel der Journalistin. Wenn das zu zeitaufwendig sein sollte, genügt vielleicht auch die Presseschau am Morgen. Etwa im Frühstücksfernsehen. Für das wenige, was unsere Politik zu Afghanistan und nicht nur dazu zu sagen hat, genügt durchaus das Frühstücksfernsehen.

Aber zurück zum BND. Die heutige Gesellschaft leistet sich bekanntlich vielerlei Institutionen. Darunter befinden sich hilfreiche, aber auch überflüssige. Der BND gehört anscheinend nicht zu den hilfreichen. Dafür hört man zuviel von ihm. Warum leisten wir uns also diese Einrichtung? Weil sich alle anderen Staaten etwas in der Art leisten? Aus protokollarischen Gründen sozusagen? Man trägt ja auch Krawatten und redet darüber, ob sie schön oder hässlich sind, und wie der Knoten gebunden sei, ohne daran zu denken, dass man mit einer Krawatte erdrosselt werden kann. So ist das Leben. Ist es so?


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Kategorie(n): Inland