20.04.2013   08:56

Kälter? Wärmer?

Fragen Sie das Potsdamer Wahrheitsministerium oder gleich die „Süddeutsche“

Da sich der Umstand nicht mehr ganz umgehen lässt, dass sich das globale Klima seit 1998 nicht mehr substanziell erwärmt, und Schnee und Eis im Winter offenbar doch noch zu den vertrauten Anblicken in Mitteleuropa gehören, belegen Rechenmodelle aus dem Potsdam Institut für Klimafolgenforschung mittlerweile eiskristallklar, dass wir die klirrend kalten Winter der letzten Jahre in Wirklichkeit der Klimaerwärmung verdanken. Also: die Klimaerwärmung macht die Winter kalt, kalt, kalt, und wir müssen uns auch in Zukunft auf lange, schneereiche Winter gefasst machen. Dank bewährter Organe wie der „Süddeutschen“, „taz“, der ARD und anderen sitzt die Botschaft mittlerweile einigermaßen gut verankert in den deutschen Köpfen. Aber nun scheint nach es dem bewährten Wahrheitsorgan von der Isar irgendwie noch komplizierter zu sein: Kälte ist nicht nur ein Produkt der Wärme, sondern bei Kälte und Wärme handelt es sich eigentlich um dasselbe, und beides liegt an der Klimaerwärmung, beziehungsweise, es herrschen beide Zustände auf bisher unerkannte Weise gleichzeitig:

„Oben in den bayerischen Bergen kommt jetzt unter dem schmelzenden Schnee der Beton hervor. Auf einmal werden die Fundamente künstlich angelegter Seen sichtbar, deren Wasser im Winter die Schneekanonen fütterte. Diese allein haben die Skisaison in den deutschen Alpen wieder einmal gerettet, eine Saison, in der es Heiligabend fast 20 Grad warm war. Doch nun ist alles so gut wie vorbei, nur auf der Zugspitze und in Oberstdorf laufen noch ein paar Lifte. Geht es so weiter mit dem Klimawandel, könnten diese Skigebiete Mitte des Jahrhunderts die einzigen sein, die es in Deutschland überhaupt noch gibt.“
(Süddeutsche vom 19. April 2013)

Vielleicht sollte das Synthesemodell folgendermaßen lauten: Die drei tatsächlich warme Tage um Weihnachten belegen die Klimaerwärmung, die Kälte vorher und nachher belegt sie erst recht, völlig unabhängig von Temperaturkurven. Irgendwelche Voraussagen für die Mitte des Jahrhunderts zu irgendetwas mit Klima lassen sich aus dem Abstand von vierzig Jahren sowieso problemlos machen. Wollen Sie Verwirrung, Schwindelgefühl und weitere Risiken und Nebenwirkungen vermeiden, dann schauen Sie am besten gar nicht mehr aus dem Fenster, auf das Thermometer oder in den Kalender, sondern nur noch in die „Süddeutsche“. Dieses Qualitätserzeugnis funktioniert ähnlich wie Homöopathie: Man muss nur daran glauben – dann wirkt es auch. 
 


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Kategorie(n): Klima-Debatte  Kultur