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  21.01.2008   20:21   +Feedback

Wie doof darf ein Feuilletonchef sein ?

Benny Peiser hat kürzlich auf die Achse eine Antwort von Jessen auf die Kritiker seiner Dampfplaudereien über deutsche Rentner als die wahre Ursache für die Schlagfreudigkeit von Jugendlichen mit Migrationshintergrund gesetzt. Nach dem üblichen Gejammer, dass man ihn und seine wahren Gedanken ganz falsch verstanden hätte, kommt Jessen wieder ins Schwadronieren. Diesmal geht es um Lenin, dessen Bild an der Wand seines Arbeitszimmers Fragen und Verwunderung bei etlichen Zeit-Lesern ausgelöst hatte. Der Kommunismus sei tot, aber der Bolschewismus „ein mal ganz allgemein als Terror der Mehrheit begriffen“, sei unsterblich. Er sieht sich gar von Bolschewiki verfolgt, denn in den Zuschriften artikuliere sich „jener Mob, der schon der Oktoberrevolution zum Sieg über die Minderheit verholfen hat.“ Damit stellt Herr Jessen die Geschichte allerdings auf den Kopf.
Zwar heißt Bolschinstwo tatsächlich Mehrheit, aber daraus folgt nicht, dass die Bolschewiki jemals die Mehrheit repräsentiert haben Tatsächlich war es eine kleine ,aber straff organisierte Minderheit, die den Oktoberputsch ausführte und die Macht ergriff. Mit dem roten Terror gelang es dieser Minderheit, ihre Macht zu zementieren. Mehr als siebzig Jahre hat eine Minderheit die Mehrheit um ihre Lebenschancen gebracht. Der reale Kommunismus mag tot sein, seine Legenden sind im Kopf des Feuilletonchefs unserer führenden Zeitgeist- Postille höchst lebendig. Kein Wunder, dass die Schüler unseres Landes bei jeder Umfrage durch Unkenntnis der Geschichte auffallen.
Wo sollen die auch herkommen, wenn Journalisten wie Jessen schon keine Ahnung haben.

(Vera Lengsfeld)


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