19.05.2012   11:17

Rettet die Klimaerwärmung!

Alexander Wendt

Nachdem die Mai-Schneeschauer über München abgeklungen sind und der Verkehr auf der vorübergehend winterlichen A 8 wieder rollt, wäre es doch eine gute Gelegenheit für eine grundsätzliche Frage: Wie geht es eigentlich der guten alten Klimaerwärmung? Genauer gesagt, dem Begriff? Lange Zeit verwendeten die Medien vor allem in Deutschland, wo Nachricht und Kommentar meist nicht getrennt wird, die knackige „Klimakatastrophe“. Dann internationalisierte man sich bei der „Süddeutschen“, der taz und anderswo – als Pendant zu „global warming“ entstand die „Erderwärmung“ beziehungsweise „Klimaerwärmung“. Aber irgendwann – 2010, 2011? – schien sich die Tatsache doch allmählich auszuwirken, dass die Temperaturen weltweit in den letzten zehn Jahren nicht mehr steigen wollten. Kältewinter mit Schnee in Rom und auf Mallorca blieben offenbar auch nicht ganz ohne Einfluss auf die Schreiber. Vor allem wollte man sich wieder international orientieren – aus „Global warming“ war in angelsächsischen Medien längst „Climate change“ geworden; in Deutschland wurde aus „Klimaerwärmung“  „Klimawandel“. So, wie Raider eben irgendwann Twix hieß. Klimawandel passt immer. Ebensogut könnte man der Kontinentaldrift Schlagzeilen widmen. Die „taz“ stellte kürzlich fest: „Die Erde bekommt Schüttelfrost“. Mal ist’s warm, mal kalt -  so deckt man alle Eventualitäten ab. Begriffe, die nicht mehr ganz a jour sind, ziehen sich mitunter in Seitentäler zurück, und halten sich dort noch lange. Im Schweizer „Tages-anzeiger“ lebt das good ol’ warming jedenfalls noch prächtig: das Blatt rief kürzlich sogar den „Krieg gegen die Klimaerwärmung“ aus.

Einen Krieg gegen einen Gegner auszurufen, der sich seit zehn Jahren auf dem Rückzug befindet: So haben wir uns den Schweizer Bellizismus schon immer vorgestellt.


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Kategorie(n): Klima-Debatte  Bunte Welt