17.09.2012   19:35   +Feedback

Wer Botschafter tötet, hat recht

Ist es wirklich so schwer, sich klar von den Taten eines brutalen Mobs zu distanzieren, der unschuldige Menschen aufgrund eines Gerüchts ermordet? Offenbar ja, wie man in den letzten Tagen sehen konnte. Im Jemen, in Ägypten, Somalia, Libyen und vielen anderen muslimischen Ländern fordern „Demonstranten“ Tod und Vergeltung wegen eines Youtube-Videos, das sie nicht gesehen haben.

Ich habe den Mohammed-Trashfilm auch nicht gesehen und weiß darum nicht, ob er gut oder schlecht, unterhaltsam oder langweilig ist. Das ist aber auch völlig egal. Dieser Film und seine Macher tragen keine Verantwortung dafür, wenn irgendwelche Irren meinen, Menschen ermorden zu müssen. Darum ist es auch egal, was nun der genaue Inhalt des Streifens ist. Und trotzdem schießen sich viele Journalisten und Politiker auf den Filmemacher ein, weil er ja doch irgendwie eine Mitschuld trägt. Er hat schließlich bewusst provoziert. Ja, hat er vermutlich. Na und? Rechtfertigt das Mord? Wenn nein, warum wird dann überhaupt über ihn geredet?

Es gibt keine Mitschuld in diesem Fall. Es gibt Mörder und es gibt einen Filmemacher, das sind zwei komplett verschiedene Dinge. Wer dem Regisseur eine Mitschuld gibt, könnte nach dieser Logik auch einem Vergewaltigungsopfer den wirklich sehr kurzen Rock vorwerfen, den es in der Tatnacht trug. Muss ja nicht sein, da draußen laufen doch so viele Verrückte herum, das weiß man doch. Dann sind aber die Verrückten das Problem und nicht der kurze Rock. Ebenso ist nicht der Mohammed-Film das Problem, sondern die Islamisten, die darauf mit Mord und Totschlag reagieren.

Und wie reagieren deutsche Politiker auf diese Ereignisse? Fast alle kritisieren den kurzen Rock, so auch Ruprecht Polenz, der auf Facebook mitteilte: „Wer das Hetzvideo gegen den Islam und Muslime im Namen der Meinungsfreiheit verteidigt, hat nichts verstanden.“

Polenz wiederum hat offenbar verstanden, dass jemand, der gewalttätig ist, vor den Zumutungen der Meinungsfreiheit ganz besonders geschützt werden muss. (Ob man die friedlichen Moslems übrigens unbedingt in einen Topf mit diesen Kaputten werfen muss, ist wieder eine andere Frage.) Dass man auch ohne Sympathie für diesen Mohammed-Film der Meinung sein kann, dass jeder das Recht haben muss, so einen Film zu drehen, kann sich Polenz offensichtlich nicht vorstellen.

Was für eine moralische Bankrotterklärung ist es aber, diesem alles hassenden Mob entgegenzukommen? Da wird nicht etwa unsere Freiheit verteidigt, sondern ein Verbot solcher Filme gefordert. Und warum? Weil die islamistischen „Filmkritiker“ ihren Standpunkt durch die Ermordung eines Botschafters klarmachten und wer Botschafter tötet, hat recht. Auf Drohungen und Gewalt reagieren deutsche Politiker nun einmal nicht mit einemBekenntnis zu unseren Werten, sondern mit der Suche nach dem Rock, der schuld ist.

Gideon Böss schreibt für Die Welt den Blog “Böss in Berlin” (http://boess.welt.de/) und twittert unter: https://twitter.com/GideonBoess

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