17.10.2012   22:15   +Feedback

Von Soldaten und Erdbestattern

In Zukunft wird also jedem Soldaten, der in Schulklassen über die Bundeswehr informieren will, ein „friedensbewegter“ Aufpasser zur Seite gestellt, der seine Sicht der Dinge ebenfalls kundtun darf. Na schön. Das ist eine gute Idee, denn auf diese Weise können die Schüler erleben, wie die Argumente der „Krieg ist immer falsch“-Fraktion zerlegt werden. Zum Beispiel, indem man nachfragt, wie denn das Problem Hitler gelöst wurde? Durch den massiven Einsatz von Pace-Fahnen und Konstantin Wecker oder doch eher durch Bomber, Panzer und Soldaten?

Vermutlich wird die Entscheidung in Nordrhein-Westfalen, dass nun auch „Friedensgruppen“ ins Klassenzimmer kommen dürfen, der Sache der Friedensbewegung mehr schaden als nutzen. Denn es ist eine beeindruckend ignorante Weltsicht der Neopazifisten, Gewalt ganz grundsätzlich für böse zu halten. Es kann Situationen geben, in denen Gewalt als letztes Mittel angewendet werden muss. Wer das ausschließt, spielt Diktatoren und Menschenhassern in die Hände, die (zum Beispiel) Mädchen erschießen, die gerne in die Schule gehen würden. Will man das? Mit dieser Frage sollte man die Friedensbewegten ruhig konfrontieren. Von daher dürften die Klassenzimmer-Duelle die effektivste Selbstdemontage einer verlogenen „Friedensbewegung“ sein, die ihre Empathielosigkeit mit den Unterdrückten dieser Welt noch für einen Beweis moralischer Überlegenheit hält.

Es ist diese moralische Verwahrlosung, die es Vertretern der Friedensbewegung erlaubt, den Tod deutscher Soldaten mit Genugtuung zu Kenntnis zu nehmen. So kann man auf der Homepage der Deutschen Friedensgesellschaft Postkarten kaufen, auf denen Särge gefallener Soldaten abgebildet sind und dazu die Zeilen „Wir sind Weltmeister. Wir sind Papst. Wir sind tot“ oder „Erdgas. Erdöl. Erdbestattung“. Die gleichen Leute, die ständig von Liebe und Weltfrieden sprechen, finden es richtig, sich über gefallene Soldaten lustig zu machen. Wobei das aber nicht heißt, dass sie gar keine Skrupel kennen würden, wie folgendes Zitat beweist:

„Wenn die Tötung eines Menschen, wie groß auch seine Verbrechen sein mögen, von westlichen Politiker/innen mit “Erleichterung” aufgenommen und gefeiert wird, begeben sie sich auf das Niveau derjenigen Terroristen, denen ein Menschenleben nichts wert ist.“

Was will die Deutsche Friedensgesellschaft damit eigentlich sagen? Dass sie sich auf dem Niveau von Terroristen befindet? Darauf noch einen Witz über tote Bundeswehrsoldaten.

Und demnächst werden also Aktivisten aus dieser Szene, die vom „angeblichen Al-Kaida-Führer Osama bin Laden“ spricht und gefallene Bundeswehrsoldaten auf Postkarten verhöhnt, ihre Sicht der Dinge vor Schulklassen präsentieren dürfen. Das könnte noch interessant werden.

Gideon Böss schreibt für Die Welt den “Blog Böss in Berlin” (http://boess.welt.de/) und twittert unter https://twitter.com/GideonBoess

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