29.12.2012   18:39

Schade um die schlechten Zeiten

Zum Jahresende möchten wir die Aufmerksamkeit auf ein paar Fakten lenken, die Ihnen 2012 vielleicht entgangen sind. Uns wären sie jedenfalls entgangen, wenn wir nicht im Laufe unseres Berufslebens eine gewisse Skepsis gegenüber der eigenen Zunft entwickelt hätten. Journalisten, insbesondere deutsche Journalisten, neigen zur Überbetonung des Übels auf der Welt. Deshalb dringt Manches nicht an die Öffentlichkeit, was für eine Jahresbilanz durchaus wissenswert wäre. 

Das schlimmste Übel ist immer noch die Armut. 1,29 Milliarden Menschen fristen ihr Leben unter der absoluten Armutsgrenze, die nach UN-Definition bei einem Einkommen 1,25 Dollar am Tag liegt.

Es steckt jedoch eine gute Nachricht in der schlechten: Trotz Wirtschaftskrisen ist die Not weltweit zurückgegangen. Und zwar sowohl prozentual als auch in absoluten Zahlen. So konnte die Weltbank im Frühjahr 2012 verkünden, dass ein wichtiges Millenniumsziel erreicht ist: die Halbierung der weltweiten Armut bis 2015. Zur Erinnerung: Diese Vorgaben wurden im Jahre 2000 von den Vereinten Nationen formuliert, beim bisher größten Treffen von Staatsoberhäuptern und Regierungschefs. Und noch einer weiteres Millenniumsziel wurde Wirklichkeit: Nahezu gleich viele Mädchen wie Jungs besuchen heute Grundschulen.

Es gibt immer weniger Kriege. Die Zahl der bewaffneten Konflikte mit 1000 oder mehr Toten sinkt seit mehr als einem halben Jahrhundert und hat sich gemessen am Stand von 1990 halbiert.

Die Hauptsorge vieler Deutscher gilt der Klimaerwärmung. Leider wird in der hiesigen Berichterstattung selten erwähnt, dass die Temperatur des Planeten seit 15 Jahren stagniert. Gute Neuigkeiten gibt es auch in Sachen Energie-Ressourcen. Durch überraschende Funde und neue Fördermethoden ist die Knappheit in weite Ferne gerückt. Was jedoch nicht dazu geführt hat, dass die Industriestaaten so verschwenderisch mit Öl und Gas umgehen wie einst. Entgegen dem globalen Trend sinkt der Verbrauch in den reichen Ländern seit Jahren.

Die Lebenserwartung steigt weiterhin und zwar auch in den armen Ländern. Im globalen Durschnitt liegt sie jetzt bei 69,5 Jahren, und damit höher als 1960 in Deutschland. Diese frohe Botschaft schaffte es im Oktober sogar in die Tagesschau – nur ein wenig anders formuliert. Die Zeile hieß: „Die Weltbevölkerung alter immer schneller.“

Erschienen in DIE WELT am 28.12.2012

 


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Kategorie(n): Wissen