07.01.2013   23:29   Leserkommentare (0)*

Wie “Sound of Music” vom grünen Panikorchechster übertönt wurde

Akif Pirincci

Als ich ein kleiner Junge war, gingen wir damals in Istanbul mit der ganzen Familie jeden Sonntag in ein Kino, das ausschließlich ausländische Filme zeigte. Ein Film beeindruckte den kleinen Akif dort besonders: “Sound of Music”, eine musikalische US-Version der Trapp-Familie-Story. Gar nicht mal die Handlung, der Gesang und die schauspielerischen Leistungen taten es mir an, sondern die österreichische Landschaft mit ihren Bergen, saftigen, grünen Tälern und sprudelnden Bächen usw. So stellte ich mir damals Europa vor, ich, der ich inmitten einer Millionen-Stadt lebte, in der Bäume schon eine Seltenheit waren, geschweige denn daß ich je grüne Wiesen ansichtig geworden wäre und Vogelgesang gehört hätte.

Später als ich dann mit neun Jahren nach Deutschland in die Eifel kam, erlebte ich eine Überraschung – eine angenehme: Alles sah tatsächlich mehr oder weniger so aus wie bei “Sound of Music”! Es gab hier schier grenzenlose, dichte Wälder, Seen und Maare, Wiesen von der Größe von zig Fußballfeldern, Grün und nochmals Grün soweit das Auge reichte. Jede Jahreszeit konnte wie im Bilderbuch genossen werden, vom klirrenden Schneewinter bis hin zum heißen Badesommer. Ein Naturparadies, dieses Deutschland.

Daran änderte sich nichts, bis ich in die Pubertät kam. Es war jetzt Mitte der Siebziger - wir waren inzwischen in die Nähe von Andernach in Rheinland-Pfalz gezogen - und Deutschland ging plötzlich in einer Nonstop-Umweltkatastrophe apokalyptischen Ausmaßes unter. Die Abgase der Industrie und der Autos bliesen so viele Schadstoffe in die Luft, daß wir nur noch ächzend und kotzend durch die Straßen laufen konnten. Die Kinder bekamen den sogenannten Krupphusten (erinnert sich noch jemand an den Begriff?), und hatten nur noch ein Leben als Invaliden vor sich. Alle Seen und Flüsse waren verseucht, weil die Industrie - ein Wort mit dem ominösen Beigeschmack wie heute etwa Alien oder Putin - ihre giftige Kloake darin einleitete, natürlich heimlich. Leute, die in der Nähe eines Atomkraftwerks wohnten, hatten plötzlich alle Krebs und ihre Babys drei Köpfe. Die Wälder und Blumen verdorrten, die gesamte Natur verwandelte sich in eine Wüste. Die Vögel fielen tot von den Bäumen. Aber nicht allein das, man versuchte uns auch durch “industriell” (also im Labor) hergestellte Lebensmittel zu vergiften. Darin waren Konservierungsstoffe und Lebensmittelfarben und was weiß ich noch für ein tödliches Zeug enthalten. Später kam auch noch das Waldsterben und AIDS hinzu, womit aus Deutschland eine einzige Deko eines Endzeit-Filmes wurde. Kurz, es war Schluß mit “Sound of Music”.

Okay, ich habe Sie verarscht. In Wahrheit hatte sich gar nix geändert. Bis auf eine Sache: Die oben beschriebene Szenerie machte zunehmend etwa 2/3 der Nachrichten in dieser Zeit aus. Vor allem Berichte und Dokus des Öffentlich Rechtlichen Fernsehens bombardierten tagtäglich ein baff erstauntes Publikum mit Horrorbildern aus einem Deutschland, das es bisher nur aus seinen schlimmsten Alpträumen kannte. Durch Säure und Gift umgekippte Seen, asbestverseuchte Gebäude, deren Bewohner schon im folgenden Jahr der sichere Tod erwartete, Reinhard Mey sang “Es gibt keine Maikäfer mehr” (ohne daß man ihn des Drogenmißbrauchs verdächtigte), amalgamkontaminierte Zähne, um die Wette strahlende Atomkraftwerke (, welche mysteriöserweise nichts gegen sieche Insassen von Altersheimen anrichten konnten, denn die lebten ja immer länger, zu lang, wenn Sie mich fragen, aber kerngesunde junge Leute in die Frühverrentung schickten), mit Chemiekacke gedüngte Felder, die unfruchtbar (oder heißt es sauer?) wurden, Rußpartikel in der Luft, die ganze Landstriche entvölkerten – es war einfach der helle Wahnsinn!

Behördlicherseits gab man derweil Entwarnung. Etwa Mitte der Siebziger war die Luft in Deutschland so sauber wie nie zuvor, einige Stellen des Rheines wurden wieder fürs Schwimmen freigegeben, weil die Wasserqualität wieder optimal geworden war, die Nahrung war die gesündeste und hygienischste auf der ganzen Welt, und die Lebenserwartung stieg und stieg. Alle vorhandenen Umweltgesetze (, die man damals nicht so nannte) hätten also schon damals ausgereicht, um ein deutsches Dasein in höchster Lebensqualität zu genießen.

