19.01.2010   20:53

Der skeptische Geist ist aus der Flasche

Bei 3sat in der Kulturzeit ( gesendet am 19.1. ) staunte mancher Achse-Leser nicht schlecht über neue Töne im Deutschen Fernsehen: “Gott Globus” - Umweltschutz als neue Weltreligion. Hier anzuschauen.

Neulich habe ich hier einmal zu Climategate und dem Schweigen der meisten Medien hierzulande geschrieben: Jeder Dammbruch beginnt mit einem Haarriss. Und doch ist es immer wieder erstaunlich, an welchem Punkt die Sache dann wirklich anfängt zu kippen. Die Nachricht, dass das IPCC sich in seinen Projektionen für das Abschmelzen der Himalaya-Gletscher offenbar auf reine Gerüchte stützt, scheint ein solcher Tipping-Point zu sein. Nach Stern-online gestern berichtet heute auch Spiegel-online ”Weltklimarat schlampte bei Gletscher-Prognosen” und der Züricher Tagesanzeiger schreibt: “Sollte die IPCC ihre Warnung tatsächlich widerrufen müssen, so wäre dies ein schwerer Schlag für die Glaubwürdigkeit des Gremiums – und für den Kampf gegen den Klimawandel insgesamt.” Die Times befindet: “Dies wäre eines der schlimmsten Versagen überhaupt in der Geschichte der Klimaforschung”. Den eigentlichen Hammer haben die Kollegen aber noch nicht mitgekriegt: Der Wissenschaftler, der das Gerücht über das rapide Abschmelzen des Himalaya in die Welt setzte, wurde vom Vorsitzenden des Welt-Klimarates Rajendra Pachauri mit einem Job in dessen Forschungsinstitut TERI belohnt. Beide gingen mit dem Himalaya-Märchen gemeinsam auf Fundraising-Tour. Das enthüllt der Umwelt-und Politik-Wissenschaftler Roger Pielke Junior.

Eigentlich ist es ein Nebenaspekt, aufgrund dessen plötzlich die Glaubwürdigkeit der Klimaforscher-Zunft in Frage gestellt wird. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch etwas grundlegendere Fragen gestellt werden. Und der stellvertretende Vorsitzende des IPCC, Jean-Pascal van Ypersele, übt sich schon mal in Schadensbegrenzung. Ja man habe einen Fehler gemacht und werde ihn korrigieren. Das ändere aber nichts an der grundlegenden Einschätzung des Gremiums zum Klimawandel. Doch tatsächlich gibt es zahlreiche weitere Aspekte des Berichtes, die auf tönernen Füssen stehen. Wer ein wenig an der Tapete kratzt, dem kommt oft die ganze Wand entgegen. Das fängt mit absolut grundlegenden Aspekten an, beispielsweise der sogenannten Klima-Sensivität, also der Einschätzung wie stark das Klima tatsächlich auf eine Erhöhung des Kohelendioxid-Gehaltes in der Atmosphäre reagiert und endet mit haltlosen Prognosen über die Ausdehung von Malaria aufgrund einer Klimaerwärmung (Malaria hat kaum etwas mit Temperaturen zu tun, selbst in Sibirien war die Malaria lange verbreitet). Siehe dazu Klimafakten und -Fiktionen.

Bin gespannt wie das weitergeht, der skeptische Geist ist jedenfalls aus der Flasche.


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Kategorie(n): Klima-Debatte  Wissen