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  20.12.2009   01:10   +Feedback

Völkermord, Rassismus und Klimawandel

Von Rainer Bonhorst

Lumumba Di-Aping, Delegierter des Sudan und Sprecher der Entwicklungsländer beim Klimagipfel in Kopenhagen, ist offenbar ein Mann mit einem ausgesprägten Sinn für schwarzen Humor, wenn man dieses Wort in diesem afrikanischen Kontext benutzen darf.

Der Sudanese wirft uns Europäern vor, wir machten uns eines millionenfachen Völkermordes schuldig, weil wir ihm nicht die Milliarden für den Klimaschutz geben, die er gerne gehabt hätte. Das ist ein so starkes Stück, dass man es nur als missglückten Witz verstehen kann.

Aber beißen wir uns doch für eine Weile an zwei Wörtern fest: am Völkermord und an den Milliarden für den Klimaschutz.

Der Völkermord ist eine Fertigkeit, in der die sudanesische Führung keinerlei Unterstützung von uns Europäern benötigt. Wir haben da zwar auch unsere Erfahrungen. Was aber die letzten zehn, zwanzig Jahre angeht, da hat der Sudan in Sachen Völkermord zweifellos eine Sitzenposition errungen. Ob der islamische Norden den tieferen Süden drangsaliert, oder -aktueller - den Westen: Das Leben in weiten Teilen des Sudan ist keinen Pfifferling wert. Und das Jahr 2009 gehörte, folgt man den Ärzten ohne Grenzen, zu den blutigsten. Tausende Ermordete, hundertausende Vertriebene und Flüchtlinge.

Die traditionellen Gründe für Völkermord und Vertreibung sind die Religion und das Geld. Die Islamisten des Nordens hatten es Jahrzehnte lang auf die Christen und Animisten des Südens abgesehen. Und im Westen ist man hinter den Bodenschätzen her. Friedensabkommen sind nicht viel wert.

Und jetzt ist der Klimawandel in die Liste der sudanesischen Todesursachen aufgenommen worden. Das ist nicht ganz so abwegig, wie man es gerne hätte. Die Austrocknung der Subsahara tut den Sudanesen weh und verschärft die Kämpfe um Wasser, Rinder und Wohlstand, soweit man von Wohlstand sprechen kann. Aber die Hauptgründe sind andere, ältere und selbstgemachte. Es sind Fanatismus und Raffgier.

Die Erderwärmung ist für Leute wie Lumumba Di-Aping als Waffe gegen den reichen Norden ein Geschenk des Himmels. Er kann mit unschuldigem Augenaufschlag das Wort “Völkermord” in Richtung Norden schleudern und darf auf unser schlechtes Gewissen hoffen.

Wir können ja durchaus eins haben: Gar nicht so sehr wegen des Klimas sondern viel mehr wegen Europas verheerender kolonialer Intervention in Afrika. Aber das ist lange her. Und Afrikas Probleme immer noch ganz und gar mit dieser hässlichen, aber alten Geschichte zu begründen, gehört inzwischen zu den billigsten Ausreden. Man ist versucht von einer verqueren Form des Rassismus zu sprechen. Wir tun ja so, als wären die Afrikaner in einem halben Jahrhundert Unabhängigkeit sozusagen genetisch nicht in der Lage, für sich selbst zu sorgen. Da schimmert immer noch the white man’s burden, die alte koloniale Last des weißen Mannes durch. Nein, wo die Afrikaner versagen, sind sie inzwischen größeren Teils selbst verantwortlich.

Der Hauptgrund: Ganz klar, die vielen miserblen politischen Systeme Afrikas, die Kriegslust, die bodenlose Korruption..Kommt einem bekannt vor? Das korrupte, blutrünstige alte Europa? Ja, das stimmt wohl.

Aber jetzt stellen wir uns doch nur mal vor, Europa und Amerika gäben den Sudanesen und anderen Entwicklungsländern mit abstoßenden Systemen die gewünschten Milliarden für den Klimaschutz. Wo würden die wohl landen? Im Klimaschutz? Wer das glaubt, ist - nun ja - sehr, sehr gutgläubig. Nein, das Geld würde auf Nimmewiedersehen überall hingehen nur nicht dorthin, wo es hingehörte. Die Korruption ist in vielen Ländern ein mindestens so schlimmes Übel wie der Klimawandel.

Darum ist zumindest dieser Aspekt des allgemein beklagten Ausgangs der Kopenhagener Klimakonferenz ein Segen. Andere vielleicht auch. aber das ist eine andere Geschichte.

Siehe auch:
http://www.welt.de/politik/ausland/article5539925/Klimagipfel-zahlt-Entschaedigung-an-Voelkermoerder.html

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Kategorie(n): Ausland 

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