27.04.2009   09:41

Wahnsinn! Sturm auf Schloss Bellevue!

War sie’s nun gar nicht? Sie habe nie von sozialen Unruhen gesprochen. Sie habe, so Schwan, „vielmehr auf die Verschärfung der Gerechtigkeitsproblematik infolge der Krise hingewiesen“. Alles klar?

Der Vorgang ist exemplarisch. Er verrät über Deutschland und seine Öffentlichkeit mindestens ein interessantes Detail: Lange bevor hier etwas passiert, haben wir es schon ausdiskutiert. So kann uns praktisch gar nichts mehr passieren. Jedenfalls nicht mehr, als wir eh schon befürchten mussten.

Während andere sich noch den Kopf über die Endlagerung fauler Kredite und weiterer Peinlichkeiten der jüngsten Vergangenheit zerbrechen, sind wir schon mitten in den „sozialen Unruhen“ des DGB-Vorsitzenden Michael Sommer. Nein, nicht wirklich, sondern bei der Vorstellung davon. Wenn man sich einmal vor Augen führt, dass Sahra Wagenknecht die empörten Massen zum Sturm auf das Schloss Bellevue anhalten könnte, genügt durchaus die Vorstellung. Wer das bezweifelt, dem sei ein Blick in den „Buchreport“ empfohlen. Frau Wagenknecht steht in dieser Woche auf Platz 43. Auf der Bestsellerliste. Der Titel des Buches: „Wahnsinn mit Methode“.

Damit ist sie die Annemarie der Revolte und die Sache wäre erledigt. So weit es um die Sache geht. Und um die geht es selten. Das ist auch in Deutschland nicht anders. Als Stichwortgeberin in der Frage der Verschärfung der sozialen Problematik gilt, neben Sommer, Gesine Schwan. Zumindest war das in der letzten Woche so. Sie möchte gern Bundespräsidentin werden.  Dafür kann man Verständnis haben, muss aber nicht.

Was hat nun die soziale Frage, verschärft oder nicht, mit der Kandidatur der Frau Schwan zu tun? Sie stellt sich doch gar nicht dem Wahlvolk, sondern der Bundesversammlung. Aber auch diese liest Zeitung, sieht fern und twittert. So versucht die Kandidatin in der Öffentlichkeit einen guten Eindruck zu machen, und dazu gehört auch die Sorge um das Gemeinwohl. Die Sorge überhaupt.

Der sorgenvolle Gesichtsausdruck des Politikers gehört zur Geschäftsgrundlage. Wie seine Zuversicht und sein Humor. Er muss uns so weit wie möglich ähnlich sehen, sich aber dann doch von uns ausreichend unterscheiden, um das Mandat, mit dem wir ihn ausgestattet haben, rechtfertigen zu können.

Das weiß auch Frau Schwan, und deshalb plaudert sie so nett im Fernsehen, als säße sie daheim, bei Kaffee und Kuchen, und warne vor den Brotessern. Das mit den Brotessern ist natürlich ein Missverständnis, mehr noch, ich gebe es zu, es ist eine Einbildung von mir. 

Bleibt die Frage: Wieso taucht jedes mal, wenn etwas eine Einbildung von mir ist, Christian Wulff auf, und weshalb verteidigt er jetzt Gesine Schwan? Er hat eben ein Gespür für das, was die Öffentlichkeit umtreibt, auch wenn es sich nur um Luft handelt, oder gerade dann. Irgendwie sieht auch er wie ein Kandidat aus, aber wofür?


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Kategorie(n): Inland