Marko Martin 27.06.2011 19:26 +Feedback
Was wären wir ohne… Ironie?
Wären Philip Roth, Saul Bellow oder Woody Allen denkbar ohne das osteuropäische, das jüdische Erbe mit seinem Lächeln unter Tränen und dem Wissen um die Fragilität und Doppelgesichtigkeit der Dinge, der man am besten mit einer gewappneten Flexibilität im Denken, Schreiben und Sprechen begegnet? Die dortige Traditionslinie - mit Markierungspunkten von Kafka bis Imre Kertész - wagt nämlich sogar das Äußerste, die Konfrontation mit den letzten Fragen. Und wer auch immer gedacht haben mag, Ironie sei lediglich unverbindliche Tändelei für die guten Tage des Lebens, könnte eines Besseren belehrt werden bei dem skeptisch gläubigen Katholiken Czeslaw Milosz, der kurz vor seinem Tod schrieb: “Es kann einem nichts Besseres passieren, als dass man von seinem Leben Abschied nimmt, indem man es als bloßen Kommentar zu einigen Gedichten auffasst.” Was wären wir wohl ohne die höhere Heiterkeit solchen Denkens, solcher Sätze?
http://www.welt.de/print/die_welt/debatte/article13449389/Zwischen-den-Zeilen.html
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Kategorie(n): Kultur


