David Harnasch01.06.2012 11:06
Schweizer! Wehrt Euch! Kauft beim Juden!
„Die Migros deklariert in Zukunft Produkte, die aus den von Israel besetzten Gebieten stammen. […] Einzelne […] Artikel stammen aus palästinensischen Gebieten, die von Israel besiedelt sind. So können Datteln aus palästinensischen Gebieten stammen. Die betreffenden Siedlungen, die beispielsweise in der Westbank oder dem Gazastreifen liegen, sind gemäss Einschätzung der Uno und des Bundesrates völkerrechtswidrig.“ (Migros Magazin, stand 30.5.)
Der mündige Verbraucher wird weiterhin im Unklaren darüber gelassen, welche blutsaufenden Diktaturen Afrikas er mit dem Erwerb elektronischer Geräte in der Migros finanziert (Stichwort Coltan), auch erfährt er nicht, ob beispielsweise Getreide, Oliven oder Pistazien aus dem kurdischen Teil Syriens stammen. Diese Informationen liefert die Migros wahrscheinlich später, denn sie wird gewiss nicht ans demokratische Israel strengere Maßstäbe anlegen als an Syriens Diktator Assad.
Was den tatsächlich mündigen Verbraucher aber wundern muss: Dass die Migros offenbar Produkte aus israelischen Siedlungen im Gazastreifen führt. Das widerspricht dem Frische-Versprechen des Lebensmittelhändlers stark, da der damalige Premier Sharon schon 2005 restlos alle Siedlungen unter erheblichem Protest und mit erheblicher Polizeigewalt gegen die Siedler räumen ließ. Seitdem war genau ein Israeli längere Zeit im Gazastreifen: Der von der Hamas entführte Wehrdienstleistende Gilad Shalit. Dass er in seinem Kellerverlies Datteln zum Export anbaute, ist nicht überliefert. Derzeit „exportiert“ „Hamastan“ zwei Dinge nach Israel: Kranke auf dem Landweg zur Behandlung in israelischen Spitälern und Raketen auf dem Luftweg zur Zerstörung israelischer Spitäler. Hunderte Lastwagen Nahrung und Medikamente liefert im Gegenzug täglich Israel. Über die offene Grenze nach Ägypten werden hauptsächlich Waffen und Luxusgüter ein- aber keine Exportgüter für die Migros ausgeführt.
Sinnvoll ist aber die Kennzeichnung der Produkte aus der Westbank. Da Terrorangriffe mit über 1.000 Todesopfern Israel zur Errichtung des Trennzauns zu „Fatahstan“ zwangen, verloren viele einfache palästinensische Arbeiter ihre Jobs im israelischen Kernland. Wer ihre Lebensbedingungen verbessern will, der sollte hier zugreifen, schließlich sind die israelischen Siedlungen wichtige Arbeitgeber für schlecht qualifizierte Palästinenser. (Und wegen der enormen Sicherheitskosten obendrein ein Verlustgeschäft für Israel.) Bei einer Durchschnittsfamilie von sechs Personen sind die Konsequenzen jedes Arbeitsplatzverlusts katastrophal. Also: Schweizer, wehrt Euch! Kauft Eure Datteln und Gewürze aus der Westbank! Kauft beim jüdischen Siedler!
Zuerst erschienen in der Basler Zeitung.
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Kategorie(n): Ausland
