09.03.2008 23:32
SPD: Stalinisten ohne Prinzipien und innerparteiliche Demokratie
Nachdem Andrea Ypsilanti sich gestern per Abstimmung der
uneingeschränkten Solidarität ihrer Partei, der SPD in Hessen, versichert hat, will
sie nun offenbar einen neuen Anlauf nehmen, um sich mit den Stimmen
der LINKEN zur hessischen Ministerpräsidentin wählen zu lassen und ihr
politisches Lebenswerk, das z.B. aus der Einführung der Einheitsschule
und des gesetzlichen Mindestlohns besteht, im schönen Wonnemonat Mai
in Wiesbaden zu krönen.
Wer sich nur ein wenig mit der Geschichte der Zwangsvereinigung der KPD
mit der SPD zur SED in der SBZ/DDR auf der einen und den
berühmt-berüchtigten Praktiken des alten Zuchtmeisters der SPD, Herbert Wehner,
selbst ehemaliger Kommunist, beschäftigt hat, bekommt eine dezente
Ahnung davon, was jetzt auf die Darmstädter Abgeordnete Dagmar Metzger
einstürmen mag, die sich der neuen Zwangsvereinigung der Linken in Hessen
mutig entgegengestellt hat, nur weil sie im Unterschied zu vielen
anderen die eigenen Erfahrungen mit dem Stalinismus in der DDR noch nicht
vollkommen verdrängt hat.
Natürlich ist, im Unterschied zu damals, das Leben der “Verräterin”
Metzger heute nicht mehr existentiell bedroht, ihr politisches
Ueberleben als freie und direkt gewählte, das heißt nur ihrem eigenen Gewissen
verantwortliche Abgeordnete des Hessischen Landtages, aber schon.
Metzgers Selbstkritik ähnelt in gewisser Weise auch den Geständnissen
der Moskauer Prozesse aus den dreißiger Jahren, bei denen die meisten
Angeklagten ihre ursprünglich abweichenden Positionen zugunsten einer
übergeordneten “Einheit und Reinheit der Partei” weitgehend zu
widerrufen bereit waren.
Sinngemäß, bezogen auf den “Fall Metzger”, der im Grunde eher ein
“Fall Ypsilanti” ist:
“Wenn ich denn schon mit dem, was ich eigentlich denke und glaube, den
Gesamtzielen der Partei offensichtlich im Wege stehe, so bin ich am
Ende, wenn auch unter großen Schmerzen, doch bereit, meinen Platz als
direkt gewählte Abgeordnete im Parlament zu räumen und so Andrea
Ypsilanti die Wahl zur hessischen Ministerpräsidentin am Ende doch noch zu
ermöglichen!”
Wahrscheinlich werden die Sozialdemokraten, die sich am besten ab
morgen in “Stalinisten ohne Prinzipien und innerparteiliche Demokratie”
umbenennen sollten, den Schwenk Dagmar Metzgers in Hessen nun bereitwillig
aufgreifen und als Ergebnis eigener, innerer Einkehr gegenüber einer
leicht irritierten Öffentlichkeit zu verkaufen versuchen und den
erheblichen Druck, den z.B. Hermann Scheer u.a. Genossen auf sie ausgeübt
haben, weitestgehend zu minimieren versuchen.
Nichtsdestotrotz sollten sich die “Stalinisten ohne Prinzipien und
innerparteiliche Demokratie” ab sofort eine neue Parteihymne verordnen. Da
ihr früheres Mitglied, der später als Stasi IM enttarnte Dieter Dehm,
der bereits im Jahre 1987 “Das weiche Wasser höhlt den Stein”
komponierte und der jetzt nach längerem Hin und Her konsequenterweise seine
politische Heimat in der LINKSPARTEI gefunden hat, hierfür leider nicht
mehr zur Verfügung steht, sollten Kurt Beck und Andrea Ypsilanti, die
beide offenbar nicht zimperlich in Fragen geistigen Eigentums sind,
sich ganz einfach bei Louis Fürnbergs “Lied von der Partei” aus den
fünfziger Jahren bedienen.
Die erste Strophe lautet wie folgt und wäre m.E. eine schöne
musikalische Untermalung anläßlich einer möglichen Vereidigung von Andrea
Ypsilanti zur hessischen Ministerpräsidentin, die wahrscheinlich am
besten zum 1. Mai, dem “Internationalen Kampftag der Arbeiterklasse”
stattfinden sollte:
“Sie hat uns alles gegeben, Sonne und Wind, und sie geizte nie/
Wo sie war, da war das Leben, was wir sind, das sind wir durch sie/
Sie hat uns niemals verlassen, fror auch die Welt, uns war warm/
Uns schützt die Mutter der Massen, uns hält ihr mächtiger Arm.
Die Partei, die Partei, die hat immer recht,und Genossen es bleibet
dabei:
Wer da kämpft für das Recht,der hat immer recht,gegen Lüge und
Ausbeuterei!
Wer die Menschheit beleidigt ist dumm oder schlecht, wer die Menschheit
verteidigt, hat immer recht!
So aus Leninschem Geist wächst von Stalin geschweißt, die Partei, die
Partei, die Partei!”
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Kategorie(n): Inland
