David Harnasch26.03.2008 15:31
Buchempfehlungen
Keinesfalls vertue man seine Zeit auf die Lektüre von Charlotte Roches “Feuchtgebiete”! Dieses sprachlich dürftige Machwerk hätte zu recht niemals einen Verlag gefunden, wäre die Autorin kein bekanntes Fernsehgesicht. Der Skandal um Hämorrhoiden und Genitalsekrete ist derart schäbig provoziert, dass sich jeder Feuilletonist beleidigt fühlen sollte. Stattdessen wird Roche vom SPIEGEL über das 3sat-Büchermessensofa durch jede Redaktion des deutschsprachigen Raumes gezerrt, um für ihre spezielle Sicht der Gleichberechtigung zu werben.
Wer gelegentlich den ÖPNV zu beanspruchen genötigt ist, der wird ebenfalls konstatieren, dass der Pflegezustand unserer männlichen Sitznachbarn sehr oft mit dem der weiblichen Mitreisenden nicht konkurrieren kann. Die Zahlen der Mode- und Kosmetikindustrie belegen hier eine langsame aber spürbare Besserung. Statt die olfaktorische und optische Aufwertung des öffentlichen Raumes freudig zu begrüßen und ehemals haarige und stinkende (Natur) Männer für ihren Fortschritt in Richtung gegenseitiger Rücksichtnahme (Kultur) zu beglückwünschen, fordert CR ein entschlossenes zurück zur Natur auch für die Damenwelt und postuliert im Gegenzug: “Ich will das Geschlechtsteil eines Mannes durch seine Hose hindurch riechen.”
Statt sich auf die völlig richtige und skandalöserweise noch immer notwendige Forderung nach gesellschaftlicher und vor allem finanzieller Gleichbehandlung der Geschlechter zu beschränken, verlangt Roche ein neues Körperbewusstsein, bei dem Gesundheit gleichgesetzt ist mit Vernachlässigung.
Ob Sie dies aus Überzeugung oder Kalkül tut, ist dabei völlig irrelevant, kulturelle Retardierung um ihrer selbst willen ist niemals wünschenswert. Gegen sich in Magersucht und Steroidmissbrauch manifestierenden Schönheitswahn lässt sich argumentieren, ohne die fundamentalsten Ideen des gedeihlichen Zusammenlebens über Bord werfen zu müssen.
Stuss muss niemand lesen, aber der Geruch des Mitmenschen lässt sich oft schwer ignorieren.
Unbedingt lesen sollte man hingegen Pierre Bayards ”Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat”. Anschließend hat man wie der Autor dieser Zeilen keinerlei Hemmungen, ein Buch zu verreißen, das man nie in Händen hielt. Das spart Zeit, die man besser darauf verwendet, Roche bei etwas zuzusehen, was sie wirklich kann.
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Kategorie(n): Kultur
