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  06.02.2009   12:08   +Feedback

Zur Eröffnung der Berlinale: Die ästhetischa Gehirnwäsche- The International

Heutzutage sind Gehirnwäschen unterhaltsam, ja ästhetisch. Zu befürchten ist, dass sie dadurch erfolgreicher sind als jede Agitation in einer totalitären Gesellschaft. Clive Owen jagt als Agent Salinger mit hinreißend erschöpftem Gesichtsausdruck die ganz Bösen, die nicht im Iran, in Nordkorea, in Indonesien, oder einer der anderen scheußlichen Diktaturen zu finden sind, sondern in den Banketagen von Luxemburg, Mailand und Istanbul. Sie halten in ihren Glaspalästen alle Fäden der Welt in der Hand und lassen ihre Puppen in den Regierungen aller westlichen Staaten tanzen. Ein ähnlich einfältiges Weltbild habe ich zuletzt in der DDR vermittelt bekommen. Da waren es die Imperialisten und Revanchisten, die den Weltfrieden gefährdeten. Dank Tom Tykwer, dem Regisseur dieses Propagandastreifens, kann man ihnen nun in die überaus gepflegten Visagen schauen und sie in ihren traumhaften Villen ihre miesen Ränke spinnen sehen. In Gegenwart ihrer minderjährigen Kinder, die aber schon so verdorben sind wie ihre Erzeuger und kluge Ratschläge für deren Drecksgeschäfte erteilen. Damit der Kinogänger nicht zum Nachdenken über den allzu simplen Plot kommt, wird er ununterbrochen mit wunderbaren Bildern, aufgenommen aus den erstaunlichsten Perspektiven, gefüttert. Selbst der alte Stasimann verströmt eine Eleganz und eine Weltläufigkeit, die nicht nur deshalb an Thomas Mann erinnert, weil der Darsteller dem Dichter in einem früheren Film sein Gesicht gegeben hat. Die Stasi mischt also mit auf der Seite der Ultrabösen. Das kann doch nur ein Irrtum sein? Richtig. Im Showdown genügt eine entsetzte Frage des Agenten Salinger um die Katharsis beim Stasioberst auszulösen: „Wie können Sie, die Sie Ihr Leben dem kommunistischen Ideal gewidmet haben, jetzt für diese Leute arbeiten?“ Danach will der Stasimann nur noch eines: von Agent Salinger erlöst werden. Gemeinsam fahren sie nach Istanbul, um die Welt endlich von den Ultrabösen zu erlösen. Das hat die Stasi immer gewollt! Jetzt darf sie mit dem edelsten Agenten des ehemaligen Klassenfeindes zur Tat schreiten. Leider gelingt das Werk nur halb. Der Chef der bösesten Bank wird zwar auf den Dächern von Istanbul seiner gerechten Hinrichtung zugeführt. Aber leider nicht von Agent Salinger, sondern vom Berufskiller , der von den Söhnen eines anderen ermordeten Bankers gemietet worden war. Fazit: für einen zur Strecke gebrachten Banker wachsen zwei andere nach.  Agent Salinger darf als einziger Zeuge überleben.
Wir müssen uns auf „The International“2-5 gefasst machen.

(Vera Lengsfeld)


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