.(Javascript muss aktiviert sein, um diese E-Mail-Adresse zu sehen)10.04.2012 22:37
Gerechtigkeit für Grass und Grosser!
SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles betonte: “Es war unangemessen, Israel als eine Gefahr für den Weltfrieden zu bezeichnen oder die israelische Politik mit der des Iran zu vergleichen.” Aber es wäre auch falsch, nun Grass in der politischen Kultur Deutschlands zur Unperson zu erklären. “Günter Grass war immer ein streitbarer Literat, dessen inhaltliche Positionen heftiger Kritik ausgesetzt waren. Das galt immer auch für seine Auseinandersetzung mit der SPD und umgekehrt”, betonte Nahles. http://www.N24.de/news/newsitem_7832600.html
Zur “Persona non grata” will die SPD Günter Grass zwar nicht erklären, aber als Wahlkampfhelfer möchten ihn viele Genossen auch nicht mehr einspannen. Der 84-Jährige hatte die SPD in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder unterstützt. Mit Willy Brandt war er befreundet.http://www.tagesschau.de/inland/spdgrass100.html
Erwartungsgemäß kam es von Mitgliedern der Bundesregierung zu Kritik an der Mitteilung, das Israel dem einstigen SS-Mann Günter Grass die Einreise nach Israel verwehren wird. Daniel Bahr, der sich mutmaßlich als “Außenminister gefangen im Körper eines Gesundheitsministers” zu fühlen scheint, nennt diesen Umstand “völlig überzogen”. Dem neuen Experten für Israel-Reisen scheint es indes entgangen zu sein, daß ehemalige Angehörige der Waffen-SS grundsätzlich keine Einreiseerlaubnis nach Israel erhalten. http://www.haolam.de/index.php?site=artikeldetail&id=8572
Meine vier Großeltern und meine Eltern sind Juden und es hieß dann, meine Kritik sei jüdischer Selbsthass. Da habe ich gesagt, dass ich mich selbst viel zu sehr liebe, als dass ich Selbsthass empfinden könnte. Ich bin jedenfalls weniger angegriffen worden damals, außer von Henryk M. Broder, aber Broder greift alles an, was herumläuft. Und dann ist ja alles gut gelaufen, weil ich friedlich formuliert habe. Ich bin noch nie so schlecht behandelt worden wie Grass jetzt. http://www.sueddeutsche.de/politik/alfred-grosser-ueber-kritik-an-israel-grass-hat-etwas-vernuenftiges-gesagt-1.1329287
Der israelische Autor Uri Avnery nimmt Literaturnobelpreisträger Günter Grass in Schutz. Nicht dessen israel-kritisches Gedicht sei antisemitisch, sagte Avnery der Hannoverschen Neuen Presse. “Es ist antisemitisch, darauf zu bestehen, dass Israel in Deutschland nicht kritisiert werden darf.” Israel wolle mit denselben Maßstäben wie andere Staaten gemessen werden. “Jede Einstellung, die besagt, dass Israel eine Art Sonderbehandlung haben muss, ist antisemitisch”, sagte er. http://www.sueddeutsche.de/politik/israelischer-autor-uri-avnery-kritik-verbot-an-israel-ist-antisemitisch-1.1328555
Grass hat geschrieben, was die Mehrheit in Deutschland seit Jahren denkt und fühlt. Die Diskrepanz zwischen der politischen Elite und dem Großteil der Deutschen in der Grass-Affäre läuft parallel zur Diskrepanz von Volk und Führung in allen Fragen, die mit Israel zu tun haben… Kein anderer als Walsers leiblicher Sohn, Jakob Augstein, hat es so explizit zum Ausdruck gebracht: „Es muss uns nämlich endlich einer aus dem Schatten der Worte Angela Merkels holen, die sie im Jahr 2008 in Jerusalem gesprochen hat.“ http://www.welt.de/debatte/kommentare/article106169394/Grass-schreibt-was-die-deutsche-Mehrheit-denkt.html
ines muss ich kristallklar sagen: Keinem einzigen Aspekt von Benjamin Netanjahus Politik könnte ich zustimmen. Und ich glaube, Günter Grass’ Ansichten in „Was gesagt sein muss“ hätte ich mit einem Achselzucken quittiert, wenn er sie als Leitartikel in irgendeiner Zeitung, die ihn für druckreif hielt, veröffentlicht hätte; in einer Demokratie ist es fair, selbst sehr unqualifizierte und böswillige politische Meinungen zuzulassen, zu diskutieren und zu demolieren. Aber Grass verkleidet seine hochgradig provokante Behauptung: „Die Atommacht Israel gefährdet/ den ohnehin brüchigen Weltfrieden“ als Gedicht und serviert sie uns, ohne zu erwähnen, dass der iranische Präsident und Holocaustleugner wortreich droht, Israel auszulöschen. http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/das-israel-gedicht-von-grass/louis-begley-ueber-guenter-grass-was-nicht-haette-geschrieben-werden-muessen-11712002.html
