29.04.2012   12:23

Einmal Bio und zurück

Vom Biolandbau werden seit Jahrzehnte stets Wachstumszahlen verbreitet. So vermeldeten die Bioverbände für das Jahr 2011 in Deutschland einen neuerlichen Zuwachs um 1061 Betriebe. Das Magazin FOCUS hat nun Zahlen über eine bisher völlig unbekannte Gruppe von Landwirten veröffentlicht: Solche die dem Biolandbau wieder den Rücken kehrten. So entschieden sich 930 Landwirte im Jahr 2009 nicht mehr nach Biorichtlinien zu wirtschaften.

Die neuesten Zahlen kommen aus Schleswig-Holstein. Das Statistische Amt für den nördlichsten Flächenstaat stellte fest, dass fast jeder zehnte Ökobetrieb zwischen 2007 und 2010 wieder zur konventionellen Landwirtschaft gewechselt hat. Die Statistiker resümieren, „dass hinter dem positiven Trend insgesamt zunehmender Betriebszahlen im Ökolandbau auch ein gegenläufiger Effekt zu finden ist“.

Wissenschaftler, die Rückumsteller nach ihren Beweggründen fragen, bekamen als häufigste Antwort: Probleme mit der Wirtschaftlichkeit und der Vermarktung.

Besonders schwierig scheinen die Biorichtlinien für Schweinezüchter- und mäster zu sein. Diese Sparte der Landwirtschaft gibt es im Biobereich erstaunlich selten. Obwohl Schweinefleisch das mit großem Abstand beliebteste Fleisch in Deutschland ist, liegt der Bio-Anteil lediglich bei 0,6 Prozent – und ist rückläufig. Zum Vergleich: Der Bio-Anteil am gesamten Lebensmittelmarkt beläuft sich auf 3,7 Prozent.

Ein ehemaliger Bio-Schweinezüchter erklärte gegenüber dem FOCUS, dass ihm viele Ferkel verendeten, als er noch nach Biorichtlinien arbeitete. Damals habe er 16 Ferkel pro Sau und Jahr aufgezogen. „Danach waren es bei denselben Tieren mehr als 25. Das war für mich der Beweis, dass diese Haltungsform eine Katastrophe für die Tiere ist.“ Ein Grund dafür ist die Fütterung. Schweine benötigen viel Eiweiß. Seit dem Ausbruch von BSE ist Tiermehl verboten. Konventionelle Bauern ersetzen es durch eiweißreiches Sojaschrot. Da dieses jedoch meiste von Gentechnik-Pflanzen stammt, dürfen Biobauern es nicht benutzen.

Mehr darüber im neuen FOCUS (Nr. 18/2012) in einem Artikel von Jan-Philipp Hein. Nur am Kiosk, nicht im Internet.


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Kategorie(n): Wirtschaft