07.01.2013   21:29

Das Berliner Luxusproblem

Michael Smolski

Pünktlich zum neuen Jahr ist in Berlin-Pankow ein Beschluss des Bezirksamts in Kraft getreten, aus dem hervorgeht, dass Modernisierungsmaßnahmen an „Kiezhäusern“, die den „zeitgemäßen Ausstattungsstandard durchschnittlicher Wohnungen“ überschreiten, nun nicht mehr genehmigt werden. Ziel ist es, die Mietpreiserhöhungen aufzuhalten.

Im Klartext heißt das, dass Vermieter künftig auf alles zu verzichten haben, was der städtischen Verwaltung zu sehr nach Luxus riecht, wie etwa auf ein zweites Bad (oder eine zweite Dusche), auf zusätzliche Balkone, Terrassen oder Wintergärten. Mittelmäßigkeit als Rechtspflicht.

Tabu ist ebenfalls der Bau von Parkplätzen für die jeweilige Wohnung oder das Anbringen „unnötiger Wärmedämmungen“ sowie die Zusammenlegung von kleinen Wohnungen zu größeren. Klar, wer braucht schon eine moderne Wärmedämmung, wenn er die Heizung wegen der steigenden Energiepreise sowieso nicht mehr aufdreht?

Der brandneue Verbotskatalog zeigt auf vielen Ebenen, was in Berlin alles schiefläuft. Um die negativen Folgen einer verpfuschten Sozialpolitik abzufedern, greift der Staat mit einer erschreckenden Selbstverständlichkeit per Bezirksamtsbeschluss in die verfassungsmäßige Eigentumsgarantie ein. Marktverzerrung und Planwirtschaft statt Freiheit. Willkommen in Berlin.

Und anstatt Überlegungen anzustellen, wie man die Unterschicht eventuell aus ihrer misslichen Lage befreien könnte, verwaltet man an der Spree lieber die Armut und bestraft nebenbei Wohnungseigentümer, deren unverzeihliches Vergehen es ist, heruntergekommene Gegenden im Osten der Hauptstadt in hippe Wohlstandsviertel verwandeln zu wollen.

Überhaupt, was ist eigentlich so verwerflich daran, seine finanzielle Lage durch kostspielige Investitionen in sein eigen Hab und Gut verbessern zu wollen? Ganz im Gegensatz zu den Strahlemännern vom Staat, die Million um Milliarde in einem Flughafenprojekt versenken, das einfach nicht aus dem Knicks kommen will, verwenden die Privaten nämlich immerhin ihr eigenes Geld, und nicht das der Steuerzahler.

Berlin fühlt sich offenbar pudelwohl in seiner Haut und will unbedingt für immer so bleiben wie es ist. Weniger ist mehr, Lieblingsfarbe mausgrau. Man muss schon eine besonders euphorische Frohnatur sein, um das vorbehaltlos gut zu finden.

Zum Blog von Michael Smolski: Botschaften aus der Tonne


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Kategorie(n): Inland