Aber wieso präsentierten die Medien dann ein Bild vom krassen Gegenteil? Die Antwort auf diese Frage lieferten sie gleich mit: Der Staat, die Industrie, “die Kapitalisten” logen einfach, um noch schnell unser Geld einzusacken, bevor wir bereits mit 22 Lenzen ins Gras bissen. Wie sah es aber mit unserer erlebten Realität aus, was diese Sache anging?

Nun so allmählich und nach Ende der Achtziger endgültig, also auf dem Höhepunkt der “Umweltverschmutzung”, lebten wir in zwei Realitäten. Realität A war die reale Realität, in der wir sommers und winters durch atemberaubende deutsche Landschaften spazierten, aus dem Flugzeug runterguckten und erstaunt feststellten, daß dieses Land fast zu 95 Prozent aus Grün und Natur besteht, ohne Bedenken in Seen badeten, im Frühling in pittoresken Kleinstädtchen (woraus Deutschland städtetechnisch hauptsächlich zusammengesetzt ist) vor einem Lokal einen Kaffee tranken und die sauberste Luft im Universum einatmeten, unseren Eltern dabei zusahen, wie sie viel, viel älter wurden als ihre eigenen und in der unsere Kinder Allergien bekamen, w e i l es hier zu sauber zuging.

Realität B waren die schlimmen Nachrichten und Bilder aus den Medien in unseren Köpfen, die in solchem Übermaß und solch wilder Hysterie rausgekotzt wurden, daß sie für uns ein Paralleluniversum bildeten. Ehe wir uns versahen, starb der Wald. Was heißt starb, er w a r schon längst gestorben durch den “sauren Regen”. Günter Grass schrieb sogar ein Buch darüber: Totes Holz. In Realität A merkte man zwar nichts davon, aber wenn man sich die Luftaufnahmen im Stern oder Spiegel so anguckte, erblickte man nur verwüstete Landschaften voller toter Bäume. Daß im Mittelalter der Wald viel kränker als in den 1980ern war, weil man damals nichts von den zirka dreihundert Baumkrankheiten wußte und sie wie heute nicht mittels hammerharter Chemie bekämpfen konnte, erwähnte man vorsichtshalber nicht.

Ich weiß, daß das Waldsterben eine alte Pantoffel ist, weil es auf eine einzige Lüge basierte und lediglich dazu dienen sollte arbeitsscheue Ökofuzzies namens die Grünen in die Regierungssitze zu hieven. Aber exakt an diesem Beispiel können wir studieren, wie es hierzulande mit den sogenannten Umweltgesetzen gehandhabt wird. Auf dem Höhepunkt der Waldsterben-Hysterie nämlich ließ die damalige Regierung Kohl eine sehr umfangreiche und extrem teure Untersuchung über das Phänomen anstellen. Das Ergebnis war wie von allen seriösen Wissenschaftlern vorausgesehen: Noch nie war der deutsche Wald gesünder gewesen! Bloß war die Schimäre von dem sterbenden Wald von den linksgrünen Demagogen und Journalisten in deutsche Köpfe inzwischen derart tief penetriert worden, daß die Bevölkerung eine Veröffentlichung dieser Ergebnisse als eine Lügenpropaganda der Regierung abgetan hätte. Deshalb entschied man sich für eine Methode, mit denen sämtliche Umweltgesetze seit den Siebzigern durchgedrückt werden.

1. Schritt: Es ist alles gar nicht so schlimm, wie die Grünen, Greenpeace, Foodwatch (später auch gestandene Bischöfe) und dergleichen Schmarotzer, die von meinem Steuergeld leben, es behaupten. Aber der öffentliche Druck ist so groß, daß man uns das Gegenteil nicht mehr abkaufen würde (siehe Waldsterben). Deswegen sagen wir, sie haben nur ein bißchen recht. Wir erlassen ein Umweltschutzgesetz, auch wenn wir wissen und alle anderen auch in der Realität A spüren, daß es nichts heilen wird, weil das Objekt der Heilung ja komplett gesund ist. Problem: Einige nervige Typen haben Naturwissenschaften studiert und werden den Schwindel durchschauen. Deshalb Schritt 2: Wir tun einfach so, als sei die Welt im natürlichen Zustand antiseptisch und das sie umgebende Leben, das unweigerlich mit Dreck, Kacke und Gift behaftet ist, ein Sicherheitsrisiko. Wir senken einfach die Schwelle, ab der etwas giftig oder gefährlich zu gelten hat, wobei der Idealzustand überhaupt kein Leben mehr ist. So paßt `s wieder!

Oder auch nicht: Bis heute gibt es keine einzige Untersuchung darüber, die beweist, daß Bioprodukte gesünder, lebensverlängernder oder gar schmackhafter sind als der Industriefraß, daß Konservierungsstoffe irgendetwas Negatives im menschlichen Körper erzeugen oder sogenanntes Genfood etwas Schädliches bewirkt. Und es traten inzwischen eine Trillion von Untersuchungen an, das Gegenteil zu beweisen. Dafür wissen wir, daß Passivrauchen lebensverlängernd wirkt. Es funktioniert ungefähr wie eine Impfung, indem man dem Impfling durch das Zuführen des Krankheitserregers in niedriger Dosis dagegen immun macht.

