14.01.2013   08:49

Die Wünschelrutengänger der Antisemitismusforschung

Dass die Juden am Antisemitismus schuld sind, ist eine alte Weisheit, ebenso wie die, dass die Antisemiten die Opfer der Juden sind und sich nur zur Wehr setzen gegen die sinistren Pläne der Juden, den ohnehin brüchigen Weltfrieden platzen zu lassen. Jetzt kommt aber noch eine neue Erkenntnis dazu: Die Juden behindern den Kampf gegen den Antisemitismus, indem sie maßlose Behauptungen aufstellen und den Begriff “inflationär” verwenden, sagt Juliane Wetzel, die “seit 20 Jahren über Antisemitismus in Deutschland forscht”, ihn also sozusagen jeden Tag von 10 bis 17 Uhr, die Mittagspause ausgenommen, hautnah erlebt. ““Es schadet einer genauen Definition des Antisemitismus’ und damit natürlich auch einer Bekämpfung des Antisemitismus’, wenn der Begriff so inflationär verwendet und ausgehöhlt wird.”

Nun hindert niemand Frau Wetzel und ihre hart schuftenden Kollegen daran, eine genaue Definition des Antisemitismus zu liefern, die es ihr und den anderen Vollzeitexperten ermöglichen würde, den Anisemitismus effizient und effektiv zu bekämpfen, bis der letzte Antisemit die Segel gestrichen und einen Aufnahmeantrag in die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit gestellt hat. Sie forscht ja über das Thema seit 20 Jahren. Aber alles, was bei dieser Forschung rauskommt, ist die bahnbrechende Erkenntnis, dass “bei Umfragen in den letzten 20 bis 25 Jahren in etwa immer 20 bis 25 Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung als antisemitisch eingestuft worden (sind), das heißt, sie stimmen teilweise bis ganz verschiedenen Aussagen zu, die aus diesen Facetten antisemitischer Haltungen abgefragt werden”. Eine wissenschaftliche Methode, mit deren Hilfe man genau das rausbekommt, was man rausbekommen will, indem man z.B. eine “Facette” als antisemitisch definiert und sie dann den “Befragten” vorlegt. Zum Beispiel: “Glauben Sie, dass die Juden zu viel Macht haben?”, worauf 20 bis 25 der Befragten mit einem Ja antworten. Die Aussage hätte aber nur dann einen Erkenntniswert, wenn man einer oder mehreren Parallelgruppen die Frage vorlegen würde “Glauben Sie, dass Protestanten/Moslems/Katholiken/Unternehmer/Gewerkschaften/Autokonzerne/Kleingärtner/Ärzteverbände zu viel Macht haben!?” Und die Antworten auf diese Frage mit den Antworten auf die Frage nach der Macht der Juden vergleichen würde. So was nennt man empirische Sozialforschung, aber davon sind Frau Wetzel und ihre Kollegen, die in den letzten 20 bis 25 Jahren immer dieselben “Facetten antisemitischer Haltungen” abfragen, die sie vorher festgelegt haben, so weit entfernt wie ein Wünschelrutengänger von der Relativitätstheorie. 

Kein Wunder, dass der ehemalige Chef von Frau Wetzel, Prof. Dr. Wolfgang Benz, nicht einmal in dem vierfachen Mord von Toulouse eine “neue Dimension des Antisemitismus” erkennen mochte, denn der Mord an drei Kindern und einem Lehrer gehörte nicht zu den “Facetten antisemitischer Haltungen”, die man bei dem Täter vorher abgefragt hatte. Kein Wunder, dass das Berliner Zentrum für Antisemitismusforschung einen Prozess gegen einen Antisemiten verlor, weil es ihm Äußerungen in den Mund gelegt hatte, die dieser tatsächlich nicht getan hatte. Ja, so was kann schon mal Experten passieren, die in den letzten 20 bis 25 Jahren auf einem Schaukelpferd zur Arbeit reiten und dabei so tun, als wären sie mit einem Lipizzaner zur Spanischen Hofreitschule unterwegs.

Siehe auch:
http://www.3sat.de/mediathek/index.php?display=1&mode=play&obj=34261


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Kategorie(n): Wissen