21.04.2012   13:51

Kapituliert endlich!

Ende 1972 sah Richard Nixon ein, dass die amerikanische Strategie in Vietnam gescheitert war, und entschied sich für den Rückzug. Doch zuvor erklärte er einen neuen Krieg, der bis heute andauert, den „War on Drugs“, den Anti-Drogen-Krieg. Inzwischen führt der siebte Präsident diesen Krieg. Der Feind, die Drogenmafia ist so stark wie zuvor. Große Teile der Bevölkerung kollaborieren fröhlich kiffend mit diesem Feind. Amerikanische Gefängnisse sind mit Drogen-Tätern überfüllt. Nicht nur in den Vereinigten Staaten fordert der „War on Drugs“ Opfer. In Mexiko sterben Jahr für Jahr Tausende in den Kämpfen der Drogenkartelle. In Afghanistan floriert der Opiumanbau, durch den sich die Taliban finanzieren.

Es gäbe einen Ausweg, den Ashraf Ghani, der frühere Finanzminister Afghanistans, vorgeschlagen hat: Die Legalisierung des Drogenkonsums. Auch die Präsidenten von Guatemala und Kolumbien, Pérez und Santos, plädieren für ein Ende des längst verlorenen Anti-Drogen-Krieges. Ebenso Mexikos Ex-Präsident Vincente Fox und führende Intellektuelle Lateinamerikas, wie Marion Vargas Llosa und Carlos Fuentes.

Darf man vor dem Verbrechen kapitulieren, nur weil man es nicht besiegen kann? Natürlich nicht. Aber von welchem Verbrechen reden wir? Anders als Körperverletzung oder Diebstahl schadet Drogenkonsum nur einem: dem der sie konsumiert. Alle weiteren kriminellen Handlungen sind Folgen des Verbots.  Die Illegalität treibt den Preis in die Höhe. Dadurch lohnt es sich zu schmuggeln. Um den Schmuggel bilden sich Banden, die ihre Gewinne mit Gewalt gegen die Konkurrenz verteidigen. Die Süchtigen müssen sich horrende Geldsummen beschaffen. Sie stehlen, rauben, prostituieren sich.

All dies würde wegfallen, wären Drogen so legal wie Alkohol. Es bliebe der Konsum, der viele ins Elend der Sucht führt, aber nicht mehr zwangsläufig in die Kriminalität. Man müsste nur akzeptieren, dass einige Menschen sich mit Heroin oder Kokain selbst zurunde richten, so wie es Alkoholiker tun. Das Alkoholverbot in den USA dauerte von 1919 bis 1933. Dann erkannte die Regierung, dass die Trunksucht nicht geringer, jedoch die organisierte Kriminalität immer schlimmer geworden war.

Der liberale Ökonom Milton Friedman hatte als junger Mensch die Prohibition noch erlebt und aus dieser Erfahrung das Scheitern des „War on Drugs“ früh prophezeit. Seine Vernunftgründe konnten nicht überzeugen. Wahrscheinlich kommt das Umdenken erst, wenn die Krieger jegliche Hoffnung verloren haben – wie damals in Vietnam.

Erschienen in DIE WELT am 20.04.2012

Diskussion darüber hier:
http://www.facebook.com/pages/Michael-Miersch/227145967382475


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Kategorie(n): Ausland  Wirtschaft