Silvia Meixner 19.12.2011 16:46 +Feedback
Wer tot ist, kauft keinen Räucherlachs
Wer nach der Lektüre dieser Geschichte http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,804463,00.html noch Fisch kauft oder sich wundert, wenn ihm nach Genuss desselben schlecht wird, dem ist eigentlich nicht mehr zu helfen. Die Reaktionen der Händler sind an Überheblichkeit und Arroganz nicht zu überbieten. Aber natürlich haben wir als Kunden längst gelernt: Bevor es keine Toten gibt, werden die Behörden auch nicht wach. Und ein bisschen Durchfall oder Übelkeit gehört eben zum Leben dazu. Was uns nicht umbringt, macht uns härter. Selbst wenn Sie, lieber Leser, tot sind, wird Ihnen das Bedauern der Unternehmer, denen es piepegal ist, welche Ware sie ausliefern, vermutlich nachlaufen. Denn wer tot ist, kauft auch keinen Räucherlachs mehr.
Die Reaktion der vom NDR getesteten Räucherlachspackungen, deren Inhalt einen erschauern lässt ohne jemals davon gekostet zu haben, sind die völlige Verarschung der Kundschaft. Aldi, Edeka, Lidl, Netto, Penny, Rewe und Sky reagierten auf Nachfrage „gelassen“. Man sollte in diesen durch und durch ekeligen und Supermärkten einfach nicht mehr einkaufen. Denn das, was aufgedeckt wird, ist vermutlich nur die Spitze des Eisbergs. Bis vor kurzem wurden Tests dieser Art wenigstens- zu Recht-Ernst genommen.
Welchen geheimen Absprachen verdanken wir die neue Gelassenheit, gepaart mit Arroganz und Dummheit? Wo werden solche Reaktionsweisen beschlossen? Auf dem Lachsforum? In Norwegen beim Bier? Was kommt als nächstes? Wenn nicht Kinder, Hunde oder Prominente sterben, ändert sich nichts, überhaupt nichts. Ich wünsche den Verantwortlichen dieser Horror-Läden von Weihnachten bis zum 2. Januar Durchfall, Migräne und, da ich davon ausgehe, dass es in der Mehrzahl Männer sind, Impotenz. Nein, die Impotenz nicht vorübergehend – für immer!
Silvia Meixner ist Journalistin und Herausgeberin von http://www.good-stories.de
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Kategorie(n): Wirtschaft


