10.03.2010   01:38

Die Gewalt der Friedlichen

Von Renzo Spielmann

Historisch gesehen leben wir in einer bemerkenswert friedlichen Welt. Den Besuch einer ganz normalen Kneipe zu Shakespeares Zeiten – einer wie der, in der der Freund und Kollege Christopher Marlowe bei einer Messerstecherei ums Leben kam – würde keiner von uns mehr ertragen. Ebenso wenig wie die ritualisierten Männlichkeitsbezeugungen unter mittelalterlichen Rittern und, in ihrer Nachfolge, den Cliquen junger Adliger, deren exzessive Prügeleien, ja Morde bis weit in die Neuzeit als „Kavaliersdelikte“ zählten und nicht sehr nachdrücklich verfolgt wurden. Ebenso wenig wie die derben Bräuche von Ehrabschneidung und -wiederherstellung unter bürgerlichen Studenten. Dafür schauen wir uns Kinofilme an und spielen Videospiele, vor denen sich unsere Vorfahren wahrscheinlich geekelt hätten. Filme, in denen sich ein Publikum im Fünfminutenabstand köstlich darüber amüsiert, auf welch ausgefallene Arten man Menschen zu Tode bringen kann.
http://www.die-tagespost.de/2008/index.php?option=com_content&task=view&id=100055997&Itemid=1


+Feedback

Permanenter Link: Druckversion

Kategorie(n): Wissen