David Harnasch 17.05.2008 10:44 +Feedback
Zeit für den Schlussstrich
Hey Du, Achtundsechziger (ich darf Dich selbstverständlich Duzen, DAS immerhin habt Ihr erreicht), was willst Du eigentlich noch? Was glaubst Du, wer Du bist? Welche Bedeutung gibst Du Deinen Altersgenossen aufgrund ihres Geburtsdatums? Und wieso hört meine Generation sich diesen Mist geduldig an?
Das tolle an den Achtundsechzigern ist, dass sie de facto auf so angenehme Weise gleichgültig sind, dass nicht mal ihre eigenen Kinder entgegen allen biologischen Regeln gegen sie rebellieren konnten.
Es wäre zu begrüßen, wenn die Generation der +/- 1948 Geborenen aufhörten, sich als die Hauptgestalter Nachkriegsdeutschlands zu gerieren, die sie zum Glück nie waren. Es gibt einen Riesenstapel brandneuer Bücher zum Thema, die ich alle nicht gelesen habe und deren Inhalte mir dennoch präzise geläufig sind, da die Feuilletonisten derselben Generation mir jede erdenkliche Meinung zu den dort vertretenen Thesen nahegebracht haben.
Wieso verschwenden wir 2008 in Deutschland unsere gesamte Aufmerksamkeit auf einen aus dem Ruder gelaufenen, prolongierten Abistreich, dessen Langzeitfolgen nicht mehr als ein paar gute Jobs für die damals Beteiligten sind?
Diejenigen, die `68 tatsächlich ein Risiko eingingen, indem sie gegen die herrschenden Umstände protestierten waren die jungen Leute in den Ländern des Warschauer Paktes. Dort gab es gute Gründe, nach Reformen, also Globalisierung, also Verwestlichung zu verlangen. Dort konnte man im Gegensatz zu hier nicht mal den Regierungschef ohrfeigen.
Wegen des egozentrischen Gebrülls unserer „eigenen“ Achtundsechziger erfährt der nachgeborene Zeitungsleser über diese interessanten Geschichten kaum etwas. Dafür weiß ich alles, wirklich alles, über den in seiner Banalität tragischen Rainer Langhans – danke hierfür. Und fürs „Du“.
Permanenter Link | Druckversion
Kategorie(n): Kultur Bunte Welt