Dass Israel ein Einreiseverbot für Grass verhängen will, ist überfällig. Erstens gilt in Israel ohnehin ein Einreiseverbot für alte NS-Schergen. Sollte dies bisher für SS-Günni nicht gegolten haben, wäre dies der Skandal. Zweitens sollte jeder, der nur ein wenig Anstand besitzt, für jede Räumlichkeit über die er irgendwie verfügen kann - ob Staat, Kneipe oder Wohnzimmer - ein Einreiseverbot für Grass verfügen. Am besten wäre eh, man erteilte ihm ein Ausreiseverbot aus seiner kleinen Welt, in der die Täter die Opfer sind und Umgekehrt. http://jungle-world.com/jungleblog/1633/
Zu den wenigen harten Kriterien für antisemitische Äußerungen zählt die Dämonisierung von jüdischen Personen oder Institutionen. Israel ist ohne Zweifel ein jüdischer Staat. Und in diesem Gedicht wird dem Staat Israel vorgehalten, möglicherweise das iranische Volk auslöschen zu können und zu wollen. Das hat jedoch mit keiner politischen Wirklichkeit auch nur das Allergeringste zu tun. Deshalb sehe ich dies als einen typischen Ausdruck von Dämonisierung und damit als Antisemitismus an. http://www.sueddeutsche.de/kultur/micha-brumlik-zum-guenter-grass-grass-ist-kein-antisemit-bedient-sich-aber-antisemitischer-deutungsmuster-1.1328656
Kaniuk, der über 80 ist und Grass persönlich kennt, wurde in den israelischen Medien in den vergangenen Tagen oft nach seiner Einschätzung zum Israel-Gedicht des deutschen Dichters gefragt worden. Doch weder die Person, noch dessen Sorgen interessierten ihn. “Ich lebe hier und habe andere Sorgen”. Dass Israel jedoch den Iran auslöschen wolle, wie es Grass in seinem Gedicht unterstellte, habe er noch nicht gehört. Dennoch hält Kaniuk es für überzogen, Grass als Antisemiten darzustellen und kritisiert auch, dass Innenminister Eli Ishai ein Einreiseverbot gegen ihn verhängt hat. “Wer Schriftsteller boykottiert, wird am Ende Bücher verbrennen.”
http://www.zeit.de/politik/2012-04/grass-gedicht-israel-debatte
Am Ende bleibt aber eine sehr einsame Entscheidung: Muss man Irans Nuklearprogramm hinnehmen und damit das Risiko akzeptieren, dass Israel mit einer einzigen Atombombe vernichtet werden kann? Oder muss man mit allen Mitteln, auch mit jenen des Militärs, diesen nuklearen Wahnsinn stoppen (und die Gefahr akzeptieren, dass diese Operation scheitert)? Israels Premier muss diese Entscheidung treffen. Vielleicht auch der Präsident der Schutzmacht USA. Deutschland braucht sich nur ein Urteil darüber zu bilden, schwerwiegende Konsequenzen muss es nicht fürchten. http://www.sueddeutsche.de/politik/umstrittenes-grass-gedicht-von-einem-land-das-sich-selbst-misstraut-1.1328554
Ein Gedicht mit Folgen: Während sich die Kommentatoren in den Medien überwiegend einig sind, dass Günter Grass mit seinem Gedicht danebenliegt, stößt der Literaturnobelpreisträger in Netzforen auf viel Zustimmung. Auch auf den Ostermärschen wurde er unterstützt. tagesschau.de hat Berichte, Reaktionen und Kommentare zu dem Grass-Gedicht zusammengestellt.http://www.tagesschau.de/inland/grass140.html
“Auch wenn manche Leute glauben, Einreiseverbote würden nichts bringen, bin ich der Ansicht: Israel hat jedes Recht der Welt, ehemalige SS-Leute nicht ins eigene Land zu lassen”, sagte Niebel gegenüber der “Leipziger Volkszeitung”. Allerdings, so schränkte er ein, nützten „schrille Worte keiner Seite, weder in Gedichtform noch durch Einreiseverweigerung“. http://www.welt.de/politik/deutschland/article106168514/Niebel-findet-Israel-Verbot-fuer-Grass-in-Ordnung.html
Feridun Zaimo?lu… findet, Grass habe lediglich die Wahrheit ausgesprochen. „Sowohl in Deutschland als auch in Israel herrscht ein Überbietungswettbewerb im Vorwurf des Antisemitismus“, erklärt er im Gespräch mit den Deutsch Türkischen Nachrichten. „Ich kann Grass nur beglückwünschen“, sagt er. „Unverschämt“ findet er diejenigen, die nun so viel Kritik an dem Autor üben. „Hetzer wie Henryk M. Broder, die ihn als Antisemit bezeichnen, haben den Startschuss für die Kritik gegeben“, meint er. „Israel besitzt Atomwaffen und ist eine Bedrohung für viele Staaten, eine Gefahr für den Frieden“, sagt Zaimo?lu. Doch bei der Verurteilung von Grass tue man so, als sei „die jetzige israelische Regierung keine rechtskonservative, die mit fast allen Staaten im Streit ist. Grass hat darauf hingewiesen und damit hat er recht“, erklärt Zaimoglu.