Dennoch bleibt die Frage im Raum, weshalb seit den Siebzigern diese Millionen Umweltgesetze erlassen wurden, obgleich die Welt damals schon umweltmäßig total heile war. Wieso die Autobesitzer z. B. seit ein paar Jahren in die Stadt mit einem bestimmten Typ von Auto hineinfahren dürfen und sich dies durch eine erkaufte Plakette bestätigen lassen müssen. Genau, wegen Feinstaub! Schon wieder vergessen, was? Klar, man hört ja auch gar nix mehr davon. Nach dieser Regelung, die Leute sehr viel Geld gekostet hat, ist Gott sei Dank, der Feinstaub aus den Städten verschwunden. Ach, nicht? Natürlich nicht! Im Gegenteil, in manchen Städten ist er sogar gestiegen. Wißt ihr auch, warum? Weil Feinstaub ein natürlicher Teil der Städte, ja dieses ganzen Planeten ist. Man kann ihn gar nicht wegmachen. Es war alles nur eine Show. Aber Hauptsache das Gesetz ist durch. Und die Leute haben die Ursache für den Scheiß, wofür sie fürderhin fleißig bezahlen werden, längst vergessen.

Warum also diese Inflation an blödsinnigen Gesetzen? Es gibt dafür zwei Gründe. Einmal einen psychologischen. Schon in den Siebzigern schwamm die deutsche Gesellschaft in einem solch unglaublichen Wohlstand, daß sie sich den Luxus erlauben konnte, sich mit deppertem Zeug zu beschäftigen. Wir kennen das Phänomen, wenn wir ein aufregendes Buch gelesen haben oder einen tollen Film gesehen haben. Dann disputieren wir stundenlang über die Figuren darin, als entstammten sie der Realität, und vergessen dabei ganz, daß sie reiner Phantasie entstammen. Das können wir uns deshalb erlauben, weil wir satt und gesund sind und keine anderen wichtigen Probleme haben. Langeweile, sonst nichts. Die Gründe, weshalb meine Eltern damals nach Deutschland kamen, waren da etwas handfester Art. Unter anderem, damit die Kinder im Winter nicht erfrieren, weil man sich kein Brennholz leisten konnte. Naja, anderseits wäre es im Einklang mit der Natur gewesen.

Der zweite Grund, weshalb der Umweltscheiß in Deutschland anbetungswürdiges Gottniveau erreicht hat, ist einfacher zu erklären. Weil ehemalige Maoisten, Marxisten, Kommunisten, Kinderficker (nicht vergessen, eine der Hauptforderungen der jungen Grünen war, Kinderficken zu legalisieren, Volker Beck hält dafür weiterhin die wortwörtliche Stange) und andere Wegelagerer in der Mitte der Siebziger gemerkt haben, daß in einem Land, in dem ein einfacher Arbeiter alle fünf Jahre ein fabrikneues, bar bezahltes Auto kaufen kann (ja, liebe Kinder, das konnte man damals wirklich), einfach keine Revolution zu machen ist. Da diese Leute aber nichts Gescheites gelernt und auch keinen Bock hatten, bei VW am Fließband zu stehen, schwenkten sie plötzlich auf die Naturschiene um und wurden GRÜN. Und wenn man selbst grün war, also eine Art unschuldige Pflanze, war der andere automatisch Beton. Und das ist der wahre Grund, weshalb die Kaste der Grünen seit diesem erfolgreichen Brainwash vierlagiges Toilettenpapier benutzt und du, lieber Leser, dreilagiges und weshalb die keinen Wein unter dreißig Euro trinken und du Bier aus der Plastikflasche und warum ein derart häßlicher Mann wie Joschka Fischer bis jetzt 700 blutjunge Frauen gefickt hat und du nur eineinhalb.

Resümee: Sämtliche Umweltgesetze nach 1975 abschaffen, auch den Katalysator und so einen Scheiß. Es hat in Deutschland zu keiner Zeit eine nennenswerte Umweltverschmutzung gegeben. Es war alles eine Lüge. Ach übrigens: Hatte man Umweltgesetzen früher den Anschein von Wissenschaftlichkeit gegeben, so bedarf es heutzutage gar keinen mehr. Nicht einmal einen Grund dafür. Jetzt sollen wir Wasser sparen, ohne daß man sich genötigt fühlt, zu erklären, wieso eigentlich? Vermutlich, weil das Wasser sich das dann denkt, in Deutschland bin ich nicht mehr willkommen. Dann gehe ich halt in die Sahelzone und träufle mich dem erstbesten verdurstenden Negerkind in den Mund. Und viel Spaß noch mit eurer Show-Energie, ihr Deutschen, die vom Blasen und durch die Aneinanderreibung von Körpern entsteht, wobei über euren Köpfen immerwährend die Sonne scheint und eure Hirne ausbrennt. Oder so. In diesem Sinne. Alles Scheiße, deine Elly!

Von Akif Pirincci erschien zuletzt der Roman SLAM

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