06.01.2013   19:38

Die Juden sollen sich nicht so haben

„Ich hatte die Ehre, 1965 derjenige gewesen zu sein, der die erste Kugel auf Israel schießen durfte. Ich habe den Widerstand in dieser Region und weltweit gelehrt und definiert – wann er nützlich ist und wann nicht. … Wir [die Fatah,kzd] hatten die Ehre den Widerstand anzuführen. Wir haben allen den Widerstand gelehrt, der Hisbollah eingeschlossen, die in unseren Lagern trainiert hat.“ (Mahmoud Abbas, 2008)

„Die Toten mahnen uns“, heißt es. Doch zu schnell vergeht die Zeit und zu leicht vergisst die Welt. Wer erinnert sich beispielsweise noch an den Sonntag vor knapp zehn Jahren? An jenem 5. Januar 2003 sprengten sich um 18.30 Uhr in Tel Aviv an der belebten zentralen Bushaltestelle zwei Selbstmordattentäter der Al-Aqsa-Märtyrer-Brigaden, dem bewaffneten Arm der Fatah, in die Luft. Die beiden Terroristen standen nur wenige hundert Meter voneinander entfernt. Sie zündeten ihre Sprengsätze im Abstand von wenigen Sekunden, so dass die in Panik vor der ersten Bombe wegrennenden Menschen direkt in die zweite Explosion liefen. Dieser Anschlag forderte das Leben von 23 Menschen und es wurden über 120 zum Teil schwer verletzt.

Es war damals einer der schwersten Terrorangriffe gegen Israel und, wie Zeugen berichteten, einer der blutigsten. Als die Krankenwagen den Busbahnhof erreichten, fanden die Helfer Menschen im Schockzustand, überall Körperteile, Menschen, denen Beine, Arme und Hände fehlten, zerfetzte Körper und Blut. Jeweils zehn Kilogramm Sprengstoff und hunderte Nägel hatten ein grausames Massaker angerichtet. Die Opfer waren fast ausnahmslos Neueinwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion, Gastarbeiter aus Bulgarien, Ghana und China. Menschen, die sich nach einem langen Arbeitstag auf ihren Feierabend freuten.

Während mittlerweile das Gedenken an diese Ermordeten aus der Öffentlichkeit verschwunden ist, man nicht zuletzt in Deutschland vom jüdischen Staat „Schritte für einen Frieden“ fordert, feiert just am 5. Januar 2013 die Organisation, die damals die Mörder geschickt hatte, offen und unverhohlen ihren 48. Geburtstag. Mehrere zehntausend Menschen jubelten in Gaza der vermeintlich moderaten Partei zu und man zeigte mit martialischer Rhetorik, dass der Feind Israel ist und bleiben wird.

Zwar weiß Mahmoud Abbas, der Präsident der palästinenischen Autonomiebehörde und Vorsitzende der Fatah, dass er sich in der westlichen Öffentlichkeit „moderat“ geben muss, aber schon seit über hundert Jahren sind sich die Araber in Palästina sicher, dass sich niemand für ihre arabischen Worte oder ihre Taten interessiert.

Als beispielsweise im April 1920 die Araber in Jerusalem das erste anti-jüdische Pogrom im Mandatsgebiet Palästina verübten, mit mehreren Toten und hunderten Verletzten, wurden nicht etwa die arabischen Mörder zur Rechenschaft gezogen. Im Gegenteil: die gegen Juden gerichteten Gewaltaten führten dazu, dass die jüdischen Verteidiger verurteilt wurden, die Briten die jüdische Einwanderung nach Palästina stoppten und fast ausschließlich die Zionisten für die Gewalt verantwortlich machten. Dieses Schema wiederholte sich während der zahllosen anti-jüdischen Ausschreitungen in den 1920ern, in Jaffa, Safed, Hebron und immer wieder Jerusalem. Jedes Mal wurde die Schlinge um den Hals der palästinensischen Juden enger gezogen. Über diese grausame Vorgeschichte im Nahen Osten spricht heute niemand mehr. Keinem Nahost-Experten ist es eine Erwähnung wert, dass die palästinenischen Araber auch ohne einen jüdischen Staat die Juden ermordeten.

So muss man sich nicht wundern, dass die westlichen Staaten auch in der heutigen Zeit auf dem arabischen Ohr taub sind. Als in der letzten Woche die Pressestelle der bewaffneten Teile der Fatah – ja, die gibt es weiterhin – anlässlich des 48. Jubiläums verkündete, dass sie „die Befreier des gesamten Lands der [palästinensischen] Nation sind“ – ein recht unverhohlener Hinweis darauf, dass der Staat Israel ausgelöscht werden soll – und diese verlauten ließ, dass „die Waffen nicht vor der Befreiung und Unabhängigkeit niedergelegt [werden]“, hörte man von der Europäischen Union, dem deutschen Außenminister und den Vereinten Nationen nichts. Jeder israelische Furz erregt mehr Aufsehen bei diesen Friedensfreunden als der Aufruf zur bewaffneten Auslöschung Israels.

Auch zum offiziellen, von Mahmoud Abbas abgesegneten Logo der Feierlichkeiten vernahm man von diesen Stellen keine Kritik. Obwohl sich auf diesem neben einem Gewehrlauf, der ganz klar auf den bewaffneten Kampf gegen Israel verweist, auch die Umrisse Groß-Palästinas bedeckt von den Farben der Kufiya, des durch Jassir Arafat bekannt gewordenen Kopftuchs, finden. Das zukünftige arabische Palästina, das sich Mahmoud Abbas und seine Fatah zusammenfantasieren, erstreckt sich somit auch auf Israel, darüber sollte kein Zweifel bestehen. Für einen jüdischen Staat ist da kein Platz.

Und so schließt sich der Kreis zu den Terrorangriffen vor zehn Jahren. Denn die Mörder, die damals vollkommen unschuldige Menschen bestialisch ermordeten, kamen auf Geheiß von Mahmoud Abbas und seinen Gesinnungsgenossen. Das Blut der 23 Menschen klebt auch an den Händen dieses moderaten Palästinensers, der in einem Interview mit einem palästinensischen Fernsehsender noch im Jahr 2005 über die inhaftierten Terroristen folgendes zu sagen hatte: „Ich fordere [die Freilassung ] der Sicherheitshäftlinge, weil sie Menschen sind, die taten, was wir ihnen befohlen haben. Wir, die palästinensische Autonomiebehörde.“ Mahmoud Abbas übernahm damit zwar Verantwortung für die Tausenden toten Israelis der Intifada, doch zur Verantwortung gezogen wird er dafür nicht. Stattdessen wird er hofiert und es ist Israel von dem man verlangt, Abbas als Gesprächspartner anzuerkennen.

Doch die mindestens 3.724 seit 1920 von palästinensisch-arabischen Terroristen ermordeten Juden mahnen uns, dass ein Dialog mit Menschen, denen nur ein toter Jude als guter Jude gilt, selbstmörderisch sein kann. In Israel weiß man um diese Gefahr, nur in Europa hat man diese Bedenken noch nie ernst genommen – weder 1920 noch 2012. Die Juden sollen sich nicht so haben, denkt man hierzulande.

Daran wird sich auch im neuen Jahr nichts ändern. Leider.


+Feedback

Permanenter Link: Druckversion

Kategorie(n): Ausland