http://www.deutsch-tuerkische-nachrichten.de/2012/04/451613/feridun-zaimoglu-„ich-kann-grass-nur-beglueckwuenschen“/
P. empfahl den Israelis, von den Deutschen zu lernen, die so „intensiv“ ihre Vergangenheit diskutierten: „Es ist an der israelischen Bevölkerung, endlich der faschistischen Minderheit in ihren Reihen die Rote Karte zu zeigen und zu ihrer Verantwortung für ihre jüngere Vergangenheit zu stehen.“ Me. riet „dem „Beutedeutschen„ Broder, Deutschland wieder zu verlassen“ und erläuterte: „Wer noch auf Deutschland-Safari gehen kann, kann auch noch auswandern.“ http://www.fr-online.de/israel-iran-konflikt/kolumne-guenter-grass—der-alte-mann-und-die-obsessionen,11950234,14699490.html
Der inflationäre Gebrauch des Begriffs hat bereits dermaßen zu seiner Banalisierung beigetragen, dass er sein ursprüngliches emanzipatives Aufklärungspotenzial nahezu vollends zugunsten interessengeleiteter, perfider Diffamierungstaktiken und -strategien eingebüßt hat. Nichts schadet der Bekämpfung des realen Antisemitismus mehr als diese entstellt-entstellende Nomenklaturorgie… Gar nicht zu reden von gewissen in Deutschland lebenden jüdischen Intellektuellen, die ihren Judenbonus und die Furcht von Deutschen, als Antisemit apostrophiert zu werden, so perfekt ausgereizt haben, dass sie eine Hegemonialstellung erlangt haben bei der Herstellung von „jüdischen“ Denkimperativen und ein Anrecht auf Einschüchterung von jedem, der sich ihren reaktionären Interessen und ihrem ideologischen Ansinnen in den Weg stellt. http://www.taz.de/Debatte-Guenter-Grass/!91171/
Thierse fügte hinzu: „Wenn man Günter Grass wegen dieser einseitigen kritischen Position zum Antisemiten macht, dann ist das fatal.“ Dadurch entstehe der Eindruck, „Deutsche höheren oder mittleren Alters könnten dem Antisemitismus niemals entrinnen“. Zudem werde das Vorurteil bestätigt, „dass Kritik an Israel ganz schnell des Antisemitismus verdächtig ist“. http://www.focus.de/politik/deutschland/die-gedicht-kontroverse-im-wahlkampf-thierse-warnt-die-spd-vor-grass-abkehr_aid_735081.html
Günter Grass befürchtet insbesondere, dass wir Deutschen uns - aus einer falsch verstandenen Wiedergutmachung an Israel heraus - mitschuldig an einem Atomkrieg im Nahen Osten machen. Darauf aufmerksam zu machen, auch – vielleicht sogar besonders – als Deutscher ist ein Akt tief empfundener Menschlichkeit, für den ich Günter Grass meinen ganzen Respekt zolle. Ich verstehe nicht, warum es heute immer noch nicht möglich ist, Kritik an Israel zu üben, ohne dafür mit der Antisemitismuskeule verdroschen zu werden und ein entsetztes Aufheulen der vermeintlichen Gutmenschen zu provozieren.
http://spd-fraktion-mv.de/index.php/pressemitteilungen/korrektur-reflexartiger-antisemitismus-vorwurf-an-gunter-grass-ist-intellektuell-erbarmlich-und-politisch-unredlich.html
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Kategorie(n): Kultur
