16.11.2012   09:55

An all die Mahner, Kopfschuettler, Abwiegler…

die jetzt vor Eskalation warnen und Israel zur Zurueckhaltung auffordern.

In diesem meinem kleinen Blog existiert eine Kategorie namens Qassam-Ticker. Einfach mal anklicken und lesen. Aber richtig. Mindestens ein paar Seiten lang.

Und mir dann erklaeren, wo Ihr Euren Protest hoer- und sichtbar gemacht habt, waehrend Israel beschossen wurde. Gern mit Links, Bildern von Demos, von den Plakaten, die Ihr aus dem Fenster gehaengt habt, Kopien der Briefe an Eure Bundestagsabgeordneten. Jedes Dokument wird dankend entgegengenommen.

Wer aber still war, waehrend in Netivot, Eshkol, Kerem Shalom und Nir Am die Raketen niedergingen, Tausende ueber die Jahre, der hat nicht das geringste moralische Recht, jetzt Israel daran zu hindern, seine eigenen Massnahmen zu ergreifen. Wer den Krieg angezettelt hat, das waren nicht wir. Wir haben hoechstens wieder mal zu lange gewartet. Die Kinder aus Sderot, die keine andere Realitaet kennen als unter Beschuss, sind inzwischen in der Mittelstufe. Eine weitere traumatisierte Generation.

Und Leute wie Westerwelle, deren Regierung Geld massenweise und ohne jede daran geknuepfte Bedingung in den Gazastreifen geschuettet hat, obwohl dort genug Geld war, um teure Raketen aus dem Iran einzukaufen – Leute, deren Parlament einstimmig und ueber alle Parteien hinweg eine Verurteilung Israels beschlossen hat, weil Israel es gewagt hat, per Blockade den Gazastreifen wenigstens bei der Bewaffnung zu hindern – solche Leute haben schon gar kein moralisches Recht, jetzt den grossen Mahner zu spielen.

Es ist kein Zufall, dass deutsche Journalisten von Putz bis Teichmann fest daran glauben, es muss ein Wahlkampftrick sein. Dass Israel ununterbrochen seit Jahren angegriffen wurde, mit Raketen, mit Bomben und Sprengsaetzen, haben sie ja gar nicht erst ihrem lesenden Publikum gemeldet und berichtet. Sie tragen ja mit Schuld daran, dass niemand eine Loesung fuer das Problem gesucht hat, denn sie haben das Problem mit verschwiegen.

Eine Bedrohung Israels existiert fuer solche Beobachter nicht. Eine unertraegliche Belastung fuer fast eine Million Israelis, die ihren schwierigen Alltag seit Jahren meistern muessen, waehrend die Welt ignoriert, was bei ihnen los ist – das ist nicht denkbar. Fuer sie ist Israel anders als in der Rolle des aggressiven, unkontrollierbaren Golems gar nicht cast-bar.  Sie glauben, es waere logischer, Israel wartet bis zur Wahl, wartet dann, bis eine Koalition steht (was hier bis zu einem Monat dauern kann), wartet dann weiter, bis sich ein neuer Verteidigungsminister gut eingearbeitet hat (denn Barak wird es nun mal bestimmt nicht mehr), und dann reagiert die neue Regierung? Und was machen die Leute in Netivot und Ashdod bis dahin? Waehrend sich die Aggressoren im Gazastreifen sicher und unangreifbar fuehlen?

Wer nicht mitgekriegt hat, wie unertraeglich die Lage im Sueden wurde und wie ominoes sich die Wolken zusammengezogen haben, der hat nichts verstanden. Ich kann mich nicht erinnern, dass irgendein Mitglied einer fremden Regierung, ausser Obama in seiner Debatte mit Romney, als er Sderot und seinen Besuch dort erwaehnte, sich jemals eingemischt haette, waehrend Israel einen Beschuss ausgehalten hat, den kein anderer Staat hingenommen haette. Oder faellt jemandem ein Beispiel ein?

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Kategorie(n): Ausland