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  03.08.2009   17:12   +Feedback

Wie billig

Von Tim Maxeiner

Die letzten zwei Monate verbrachte ich an der amerikanischen Westküste. Acht Wochen unter meist netten, liberalen, weltoffenen und hilfsbereiten Menschen. „Layed back“ wie man so schön sagt. Doch alles hat ein Ende. Jetzt sitze ich eingeklemmt (bin zwei Meter groß) in einem Air-Berlin Flieger zurück nach Deutschland. Mit Urlaubern ist das wie mit der Massentierhaltung: Wenn man sie auf engem Raum zusammen sperrt, wird geschupst, gemeckert und beleidigt. Um den Stauraum für Handgebäck wird gekämpft wie um Leben und Tod. Kleiner Tipp: Einfach nur Handgepäck (und nicht noch drei weitere Taschen) mit an Board bringen. Dann ist für jeden genug Stauraum. Dass die soziale Kompetenz auf Flug AB 432 nicht die große Stärke sein würde, ahnte ich schon beim Warten am Gate. Es wurde so laut gesprochen, dass man zwangsläufig zuhören musste: Nicht über die raue Küsten-Landschaft von „Big Sur“ oder über die Ruhe im „Death Valley“ wurde geredet, sondern über die Eintrittsgelder der National Parks und die Preise von Leihwagen. Es wurde nicht erzählt, wie viel Geld man in Vegas verloren hat (was normal ist), sondern darüber wie viel Geld man gespart hat (was extrem langweilig ist). Leute, versteht ihr das unter Urlaub?  Steigt die Qualität eines Urlaubs, umso weniger Geld ausgegeben wird? By the way: America and Capitalism rock!

Den einen war im Hotel in San Francisco die Klimaanlage zu kalt, die anderen fanden kein gutes Essen. Dabei gibt es in San Fran an jeder Ecke exzellente (und preiswerte!) Restaurants. Zum Beispiel der „Mexican Market“ auf 24th Street im „Mission Distict“. Wie findet man den Weg? Einfach einen Passanten, der aussieht als würde er in San Fran leben (Mädel, Schlaghose, gefälschte Ray Ben Sunnies, zieht Marihuana-Duft mit sich) nach einem guten Platz zum Essen fragen. Ziemlich simpel, möchte man meinen. Stattdessen regt sich einer über den „Slang“ auf, den manche Amerikaner drauf haben. Ob er überhaupt eine Konversation mit einem US-Bürger hatte?  Erlöst wurde ich von der Air Berlin-Durchsage: „Am Schalter erhalten sie jetzt deutsche Zeitungen“. Plötzlich sprang die gesamte Wartehalle auf, stürmte zum Schalter und fing an sich um „Bild“, „Auto Motor & Sport“ und „Die Welt“ zu kloppen. Im Ernst: Ist Springer ein blaues Auge wert? Der Gesichtsausdruck des Air-Berlin-Mitarbeiters sagte alles: „ Kommt schon Leute. Der Krieg ist lange vorbei. Es ist genug für alle da.“

Gerade eben verteilt die Stewardess das Essen. Sie stellte jedem Gast die gleiche Frage: „Chicken or Pasta?“ Ziemlich einfach zu beantworten, eigentlich. Die Gegenfrage von dem Typen mit Halbglatze vor mir lautet: „Was ist die größere Portion?“ Mahlzeit. Dann klappt er seinen Sitz mit Schwung so weit nach hinten, dass meine Pasta es sich in meinem Schritt gemütlich macht. Gut dass Jack (thanks God, he is American and his last name is Daniel´s) neben mir sitzt und eine Flasche Hoffnung dabei hat. Mit jedem Schluck wächst meine Zuversicht, dass ich eines Tages in der Lage sein werde, mir ein Business Class Ticket zu leisten.

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Kategorie(n): Kultur 

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